Rezension 
[Rezension von: Clinton am Kivu-See / Helmut Strizek, 2011]
Entstehung
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REZENSIONEN/BOOK REVIEWS HELMUT STRIZEK: Clinton am Kivu-See. Die Geschichte einer afrikanischen Katastrophe Frankfurt a. M. 2011 Peter Lang, 408 S. D ie Katastrophe, von der in diesem Buch berichtet wird, gipfelte 1994 im Genozid an der Volksgruppe, die im ostafrikanischen Ruanda als Minderheit lebt und allgemein Tutsi(früher auch Watussi) genannt wurde, bevor die seit dem Bürgerkrieg regierende Rwandan Patriotic Front( rpf ) diese Bezeichnung und die korrespondierende»Hutu« für die Bevölkerungsmehrheit verbot. Vor­bereitet hat sich dieser Völkermord Jahrzehnte lang, seit 1959, drei Jahre vor dem Abzug der belgischen uno -Treuhand-Verwaltung, eine Revolution der»Hutu­Bauern«(ca. 80 Prozent der damals knapp 3 Millionen Ruander) gegen die»Tutsi­Aristokraten« etwa die Hälfte der letzteren veranlasste, in Nachbarländer speziell das britische Uganda auszuwandern. Dass man damals schon in den eben apo­strophierten Bindestrich-Begriffen ethnische und sozio-politische Bezeichnungen verklammerte, hätte uns davor warnen müssen, über afrikanische Katastrophen schlechtweg als»Stammeskonflikte« zu reden. Der Genozid an den Ruanda-Tutsi 1994 war jedoch nicht der einzige Massen­mord, den die Region der Großen Afrikanischen Seen im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts erlitt. Im südlich benachbarten Burundi und in den Ostpro­vinzen von Kongo-Kinshasa(das sein Herrscher Mobutu damals Zaïre nannte) waren vergleichbare Massaker bei Konflikten eher die Regel als die Ausnahme. Oft waren die Opfer Hutu. Strizek neigt dazu, auch in solchen Fällen von Völker­mord zu sprechen. Das hier vorgestellte Buch fasst seinen seit 15 Jahren hartnä­ckig geführten publizistischen Kampf zusammen, die Schuld an dieser Serie von Katastrophen auf mehr und auf andere Schultern zu verteilen, als dies in Europa seit 1994 überwiegend getan wird. Diese gängige Meinung, die selbst ein kritischer Mann wie Rupert Neu­deck noch heute vertritt( Die Kraft Afrikas, 2010), ist auf 1994 fixiert und ver­steht den Genozid an den Ruanda-Tutsi als ein seit geraumer Zeit geplantes Werk von»Hutu-Extremisten« im Umfeld der 1973 durch Putsch an die Macht gekom­menen Hutu-Regierung unter General Juvénal Habyarimana. Auslöser war der ipg 3/2011 Rezensionen/Book Reviews 145