Review 
[Rezension von: Access controlled / Ronald Deibert, John Palfrey, Rafal Rohozinski, Jonathan Zittrain
(Hrsg.)
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RONALD DEIBERT/ JOHN PALFREY/ RAFAL ROHOZINSKI/ JONATHAN ZITTRAIN(Hrsg.): Access Controlled. The Shaping of Power, Rights, and Rule in Cyberspace Cambridge 2010 mit Press, 620 S. Z wei Jahre sind seit dem Erscheinen von Access Denied, der umfassenden Studie der Open Net Initiative( oni ) zur globalen Entwicklung von Internetfiltern, vergangen. Und zwei Jahre können im Zusammenhang mit technologischen Ent­wicklungen recht lang sein. Die Schnelllebigkeit des Themas ist einer der Gründe für die Veröffentlichung von Access Controlled, das als Nachfolger, nicht jedoch als überarbeitete Neuauflage des Vorgängers zu verstehen ist. Im Aufbau ähneln sich die beiden Werke: Genau wie sein Vorgänger besteht auch Access Controlled aus sechs Kapiteln und einem ausführlichen Anhang, der Filterregime in ver­schiedenen Staaten und Regionen der Welt betrachtet. Allein dieser Anhang be­steht im vorliegenden Werk aus annähernd 500 Seiten, wobei diese sich auf eine Vielzahl von Staaten verteilen, was lediglich ein Anreißen, jedoch keine tiefe Ana­lyse einzelner Staaten zulässt. Einer der beiden Forschungsschwerpunkte der Verfasser sind neue Filter­methoden, die heute in verschiedenen Staaten bereits angewendet werden. Diese neuen Formen(von den Autoren als Filtermethoden der zweiten und dritten Generation bezeichnet) unterscheiden sich von den ursprünglichen Methoden vor allem darin, dass sie nicht heimlich stattfinden, sondern in Form von of­fiziellen Regulierungen auftreten. Nationale, regionale und auch globale Diskurse über Terrorismus, Internetsicherheit, Islamismus,»hate speech« oder Kinder­pornografie haben dazu geführt, dass Internetfilter eine wachsende Zahl von Befürwortern gefunden haben. Regierungen neigen demnach heute stärker dazu, den Cyberspace nach ihren Vorstellungen kontrollieren zu wollen. Während die westliche Welt vor wenigen Jahren noch bestimmte Regierungen der Zensur be­schuldigte, so ist sie heute selbst darum bemüht, den Informationsfluss nach ei­genen Interessen zu beeinflussen. Der zweite Forschungsschwerpunkt ist regional angelegt. Nachdem sich das Vorgängerwerk hauptsächlich auf asiatische und afrikanische Staaten konzentriert hatte, soll Access Controlled den Blick auf die 56 osze -Staaten lenken. Dieser neue Ansatz ist durchaus begrüßenswert, da in der Diskussion um Internetfilter in den letzten Jahren häufig der Anschein erweckt wurde, es würde lediglich eine be­stimmte Gruppe von Staaten Internetfilter anwenden; insbesondere Staaten, die auch vor der Verbreitung des Internets bereits ein Gesellschaftsmodell verfolgten, das nicht dem westlichen Demokratiegedanken entspricht. Ein genauer Blick auf die sechs Kapitel lässt jedoch schnell erkennen, dass es auch in diesem Band hauptsächlich um die»üblichen Verdächtigen« geht. Dazu gehören neben China, ipg 1/2011 Rezensionen/Book Reviews 177