Aufsatz 
Wo steht die internationale Gewerkschaftsbewegung heute? : Interview
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

INTERVIEW Wo steht die internationale Gewerkschaftsbewegung heute? MICHAEL SOMMER IPG: Auf dem letzten Weltkongress des Internationalen Gewerkschaftsbunds (IGB), der im Juni 2010 in Vancouver stattfand, wurde ein neuer Präsident gewählt und der heißt Michael Sommer. Welche Punkte stehen ganz oben auf der Agenda des neuen IGB-Präsidenten? sommer: Im Zentrum unserer Arbeit steht, dass wir den Kampf gegen prekäre Arbeit weltweit aufnehmen. Vom Siegeszug der prekären Arbeit sind alle betroffen, die Industrieländer des Nordens wie auch die Länder des globalen Südens. Die Erscheinungsformen und Ausprägungen sind verschieden, aber im Kern geht es immer um dieselben Phänomene: unsichere Arbeit ohne längere Perspektive für die Betroffenen, schlecht bezahlt dazu und ohne Zugang zur sozialen Sicherung. Jugendliche und Frauen sind besonders davon betroffen. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Rolle des igb in der Weltpolitik diese gilt es weiter zu festigen. Wir haben da in den letzten Jahren gute Fortschritte gemacht und sind ein anerkannter Akteur auf der Welt­bühne. Aber das muss auch so bleiben. Eine Herausforderung, die mir besonders am Herzen liegt, ist die Befriedung des Konflikts zwischen Israel und Palästina. Um einer friedlichen Lösung näher zu kommen und den Prozess in Gang zu setzen, können Organisationen der Zivilgesellschaft wie wir Gewerkschaften vielleicht mehr bewirken als Regierungen. Daran werden wir intensiv und mit der notwendigen Sensibilität arbeiten. Und nicht zuletzt geht es darum, noch einmal den Versuch zu unternehmen, ein Bündnis der progressiven Kräfte der Welt zu gründen ein ehrgeiziges Projekt, keine Frage. Die einzigen wirklich gut auf­gestellten Organisationen in dieser Frage sind zurzeit der Internationale Gewerkschaftsbund( igb ) und die Global Union Federations( guf s). Die politischen Parteien dagegen fallen weitgehend aus das sieht man an der Sozialistischen Internationalen( si ), die nur noch ein Schatten ihrer selbst ist. Es bringt aber nichts, der Vergangenheit nachzuweinen ipg 2/2011 Sommer, Interview 11