FES BRIEFING SLOWAKEI Gewerkschaftsmonitor Juni 2025 POLITISCHE, WIRTSCHAFTLICHE UND SOZIALE RAHMENBEDINGUNGEN Die Parlamentswahlen im September 2023 führten zu einer Dreierkoalition unter der Führung von zwei nominell sozialdemokratischen Parteien. Ein Jahr nach Amtsantritt der Koalition aus Smer-SSD( Smer – slovenská sociálna demokracia; dt.: Richtung – Slowakische Sozialdemokratie), HLAS-SD( HLAS – sociálna demokracia; dt.: Stimme – Sozialdemokratie) und SNS ( Slovenská národná strana; dt.: Slowakische Nationalpartei) mussten die Gewerkschaften ernüchtert feststellen, dass sich ihre großen Hoffnungen auf einen sozialen und gewerkschaftsfreundlichen Politikwechsel in weiten Teilen nicht erfüllt hatten. In einem Land, dessen Wirtschaft hochgradig von ausländischem Kapital abhängig ist und sich in einer ungünstigen Zuliefererposition in den transnationalen Wertschöpfungsketten befindet, finden die Gewerkschaften generell kein leichtes Terrain vor. Auch mehr als 30 Jahre nach der politischen Wende gelten sie – insbesondere für die jüngere Generation – vielfach noch als Relikt des Kommunismus. Entsprechend niedrig sind der Organisationsgrad, die Tarifabdeckung sowie ihre gesellschaftliche Relevanz – selbst im Vergleich zu den Nachbarländern. Dennoch bemühen sich die 2022 ins Amt gewählte, vergleichsweise junge Vorsitzende Monika Uhlerová sowie der neue Vizepräsident František Gajdoš, ehemaliger Vorsitzender des Jugendrates beim Dachverband, um einen Wandel in der öffentlichen Wahrnehmung. Sie präsentieren sich als moderne Führungsspitze des Dachverbandes KOZ SR( Konfederácia odborových zväzov Slovenskej republiky; dt.: Konföderation der Gewerkschaftsbünde der Slowakischen Republik, kurz: Slowakischer Gewerkschaftsbund) und rücken Themen wie Digitalisierung, Robotisierung, Just Transition und den Grünen Wandel in den Fokus. Es scheint, dass sie damit gewisse Achtungserfolge erzielen können. Grundsätzlich bleiben die Gewerkschaften jedoch in einer schwierigen Position – sowohl in Bezug auf ihre gesellschaftliche Anerkennung als auch angesichts sinkender Mitgliederzahlen und Einnahmen. Sie sehen sich mit wachsendem Wettbewerb durch neue Akteure konfrontiert und agieren unter nachteiligen rechtlichen Rahmenbedingungen. Auch ihre öffentliche Sichtbarkeit und politische Wirkung bleiben begrenzt. Der gewerkschaftliche Organisationsgrad in der Slowakei bleibt niedrig; verlässliche Zahlen fehlen, die Gewerkschaften selbst schätzen ihn auf gut 10 Prozent. Intern fehlt es an Personal, einem Generationswechsel, einer Einbindung von Frauen in Führungspositionen und in Entscheidungsprozessen. Vor zwei Jahren mussten die Gewerkschaften auch das traditionelle Gewerkschaftshaus in der Mitte Bratislavas verlassen, das verkauft werden musste. Das Alteigentum der Gewerkschaften ist in einem eigenständigen Eigentumsfonds zusammengeführt, wird von diesem gesteuert und wird den gewerkschaftlichen Gliederungen nur unter Auflagen zur Verfügung gestellt. Dank EU-Projektmitteln ist der Dachverband in mehrere Projekte eingebunden, was zumindest den Aufbau von Expertise und eventuell auch die Gründung eines eigenen analytischen Thinktanks zur Folge haben könnte. Die Bildung unabhängiger, sogenannter»moderner Gewerkschaften« – etwa SOS( Spoločné odbory Slovenska; dt.: Gemeinsame Gewerkschaften der Slowakei) mit rund 26 000 Mitgliedern, unter anderem bei Volkswagen – hat die Zersplitterung der slowakischen Arbeiterbewegung weiter verstärkt. Einen echten sozialen Dialog gibt es nicht. Allerdings werden die Gewerkschaften im Rahmen des Tripartiten Rates unter den sozialdemokratischen Regierungen wieder als beratendes Mitglied gehört. Dies hat unter anderem zu schrittweisen Erhöhungen des Mindestlohns geführt, der inzwischen bei 750 € liegt. Während der Coronakrise hingegen wurden unter den Vorgängerregierungen Gesetze im Eilverfahren verabschiedet – ohne vorherige Konsultation mit den Sozialpartnern. Dieses Vorgehen, vom Dachverband scharf kritisiert, führte paradoxerweise zu einem verstärkten Gefühl gemeinsamer Betroffenheit zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeberverband. 1
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2025
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