FES BRIEFING SPANIEN Gewerkschaftsmonitor März 2019 POLITISCHE, WIRTSCHAFTLICHE UND SOZIALE RAHMENBEDINGUNGEN Álvarez und Unai Sordo zwei neue Vorsitzende mit einem klaren Auftrag zu einer gewerkschaftlichen Erneuerung. Aus Sicht der Gewerkschaften gilt die Reform des Arbeitsrechts(2012) als die gravierendste Veränderung für die Arbeiternehmer_innen und ihre Rechte. Die Regierung unter dem konservativen Premier Mariano Rajoy hatte als Teil ihrer Austeritätspolitik eine drastische Lockerung des Kündigungsschutzes bewilligt, bei dem schon vorübergehende Verluste oder erwartete zukünftige Absatzrückgänge als Rechtfertigung für Entlassungen betrachtet werden. Darüber hinaus steht es den Arbeitgebern frei aus der Tarifbindung auszuscheren und beispielsweise Lohnkürzungen festzulegen, gesetzt den Fall dafür»ökonomische, technische oder wettbewerbliche« Gründe nennen zu können. Zudem ist eine mehrmalige Verlängerung der befristeten Verträge von bis zu zwei Jahren möglich. Daneben wurden Subventionen an soziale Organisationen gekürzt, Freistellungsrechte von Delegierten beschnitten und gezielte antigewerkschaftliche Kampagnen gefahren. Fakt ist, die PP(Partido Popular) hatte mit der Einführung des Arbeitsrechtsreform 2012 gegen die Tarifautonomie der Gewerkschaften verstoßen, da sie die kurz zuvor getroffenen Vereinbarungen zwischen Arbeiternehmerorganisationen und Arbeitgebern außer Kraft gesetzt hatte. Die Arbeitsmarktreform stärkt somit explizit die individuelle Arbeitgebermacht gegenüber kollektiven Regelungen und schwächt gleichzeitig die Verhandlungsmacht der Gewerkschaften. Ein weiterer frontaler Schlag gegen die Gewerkschaftsbünde ist das Gesetz zur öffentlichen Sicherheit(2015), was die Streikund Demonstrationsfreiheit massiv beschneidet. Die neoliberale Wirtschafts- und Sozialpolitik kann somit als eine neokonservative, autoritäre Sicherheitspolitik verstanden werden. Die historischen Parlamentswahlen 2015 brachten viel Bewegung in die sozial-politische Landschaft Spaniens. Neben den zwei neuen Parteien(Podemos und Ciudadanos), die es geschafft haben, sich in dem politischen System zu etablieren, wählten die beiden großen Dachverbände auf ihren nationalen Kongressen 2016(UGT) bzw. 2017(CCOO) mit José María Nachdem Misstrauensvotum gegen Rajoy(2018) regiert die PSOE unter Pedro Sánchez in einer Linkskoalition mit Unidos Podemos, was auf dem Arbeitsmarkt für neuen Aufwind sorgte. Seit dem 1. Januar 2019 gilt ein flächendeckender Mindestlohn in Höhe von 900,- Euro netto in Spanien, was einer Anhebung von rund 22,3 Prozent entspricht. Zudem wurde ein Gesetz zur Gewährleistung der Gleichbehandlung und der Chancengleichheit von Frauen und Männern in Beschäftigung und Beruf erlassen, als auch eine Anhebung der Renten und Pensionen bewilligt. Die internationale Wirtschafts- und Finanzkrise traf Spanien sehr hart. Obwohl der Bauboom, Tourismus, und Dienstleistungssektor – besonders der Einzelhandel und die Gaststätten – von 1993 bis 2007 die Beschäftigung von zwölf auf 22 Mio. Menschen ansteigen ließen und dadurch die Arbeitslosenrate von 23 auf acht Prozent senkte, war die Mehrzahl der entstandenen Arbeitsplätze im prekären Niedriglohnsektor zu finden. Nach sieben Jahren Rezession und Arbeitsplatzabbau begann 2015 eine Phase langsamer wirtschaftlicher Erholung. Im Jahr 2018 veränderte sich das Bruttoinlandsprodukt(BIP) um rund 2,5 Prozent zum Vorjahr 1 . Gleichzeitig ist das BIP pro Kopf von rund 25.000 US-Dollar auf geschätzt rund 26.000 US-Dollar im Jahr 2018 gestiegen. 2 Die Arbeitslosenquote 2018(15 %) konnte im Vergleich zu 2017 um rund zwei Prozent gesenkt werden 3 . 1 Instituto Nacional de Estadística(INE), Producto Interior Bruto (PIB) – Crecimiento en volumen(Base 2010), https://www. ine.es/prensa/pib_tabla_cne.htm, 2018, 12.02.2019. 2 Wirtschaftskammer Österreich, Wirtschaftsprofil SPANIEN, Abteilung für Statistik, Februar 2019, http:// wko.at/statistik/eu/wp-spanien.pdf, 12.02.2019. 3 Instituto Nacional de Estadística(INE), Tasas de paro por distintos grupos de edad, sexo y comunidad autónoma, 2018, http://www.ine.es/jaxiT3/Datos.htm?t=4247, 12.02.2019. 1
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2019
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