FES BRIEFING SERBIEN Gewerkschaftsmonitor März 2021 POLITISCHE, WIRTSCHAFTLICHE UND SOZIALE RAHMENBEDINGUNGEN POLITISCHE ENTWICKLUNG Die serbische Innenpolitik wird seit 2012 Jahren von Aleksandar Vu č i ć und seiner Fortschrittspartei(SNS) dominiert. Seit sie an die Macht kam, hat sie die Opposition hinweggefegt und die staatlichen Institutionen ihren Parteiinteressen unterworfen. Die Kritik der Opposition und internationaler Beobachter richtet sich vor allem gegen die Einschränkungen der Pressefreiheit, gegen die Missachtung demokratischer Verfahrensweisen und gegen die Schwächung der Rolle des serbischen Parlaments angesichts einer übermächtigen Exekutive. Wie erwartet, hat die SNS von Präsident Vu č i ć bei den letzten Parlamentswahlen im Juni 2020 einen klaren Sieg erreicht. Dieser Sieg stellt einen deutlichen Rückschlag für den Stand der Demokratie in Serbien dar. Diesmal schafften nur drei Parteilisten den Einzug ins Parlament(die von SNS geführte Liste 61,59 Prozent, der bisherige Junior Partner in der Regierung SPS 10,37 Prozent und Bund SPAS des Bürgermeisters der Belgrader Gemeinde Novi Beograd). Außerdem zogen 5 Minderheitenlisten über die für die Minderheiten gesicherten Mandate ins Parlament ein. Zustande kam eine»Konzertierte Regierung« bestehend aus allen drei im Parlament vertretenen Parteien, sowie einigen parteilosen Experten, wobei diese Regierung nur eineinhalb Jahre bis zu vorgezogenen Neuwahlen im Amt sein solle. Damit wäre Serbien nicht nur faktisch, sondern auch formal ohne parlamentarische Opposition. Auf der anderen Seite ist die außerparlamentarische Opposition fragmentiert und untereinander weitgehend zerstritten. Der Boykott der Wahlen 2020 hatten viele Oppositionsparteien genutzt, um auf die Aushöhlung der demokratischen Institutionen und Missstände in der Medienlandschaft Serbiens aufmerksam zu machen. Ähnlich sieht die Lage auch die US-Organisation»Freedom House«. Anstatt Demokratie stuft diese Organisation Serbien als hybrides Regime ein. WIRTSCHAFTLICHE UND SOZIALE LAGE Serbien hat den Kandidatenstatus für die EU-Mitgliedschaft und befindet sich im Prozess der politischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Integration in die EU. Die Beitrittsverhandlungen waren seit 2014 relativ langsam: Nur 18 der 35 Verhandlungskapitel wurden bisher eröffnet, wobei im Jahr 2020 keine der Kapitel eröffnet wurde. Serbiens Wirtschaft ist vergleichsweise solide durch die Pandemie-Krise gekommen. Die internationalen Finanzorganisationen gehen auf Jahresbasis 2020 von einem Minus zwischen –3 Prozent und –1,8 Prozent aus. Die Krise verursachte geringere Tourismus- und Transportaktivitäten, geringere Rücküberweisungen von den im Ausland lebenden Bürger_innen, verlangsamte Exporte sowie geringere ausländische Direktinvestitionen und öffentliche Investitionen. Als Reaktion auf die Rezession hat sich Serbien für umfassende Hilfspakete für Unternehmen und Bürger_innen entschieden, die die negativen Auswirkungen der Rezession gemildert haben. Der Wert dieser Maßnahmen wird auf etwa 11 Prozent des serbischen Bruttoinlandsprodukts geschätzt. Die serbische Wirtschaft erlebte in den Jahren vor dem Ausbruch der Pandemie eine positive wirtschaftliche Entwicklung. Diese ist auf einen sichtbaren Anstieg der öffentlichen und ausländischen Investitionen sowie eine 2015 durchgeführte Haushaltskonsolidierung zurückzuführen. Diese Entwicklung lässt hoffen, dass die Beibehaltung der erwarteten hohen Wachstumsraten über einen längeren Zeitraum ein schnelleres Aufholen zu den stärker entwickelten EU-Ländern möglich ist. Jedoch ist Serbiens Wirtschaftsmodel mit vielen Wachstumshürden verbunden. Die liegen nicht nur in den Folgen der globalen Pandemiekrise, sondern vor allem in einem schwachen institutionellen Umfeld, d.h. Herausforderungen im Bereich der Rechtsstaatlichkeit und Korruption, mangelnder Umstrukturierung großer öffentlicher Unternehmen und unzureichendem Erfolg bei der Reform der öffentlichen Verwaltung. 1
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2021
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