FES BRIEFING NORDMAZEDONIEN Gewerkschaftsmonitor Mai 2022 POLITISCHE, WIRTSCHAFTLICHE UND SOZIALE RAHMENBEDINGUNGEN POLITISCHE ENTWICKLUNG Die seit Mitte 2017 amtierende sozialdemokratisch(Socijaldemokratski Sojuz na Makedonija, SDSM, Sozialdemokratische Liga Mazedoniens) geführte Regierung von Zoran Zaev (seit Januar 2021: Dimitar Kovachevski) wurde im Juli 2020 wiedergewählt. Die erste Amtszeit war vor allem auf die Beilegung von Nachbarschaftsstreitigkeiten und die Annäherung an die Europäische Union mit dem Ziel der Eröffnung von Beitrittsgesprächen ausgerichtet. Auch wenn die Beitrittsgespräche derzeit noch immer an dem Widerstand Bulgariens scheitern, welches Mazedonisch nicht als eigenständige Sprache und die historischen Wurzeln des Landes nur als Abtrennung von Bulgarien anerkennen will, ermöglichte das Prespa-Abkommen mit Griechenland den im März 2020 vollzogenen Beitritt zur NATO. In der zweiten Amtsperiode, in der Zoran Zaev erneut mit der albanischen BDI(Bashkimi Demokratik për Integrim, Demokratische Union für Integration) koaliert, liegen die Reformprioritäten in der Innenpolitik. Insbesondere der Kampf gegen Korruption, die Unabhängigkeit der Justiz sowie Reformen der öffentlichen Verwaltung stehen im Vordergrund. Aufgrund der COVID-19-Pandemie ist zudem ein besonderer Druck auf die Wirtschaft entstanden, das Bildungssystem hinkt in Fragen der Digitalisierung hinterher, der Tourismus ist quasi zum Erliegen gekommen, auch weil die Rücküberweisungen der Diaspora sowie ihre Besuche im Land deutlich gesunken sind. Auch ausländische Direktinvestitionen sind eingebrochen, was durch die Pandemie bedingt ist, aber auch verstärkt wird aufgrund der bulgarischen Blockade und den infolgedessen noch immer fehlenden Beginn der Beitrittsgespräche. Aufgrund der beschriebenen Entwicklungen verloren die Sozialdemokraten die Kommunalwahlen im Oktober 2022 deutlich, woraufhin Zaev vom Partei- und Regierungsvorsitz zurücktrat. Als Nachfolger wurde der ehemalige Vize-Finanzminister Dimitar Kovachevski gewählt, der sich noch mehr als Zaev auf den innenpolitischen Reformkurs konzentriert. Wie in Nordmazedonien üblich, entschieden sich die Sozialpartner den außenpolitischen Kurs der Regierung nicht zu kommentieren. Während die Bemühungen der Regierung zur Erhöhung des Mindestlohnes auf umgerechnet 300 Euro, die Förderung einer breiten sozio-ökonomischen Reformdebatte sowie die Reformierung der gesetzlichen Sozialversicherungsbeiträge in den vergangenen Jahren begrüßt wurden, gibt es im Zuge des Krisenmanagements von COVID-19, rund um Fragen von Arbeitsschutz in Fabriken, immer wieder Auseinandersetzungen. Zentrale arbeitsmarktpolitische Projekte, die die sozialdemokratische Regierung vorgenommen hat, betreffen die Erneuerung des Arbeitsgesetzes sowie Regelungen zum arbeitsfreien Sonntag. Bessere Arbeitsrechtsbestimmungen für die Arbeitnehmer_innen(Steigerung der Mindestabfindungszahlungen von sechs auf sieben Monatslöhne; Einschränkung der Einstellung neuer Beschäftigter nach teilweiser Entlassung von Beschäftigten, usw.) wurden 2019 implementiert und der Sonntag 2021 zum arbeitsfreien Tag erklärt. Die öffentliche Debatte über ein neues Arbeitsgesetz konnte in Gang gebracht, jedoch noch immer nicht abgeschlossen werden. Es soll u. a. die Dauer der Kurzzeitarbeitsverträge(befristete Arbeitsverträge) auf ein Jahr verkürzt werden(die Höchstlaufzeit beträgt derzeit fünf Jahre), um mehr Menschen in reguläre Beschäftigung zu bringen. So kontrovers die Verhandlungen zum arbeitsfreien Sonntag geführt wurden, so wurden die beschlossenen Ausnahmeregelungen(v.a. für spezifische Industrien) gleichsam breit diskutiert und werden das Jahr prägen. Die Entscheidung wurde – ungeachtet dessen – von einer großen Mehrheit der Arbeitnehmer_innen begrüßt. Der Regierung ist es weiterhin gelungen, einen neuen Gesetzesentwurf für Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz zu erstellen und hat diesen – in Zusammenarbeit mit der FES – durch Konsultationen mit den Sozialpartnern gestärkt, jedoch bisher – aufgrund der Regierungsumbildung – nicht ins Parlament einbringen können. Die Regierung leitete fiskalische Impulse zur Subventionierung von Investitionen und Beschäftigung ein. Die Wirtschaftspolitik konzentrierte sich auf drei Hauptpfeiler: 1
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2022
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