Bei der Lektüre des Buches wird auch deutlich, dass es für den Aufstieg und Untergang von Weltmächten keine Blaupausen gibt. Dies gilt insbesondere für den Aufstieg Chinas im kommenden Jahrhundert. Das Land steht dabei vor riesigen Herausforderungen. Die Herkulesaufgabe, diesen Aufstieg zu managen und dabei 1,3 Milliarden Menschen ohne größere innere Unruhen oder Verwerfungen wirtschaftliche und soziale Sicherheit zu bieten, ist in der Geschichte der Globalreiche ohne Beispiel. John Darwin ist ein glänzendes Standardwerk zur Geschichte der eurasischen Weltreiche gelungen. Sein Buch bietet Lehr- und Lernstücke, die es künftig zu beachten gilt. Rolf Mützenich, Außenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Berlin SANDRA KRAFT: Vom Hörsaal auf die Anklagebank – Die 68er und das Establishment in Deutschland und den USA Frankfurt/ New York 2010 Campus Verlag, 435 Seiten M ehr als 40 Jahre nach den 1968er-Revolten schien es, als wären die wichtigsten Aspekte aufgearbeitet, alle großen Debatten geführt, Zeitzeugen wie Daniel Cohn-Bendit oder Rainer Langhans ausreichend zu Wort gekommen und selbst die internationale Dimension des Themas hinreichend analysiert worden. 2008 erschienen anlässlich des Jubiläumsjahres zahlreiche neue Werke oder Neuauflagen wie etwa der Rückblick von Götz Aly und die Werke von Wolfgang Kraushaar oder Norbert Frei. Zahlreiche Forschungsprojekte, wie»Confronting Cold War Conformity, Peace and Protest Cultures in Europe, 1945–1989«(www. protest-research.eu), setzten sich mit den internationalen Aspekten des Themas auseinander. Auch medial wurde’68 in den letzten Jahren vermehrt Raum gegeben. Neben zahlreichen Dokumentationen und Sonderberichten wurden einige neue Filme gedreht, etwa der von Bernd Eichinger produzierte Film Der Baader Meinhof Komplex. Dieser basiert zum großen Teil auf dem von dem ehemaligen Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust 1985 verfassten gleichnamigen Werk und versuchte, einer breiten Öffentlichkeit und jungen Generation das Thema noch einmal nahezubringen. Zudem ist wohl kaum eine Periode der Zeitgeschichte von einer solchen Fülle an verfügbarem Quellenmaterial geprägt wie gerade die 1960er Jahre. Dazu kommt eine wahre Flut autobiographischer Darstellungen ehemaliger Aktivisten und anderer Zeitzeugen dieser Epoche. Das Interesse am Gegenstand ist nichtsdestoweniger ungebrochen, was vor allem einem Umstand geschuldet ist: Diskussionen über Demokratie und Freiheit, Vergangenheit, Emanzipation und Terrorismus in dieser für die Nach200 Rezensionen/Book Reviews ipg 2/2011
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten