FES BRIEFING NORDMAZEDONIEN Gewerkschaftsmonitor Mai 2025 POLITISCHE, WIRTSCHAFTLICHE UND SOZIALE RAHMENBEDINGUNGEN POLITISCHE ENTWICKLUNG sind. Die ausländischen Direktinvestitionen sind ebenfalls leicht zurückgegangen, was zum Teil auf die Pandemie, aber auch auf die bulgarische Blockade und den schleppenden Beginn der Beitrittsgespräche zurückzuführen ist. Die sozialdemokratische Regierung von Dimitar Kovachevski (zuvor stellvertretender Finanzminister) trat ihr Amt im Februar 2022 an. Wie sein Vorgänger Zoran Zaev verfolgt Kovachevskis Regierung eine Politik, welche auf die Lösung von Nachbarschaftsstreitigkeiten sowie auf eine Annäherung an die Europäische Union, mit dem Ziel, Beitrittsgespräche aufzunehmen und voranzubringen, abzielt. Der Beginn solcher Beitrittsgespräche war lange umstritten; Griechenland, Frankreich und Bulgarien hatten ihr Veto eingelegt. Auf der Grundlage eines von der französischen EU-Ratspräsidentschaft vermittelten Kompromisses wurde das bulgarische Veto im Juli 2022 schließlich unter der Bedingung aufgehoben, dass Nordmazedonien im Rahmen einer erneuten Verfassungsänderung offiziell eine »bulgarische« Minderheit im Land anerkennt. Obwohl der angestrebte EU-Beitritt an sich nicht grundsätzlich durch Kontroversität geprägt ist, belasten die historischen Wurzeln des Konflikts mit dem EU-Nachbarland Bulgarien sowie die früheren Schritte zur Aufnahme ernsthafter Beitrittsgespräche, allen voran das Prespa-Abkommen mit Griechenland, welches den NATO-Beitritt des Landes im Jahr 2020 ermöglichte, die Regierung zunehmend. Dem Beginn der Beitrittsgespräche wird alles untergeordnet. Setzte sich die Koalition von Dimitar Kovachevski in Zusammenarbeit mit der Albanischen Demokratischen Union für Integration(DUI) und anderen Parteien der albanisch-mazedonischen Minderheit anfangs noch stark für eine Fortsetzung des innenpolitischen Reformprogramms seines Vorgängers ein, traten im Verlauf der Zeit Vorhaben wie der verstärkte Kampf gegen die Korruption, für die Unabhängigkeit der Justiz und Reformen in der öffentlichen Verwaltung in den Hintergrund. Das Bildungssystem hinkt bei der Digitalisierung hinterher, der Tourismus wurde von der Weltwirtschaftskrise und der Inflation hart getroffen, nicht zuletzt, weil die Überweisungen der Diaspora und deren Besuche im Land stark zurückgegangen Während die von der Regierung im Rahmen des sozialen Dialogs vereinbarte Anhebung des Mindestlohns im Jahr 2024 auf umgerechnet 367 € monatlich erfolgte und die Förderung einer breiten Debatte über sozioökonomische und sozialversicherungsrechtliche Reformen in den vergangenen Jahren mehrheitlich begrüßt wurden, gibt es nach wie vor Probleme im Bereich des Arbeitsschutzes. Die wichtigsten arbeitsmarktpolitischen Projekte der vormaligen sozialdemokratischen Regierung betrafen die Erneuerung und Aktualisierung des Arbeitsgesetzes. Die öffentliche Debatte über ein neues Arbeitsgesetz hat zwar begonnen, ist aber noch nicht abgeschlossen. Unter anderem wurde vorgeschlagen, die Dauer von befristeten Arbeitsverträgen auf zwei Jahre zu verkürzen(die Höchstdauer beträgt derzeit fünf Jahre), um mehr Menschen den Weg in reguläre Arbeitsverhältnisse zu ebnen. Eine weitere wichtige Forderung der Gewerkschaften ist die Erhöhung des bezahlten Mutterschaftsschutzes von derzeit neun auf zwölf Monate. Erste Vorschläge für einen arbeitsfreien Sonntag wurden zwar kontrovers aufgenommen, fanden grundsätzlich aber großen Anklang bei den Arbeitnehmer_innen. Inzwischen ist der Sonntag ein arbeitsfreier Tag im Land, mit Ausnahmen in bestimmten Branchen, die ihre Produktionsprozesse nicht unterbrechen können, sowie in den touristischen Orten Nordmazedoniens. Mit Unterstützung des FES-Büros in Skopje wurde darüber hinaus ein neues Gesetz über Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz ausgearbeitet und eine öffentliche Debatte initiiert. Die ehemalige Regierung hatte ein Konjunkturprogramm zur Förderung von Investitionen und Beschäftigung eingeleitet. Ihre Wirtschaftspolitik konzentrierte sich auf drei Hauptpfeiler:(1) Ausländische Direktinvestitionen;(2) Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit des Privatsektors durch öffentliche Infrastrukturausgaben;(3) Förderung der Beschäftigung durch 1
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2025
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