FES BRIEFING NORDMAZEDONIEN Gewerkschaftsmonitor Juli 2023 POLITISCHE, WIRTSCHAFTLICHE UND SOZIALE RAHMENBEDINGUNGEN POLITISCHE ENTWICKLUNG Die sozialdemokratische Regierung von Dimitar Kovachevski (zuvor stellvertretender Finanzminister) trat ihr Amt im Februar 2022 an. Wie sein Vorgänger Zoran Zaev verfolgt Kovachevskis Regierung eine Politik, welche auf die Lösung von Nachbarschaftsstreitigkeiten sowie auf eine Annäherung an die Europäische Union, mit dem Ziel, Beitrittsgespräche aufzunehmen und voranzubringen, abzielt. Der Beginn solcher Beitrittsgespräche war lange umstritten; Griechenland, Frankreich und Bulgarien hatten ihr Veto eingelegt. Auf der Grundlage eines von der französischen EU-Ratspräsidentschaft vermittelten Kompromisses wurde das bulgarische Veto im Juli 2022 schließlich unter der Bedingung aufgehoben, dass Nordmazedonien im Rahmen einer erneuten Verfassungsänderung, Bulgar*innen als offizielle Minderheit anerkennt. Obwohl der angestrebte EU-Beitritt an sich nicht grundsätzlich durch Kontroversität geprägt ist, belasten die Wurzeln des Konflikts(Bulgarien weigert sich, Mazedonisch als eigenständige Sprache anzuerkennen und sieht die historischen Wurzeln des Landes nur in der Trennung von Bulgarien) sowie die früheren Schritte zur Aufnahme ernsthafter Beitrittsgespräche, allen voran das Prespa-Abkommen mit Griechenland, welches den NATO-Beitritt des Landes im Jahr 2020 ermöglichte, die Regierung zunehmend. Dem Beginn der Beitrittsgespräche wird alles untergeordnet. Setzte sich die Koalition von Dimitar Kovachevski in Zusammenarbeit mit der Albanischen Demokratischen Union für Integration(DUI) und anderen Parteien der albanischen Minderheit anfangs noch stark für eine Fortsetzung des innenpolitischen Reformprogramms seines Vorgängers ein, so traten im Laufe der Zeit Vorhaben wie der verstärkte Kampf gegen die Korruption, die Unabhängigkeit der Justiz und Reformen in der öffentlichen Verwaltung durch den Vorrang der EU-Integrationsagenda in den Hintergrund. Das Bildungssystem hinkt bei der Digitalisierung hinterher und der Tourismus wurde von der Weltwirtschaftskrise und der Inflation hart getroffen, nicht zuletzt, weil die Rücküberweisungen der Diaspora und deren Besuche im Land stark zurückgegangen sind. Die ausländischen Direktinvestitionen sind ebenfalls leicht zurückgegangen, was zum Teil auf die Pandemie, aber auch auf die bulgarische Blockade und den schleppenden Beginn der Beitrittsgespräche zurückzuführen ist. Während die von der Regierung im Rahmen des sozialen Dialogs vereinbarte Anhebung des Mindestlohns auf umgerechnet 300 Euro monatlich und die Förderung einer breiten Debatte über sozioökonomische Reformen sowie die Reform der gesetzlichen Sozialversicherungsbeiträge in den letzten Jahren mehrheitlich begrüßt wurden, gibt es nach wie vor Probleme im Bereich des Arbeitsschutzes. Die wichtigsten geplanten arbeitsmarktpolitischen Projekte der sozialdemokratischen Regierung betreffen die Erneuerung und Aktualisierung des Arbeitsgesetzes. Die öffentliche Debatte über ein neues Arbeitsgesetz hat zwar begonnen, ist aber noch nicht abgeschlossen. Unter anderem wird vorgeschlagen, die Dauer von befristeten Arbeitsverträgen auf zwei Jahre zu verkürzen(die Höchstdauer beträgt derzeit fünf Jahre), um somit mehr Menschen den Weg in reguläre Arbeitsverhältnisse zu ebnen. Erste Vorschläge für einen arbeitsfreien Sonntag wurden zwar kontrovers aufgenommen, insbesondere von einigen Branchen, welche angaben, ihre Produktionsprozesse nicht unterbrechen zu können, fanden grundsätzlich aber großen Anklang bei den Arbeitnehmer*innen. Mit Unterstützung des FES-Büros in Skopje wurde darüber hinaus ein neues Gesetz über Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz ausgearbeitet sowie eine öffentliche Debatte initiiert. Die Regierung hat derweil ein Konjunkturprogramm zur Förderung von Investitionen und Beschäftigung eingeleitet. Die verfolgte Wirtschaftspolitik konzentrierte sich auf drei Hauptpfeiler:(1) Ausländische Direktinvestitionen;(2) Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit des Privatsektors durch öffentliche Infrastrukturausgaben; und(3) Förderung der Beschäftigung durch aktive Arbeitsmarktpolitik und Arbeitgeberzuschüsse. Mehrere Richtlinien wurden überarbeitet, um ihre Wirksamkeit zu verbessern. Die Subventionen für Investitionen und Beschäftigung im Privatsektor wurden ebenfalls erhöht, und die neue Regie1
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2023
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