dern zwischen Fundamentalismen verlaufen, die es in allen Kulturen gibt – Fundamentalisten auf der einen, Aufkl ä rer auf der anderen Seite. Besteht die Gefahr, dass wir dennoch in einen» clash of civilizations« hineingezwungen werden? Niemand im Westen, der alle Sinne beisammen hat, will einen solchen Krieg. Wie lange wird der Westen die Argumentation durchhalten, dass er keinen Krieg f ü hrt gegen den Islam, auch nicht gegen das afghanische Volk, sondern gegen fundamentalistische Terroristen und deren Unterst ü tzer? Wenn Al-Qaida offen erkl ä rt, jetzt habe der Krieg der Gl ä ubigen gegen die Ungl ä ubigen begonnen, wenn es weitere Anschl ä ge gibt, wenn sich der fundamentalistische Untergrund r ü hrt, den es auch in aufgekl ä rten westlichen Gesellschaften gibt – was dann? Werden die demokratisch gew ä hlten politischen F ü hrer weise und stark genug sein, um ihre L ä nder und die Menschen auf Kurs zu halten? Was, wenn die ö konomische Lage sich als Folge der terroristischen Bedrohung verschlechtert? Es ist gewiss richtig, dass nach den Anschl ä gen von New York und Washington nichts mehr so ist, wie es vorher war. Wie aber wird es werden? Verantwortliche Politik ist verpflichtet, alles zu tun, um die analysierten Risiken zu mindern und die Chancen zu mehren. Die Schwierigkeit der Politik liegt nach dem 11 . September 2001 darin, dass sie, um ihre Chancen zu mehren, gro ß e Risiken in Kauf nehmen muss. In dieser Schwierigkeit muss sich auch deutsche Politik bew ä hren. MICHAEL EHRKE: 11. September 2001: Anschläge auf welche Zivilisation? D ie Wucht der Anschl ä ge vom 11 . September auf New York und Washington und die Gewalt der Bilder haben die Interpretationskraft vieler Beobachter – Journalisten, Wissenschaftler wie Politiker – vor eine fast nicht zu bew ä ltigende Herausforderung gestellt: Was war» Sinn« der Anschl ä ge? Keine Organisation bekannte sich zu der Tat, niemand verk ü ndete den mit ihr verfolgten Zweck. Allein der hohe Symbolgehalt der Angriffsziele wies darauf hin, dass es sich nicht um einen Angriff der menschlichen Sprache unkundiger Wesen aus dem All handelte. Der Attacke fehlte die dumpfe Fatalit ä t einer Naturkatastrophe: Die Gewalt war erschreckend zielgerichtet. 14 Kommentare/ Comments IPG 1/2002
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