FES BRIEFING PORTUGAL Gewerkschaftsmonitor Mai 2021 POLITISCHE, WIRTSCHAFTLICHE UND SOZIALE RAHMENBEDINGUNGEN POLITISCHE ENTWICKLUNG Die Tätigkeit der Regierung konzentriert sich seit März 2020 auf die Bekämpfung der Pandemie und ihrer wirtschaftlichen und sozialen Folgen. Dabei kann sie sich auf einen soliden politischen und sozialen Konsens stützen, der trotz gewisser Ermüdungserscheinungen bis heute besteht. Dieser Umstand hat zur Stabilisierung der seit 2019 amtierenden Minderheitsregierung geführt. Unter normalen Umständen hätte Premierminister António Costa mit erheblich größeren Schwierigkeiten bei der Beschaffung der zum Regieren notwendigen Parlamentsmehrheiten rechnen müssen. Die gute Zusammenarbeit zwischen dem liberalkonservativen Staatspräsidenten Marcelo Rebelo de Sousa und der PS-Minderheitsregierung ist ein besonders wichtiger Faktor bei der politischen Stabilisierung. Der Präsident hat wiederholt öffentlich betont, dass das Land sich angesichts der Pandemie und ihrer wirtschaftlichen und sozialen Folgen nicht auch noch eine politische Krise leisten könne. Diese klare Stellungnahme zugunsten der amtierenden PS-Regierung hat ihm einige Kritik aus seiner eigenen Partei PSD eingetragen. Bei den Präsidentschaftswahlen im Januar 2021 errang Marcelo Rebelo de Sousa mit 60,7 Prozent der Stimmen einen souveränen Sieg. Die Sozialistische Partei hatte keinen eigenen Kandidaten aufgestellt und der auf eigene Initiative kandidierenden Sozialistin Ana Gomes keine offizielle Unterstützung gegeben. Ana Gomes errang mit 13 Prozent den zweiten Platz, knapp vor dem Vorsitzenden der rechtspopulistischen Partei CHEGA(11,9 Prozent). Ana Gomes und die Kandidat_innen der Kommunistischen Partei(PCP) und des alternativen Linksblocks(BE) kamen gemeinsam auf nur 20 Prozent, in krassem Unterschied zu den Parlamentswahlen 2019, bei denen PS, PCP und BE in der Summe 52 Prozent erreichten. Die Wahlbeteiligung bei den Präsidentschaftswahlen lag bei nur 39,2 Prozent, was es dem rechtspopulistischen Kandidaten erleichterte, einen so hohen Stimmenanteil zu erzielen. Die Sozial- und Arbeitspolitik der Regierung stand ganz im Zeichen der Bewältigung der Folgen der Pandemie. Es wurden umfassende Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung und zum Schutz der Bevölkerung vor den direkten und indirekten sozialen Folgen der Pandemie ergriffen. Dabei kam das Instrument der Kurzarbeit in einem nie zuvor gesehenen Ausmaß zum Einsatz. Progressive Reformen erfolgten in diesem Zusammenhang kaum, und das von der Regierung lancierte Grünbuch zur»Zukunft der Arbeit« blieb weit hinter den Erwartungen zurück. Die Gewerkschaftsdachverbände CGTP und UGT begleiteten die Maßnahmen der Regierung mit konstruktiver Kritik, die im Fall der unter kommunistischer Führung stehenden CGTP naturgemäß härter ausfiel. Die CGTP bestand auch stets darauf, ihr Recht auf Versammlung wahrzunehmen und führte sowohl 2020 als auch 2021 ihre 1. Mai-Kundgebungen durch, wenn auch mit verringerter Beteiligung und umfassenden Sicherheitsmaßnahmen. WIRTSCHAFTLICHE UND SOZIALE LAGE Im Jahr 2020 sank das portugiesische Bruttoinlandsprodukt um 7,6 Prozent, 0,7 Prozentpunkte mehr als in der Gesamtheit der Eurozone. Für das laufende Jahr wird ein Wachstum von 3,9 Prozent erwartet(Eurozone: 4,0 Prozent), und im Jahr 2022 soll sich das Wachstum auf 5,2 Prozent erhöhen (Eurozone 4,1 Prozent). Trotz dieses wirtschaftlichen Einbruchs stieg die offizielle Arbeitslosenquote 2020 nur um 0.3 Prozentpunkte an(auf 6,8 Prozent), sie wird aber in den Jahren 2021–2022 voraussichtlich bei 7,7 Prozent liegen. GEWERKSCHAFTSPOLITISCHER KONTEXT Im Jahr 2021 soll der XIV. Kongress des sozialliberalen Dachverbandes UGT stattfinden. Der seit 2013 amtierende Generalsekretär Carlos Silva hat angekündigt, nicht für ein weiteres Mandat zu kandidieren. Über die Regelung seiner Nachfolge an der Spitze der UGT ist noch nichts bekannt. 1
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2021
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