FES BRIEFING SLOWENIEN Gewerkschaftsmonitor Juli 2023 POLITISCHE, WIRTSCHAFTLICHE UND SOZIALE RAHMENBEDINGUNGEN schaft Young Plus, wurde zu einer prominenten Figur der regierungskritischen Proteste. POLITISCHE ENTWICKLUNG In Slowenien fanden im April 2022 Parlamentswahlen statt. Vor der Wahl wurde das Land von einer rechten Koalition unter der Führung von Ministerpräsident Janez Janša von der Slowenischen Demokratischen Partei(Slovenska demokratska stranka, SDS), einem Verbündeten von Viktor Orbán, dem Ministerpräsidenten von Ungarn, regiert. Die Regierung nutzte die Pandemie zu ihrem politischen Vorteil aus, indem sie korrupte Praktiken und Vetternwirtschaft betrieb und eine populistische Agenda mit erheblichen nicht diskretionären Ausgaben verfolgte. Die Regierungskoalition hatte mit Legitimitätsproblemen zu kämpfen, da kleinere Parteien ihr vor der Wahl gegebenes Versprechen, der Regierung Janša nicht beizutreten, später änderten und sich für eine Zusammenarbeit entschieden. Die Regierung versuchte, sich mit verschiedenen Taktiken Stimmen zu sichern und ihre Macht zu erhalten, u. a. indem sie sich die Unterstützung der Bevölkerung mit Mitteln der»Covid-Hilfe« erkaufte und Einfluss auf die Medien ausübte. Der weit verbreitete Widerstand und die Unzufriedenheit behinderten jedoch ihre Bemühungen. Der soziale Dialog zwischen Gewerkschaften, NGOs und der Regierung war unzureichend. Die Versuche der Regierung, Slowenien an nicht-liberale Regime wie das von Viktor Orbán in Ungarn anzugleichen, stießen auf Ablehnung und die Rufe nach vorgezogenen Wahlen wurden lauter, als die Korruption und der Machtmissbrauch immer deutlicher wurden. Gleichzeitig verabschiedete die Regierung»Anti-Covid-Gesetze«, die einigen Sektoren Erleichterung verschafften, während andere aufgrund ideologischer Präferenzen auf der Strecke blieben. Die»Fahrrad«-Proteste entstanden als Reaktion auf den aggressiven Kommunikationsstil der Regierung, die Angriffe auf Medienfreiheit und NGOs, ebenso wie auf die Korruption, während gleichzeitig die Pandemie bekämpft wurde. Vor allem Tea Jarc, die Vorsitzende der GewerkDie Wahlen im April 2022 gipfelten in einer enormen politischen Polarisierung und in etwas, das man als Referendum über Janša und seine SDS-Regierung bezeichnen könnte. Die Wahlbeteiligung war eine der höchsten in der Geschichte Sloweniens. Robert Golob, der Manager im Energiesektor und Vizepräsident der ehemaligen Regierungspartei Pozitivna Slovenija war und nur wenige Monate vor den Wahlen eine neue liberale Partei namens»Freiheitsbewegung«(Gibanje Svoboda) gegründet hatte, ging als klarer Sieger hervor. Interessant ist, dass die Freiheitsbewegung gegründet wurde, weil Robert Golob als einflussreicher Geschäftsführer eines Energieunternehmens wenige Monate vor der Wahl von der Regierung entlassen wurde. Die Freiheitsbewegung wurde weithin als die stärkste politische Partei angesehen, die in der Lage war, Janšas SDS bei den Wahlen zu schlagen, was als eindeutige Ablehnung von Janšas Regierungskoalition zu verstehen ist. Das Bedürfnis,»die SDS zu schlagen«, war so stark, dass es zu vielen taktischen Abstimmungen kam, bei denen die Stimmen gegen Janša an Golob und nicht an andere Oppositionsparteien gingen. Die Sozialdemokraten(Socialni demokrati, SD) verloren mehr als ein Drittel ihrer Unterstützung im Vergleich zu 2018, die Linkspartei Levica verlor die Hälfte und die beiden Parteien der ehemaligen Ministerpräsidenten Šarec und Bratušek(Lista Marjana Šarca, Liste Marjan Šarec, LMŠ und Stranka Alenke Bratušek, Partei von Alenka Bratušek, SAB) schafften es nicht einmal ins Parlament, da sie an der Vier-Prozent-Hürde scheiterten. Dies führte im Juni 2022 zur Bildung einer neuen Mitte-linksRegierung unter der Führung der liberalen Freiheitsbewegung, der sich die Sozialdemokraten(SD) und die Linkspartei Levica anschlossen. Robert Golob wurde zum Ministerpräsidenten ernannt, die SD-Vorsitzende Tanja Fajon übernahm den Posten der stellvertretenden Ministerpräsidentin und Ministerin für auswärtige und europäische Angelegenheiten, während der Levica-Vorsitzende Luka Mesec stellvertreten1
Jahrgang
2023
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