Jahrgang 
2025
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FES BRIEFING IRLAND Gewerkschaftsmonitor Juni 2025 POLITISCHE, WIRTSCHAFTLICHE UND SOZIALE RAHMENBEDINGUNGEN ten. Sinn Féin bleibt die größte Oppositionspartei. Diese Kons­tellation bestätigte sich bei der Wahl 2024. POLITISCHE ENTWICKLUNG Wie in vielen Teilen Europas war auch die politische Lage in Irland im vergangenen Jahrzehnt von Instabilität geprägt. Zwi­schen Ende der 1990er-Jahre und 2007 erlebte das Land mit dem wirtschaftlichen Aufschwung des sogenannten»kelti­schen Tigers« einen beispiellosen Wandel: Irland entwickelte sich von einem der ärmsten Länder der EU zu einem der wohl­habendsten. Das Wirtschaftswachstum war rasant und die Arbeitslosenquote sank unter 5 Prozent. Der tiefe Einbruch folgte mit der Finanzkrise ab 2008. Der Zusammenbruch des Bankensektors und der Bauwirtschaft traf Irland hart und führte dazu, dass das Land unter das Rettungsprogramm von IWF, EZB und Europäischer Kommission( Troika) gestellt wur­de. Bei der Parlamentswahl 2011 erlitt die bis dahin dominie­rende Partei Fianna Fáil eine historische Niederlage, von der sie sich bis heute nicht vollständig erholt hat. Die wirtschaftli­che Erholung setzte jedoch rasch ein. Zur Wahl 2016 war das Troika-Programm abgeschlossen und Irlands Haushaltslage entsprach wieder den europäischen Vorgaben. Zwischen 2016 und dem Ausbruch der COVID-Pandemie wurde das politische Geschehen in Irland fast vollständig vom Brexit be­stimmt. Kein anderes EU-Land ist von den Folgen des briti­schen EU-Austritts so direkt betroffen wie Irland das Verei­nigte Königreich war Irlands wichtigster Handelspartner in­nerhalb der EU, und viele irische Staatsangehörige leben und arbeiten dort. Politisch war der Status Nordirlands das zwar zum Vereinigten Königreich gehört, aber eine große Bevölke­rungsgruppe mit irischer Identität aufweist über Jahrzehnte hinweg umstritten, auch wenn die politische Gewalt durch das Karfreitagsabkommen von 1998 weitgehend beendet wurde. Ein weiterer Einschnitt war die Wahl 2020: Sinn Féin erzielte ein Rekordergebnis, das zu einem Dreiparteienpatt führte. Fi­anna Fáil und Fine Gael regieren seither gemeinsam zuerst mit den Grünen und aktuell mit unabhängigen Abgeordne­Vor dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie galten die größ­ten Sorgen einem möglichen»No-Deal«-Brexit. Umso größer war die Erleichterung, als Ende 2020 das Austrittsabkommen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU zustande kam. Einen weiteren politischen Durchbruch brachte Anfang 2023 der Windsor Framework. Er ermöglicht, dass Waren von Großbritannien nach Nordirland ohne Zollkontrollen transpor­tiert werden können es sei denn, sie sind für die Weiterlei­tung in die Republik Irland und damit in den EU-Binnenmarkt bestimmt. Auch die Rückkehr einer EU-freundlicheren Labour­Regierung im Vereinigten Königreich wird aus irischer Sicht positiv bewertet. Zudem gilt die im Mai 2025 vereinbarte stra­tegische Partnerschaft zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich, die jährliche Gipfeltreffen zur Überwachung der Umsetzung des Austrittsabkommens sowie des Handels- und Kooperationsabkommens vorsieht, als Beitrag zu größerer politischer Stabilität. Irland hat also eine gewisse Achterbahnfahrt hinter sich: vom Boom(2000–2007) über den Absturz(2008–2015) zur Erho­lung(2016–2020), gefolgt von Unsicherheit durch den Brexit und den massiven wirtschaftlichen Folgen der Pandemie. Rechtsextreme Parteien konnten bisher keinen großen parla­mentarischen Durchbruch erzielen. Deren Rhetorik wurde al­lerdings bereits teilweise von etablierten Parteien aufgegrif­fen. Parallel dazu kam es zu Demonstrationen und auch zu gewaltsamen Vorfällen insbesondere im Kontext der Auf­nahme von Migrant_innen aus Nicht-EU-Staaten. WIRTSCHAFTLICHE UND SOZIALE LAGE Im vergangenen Jahrzehnt war die wirtschaftliche Lage in Ir­land von starken Schwankungen und Unsicherheiten geprägt. Obwohl sich die Wirtschaft Anfang 2020 in einem starken Zu­stand befand(mit niedrigem Arbeitslosenstand und solidem Wachstum), gab es erhebliche Risiken, insbesondere im Zu­sammenhang mit dem Brexit. 1