FES BRIEFING SCHWEDEN Gewerkschaftsmonitor Juli 2023 POLITISCHE, WIRTSCHAFTLICHE UND SOZIALE RAHMENBEDINGUNGEN POLITISCHE ENTWICKLUNG Die Parlamentswahlen 2022 führten zur Bildung einer Minderheitsregierung durch die konservativ-bürgerlichen Parteien: die Moderaten(Moderaterna), die Christdemokraten (Kristdemokraterna) und die Liberalen(Liberalerna). Sie werden durch ein festes Vorab-Abkommen mit der rechtsradikalen Partei die Schwedendemokraten(Sverigedemokraterna) gestützt. Nur so konnten sie sich die Regierungsmacht sichern. Die Inhalte des Abkommens tragen klar die Handschrift der Rechtsradikalen. Möglich wurde diese Kooperation, weil die Schwedendemokraten als zweitstärkste Partei aus der Wahl hervorgingen. Zusammen halten die vier Parteien 176 von 349 Sitzen im Parlament. Obwohl die Sozialdemokraten die Regierung abgeben mussten, blieben sie stärkste Partei mit 30,33 Prozent der Stimmen (2018;+1,93 Prozent). Die Schwedendemokraten erzielten mit 20,54 Prozent(2018:+3,04 Prozent) ihr historisch bestes Wahlergebnis. Die Moderaten folgten mit 19,1 Prozent(2018: –0,7 Prozent) der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 84,21 Prozent(2018: –2,99 Prozent). Obwohl die Sozialdemokraten unter Magdalena Andersson stärkste Kraft blieben, schnitten ihre Unterstützerparteien(aus dem linken Block und die liberale Zentrumspartei) sehr schwach ab, weshalb der gemeinsame Regierungsanspruch verloren ging. Die politischen Ansichten der Schwedendemokraten spiegeln sich in dem gemeinsamen Regierungsabkommen»Tidöavtalet«. Das Abkommen beinhaltet 200 politische Vorschläge und regelt die Regierungsarbeit in vielen Themen: Migration und Integration; Kriminalität; Klima und Energie; Wirtschaftspolitik; Krankenpflege; Schulpolitik u. v. m. Die neue Migrations- und Integrationspolitik erhielt schnell die größte Aufmerksamkeit. Sie zielt darauf ab, die Bedingungen für Migrant*innen zu verschärfen und zukünftige Migrierende abzuschrecken. So soll der bisher automatische Zugang zu Sozialleistungen überprüft werden und Asylantragsprozesse sollen in Transitcenter verlegt werden. Aufenthaltsgenehmigungen sollen zurückgezogen werden können und permanente Aufenthaltsgenehmigungen abgeschafft werden. Es heißt, dass die Rechte des Einzelnen im Asylverfahren nicht weiter gehen dürfen, als das EU-Recht es vorschreibt, d. h. z. B., dass das Recht auf einen Dolmetscher oder das Recht auf einen staatlich finanzierten Rechtsbeistand überprüft werden. Die Klima- und Energiepolitik besteht zum großen Teil aus besseren Bedingungen für Atomkraft und Plänen für neue Atomkraftwerke. Um die öffentliche Sicherheit in den Griff zu bekommen, sehen die Politikvorschläge zur Kriminalitätsbekämpfung hauptsächlich Verschärfungen vor, aber auch zeitlich begrenzte Polizeikontrollzonen(ohne konkreten Strafverdacht), Doppelbestrafung für Bandenkriminelle und die Einführung anonymer Zeugen. Die Möglichkeit Gefängnisplätze im Ausland zu mieten wird untersucht. Vielen Vorschlägen wird vorgeworfen, dass sie die Rechtssicherheit abbauen oder auch wichtige gesamtgesellschaftliche Ziele wie die Umstellung auf eine CO 2 -freie Wirtschaft verlangsamen. Themen, die im Abkommen nicht vorkommen, wie Außenpolitik und EU-Fragen, sollen nicht Gegenstand der Zusammenarbeit sein. Es hat sich aber gezeigt, dass die Schwedendemokraten mitreden können, wenn EU-Fragen Themen aus dem Regierungsabkommen abdecken, wie Migration. Bereits seit geraumer Zeit wird die Regierungsbildung im schwedischen Parteiensystems immer schwieriger – insbesondere durch das Erstarken der Rechtsextremen und die allgemeine Fragmentierung. Bis 2018 wurde versucht, die Schwedendemokraten im Parlament zu isolieren und Kooperationen zu verweigern. Bereits bei der Parlamentswahl 2018 wurden die Schwedendemokraten drittstärkste Partei(17,53 Prozent). Sie hebelten damit die Blocktradition des schwedischen Parteiensystems aus. Weder der linke noch der konservative Block waren alleine regierungsfähig. Für die Regierungsbildung 2018 waren blockübergreifende Zugeständnisse nötig, um überhaupt ohne die Schwedendemokraten regieren zu können. Mit dem Januar-Abkommen sicherten sich Sozialdemokraten und Grüne die Duldung der Liberalen und der Zentrumspartei. Damit brachen sie den bürgerlichen Block liberaler, konservativer und rechter Parteien – die tradi1
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2023
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