Rezension 
[Rezension von: In Freiheit leben, das war lange nur ein Traum / Lea Ackermann, Mary Kreutzer, Alicia Allgäuer, 2010]
Entstehung
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LEA ACKERMANN/ MARY KREUTZER/ ALICIA ALLGÄUER: In Freiheit leben, das war lange nur ein Traum München 2010 Random House, 240 S. D iesen Frauen wurde früher gesagt, dass sie nur zum Sex, zum Kinderkriegen und für die Küchenarbeit zu gebrauchen seien. Heute haben sie höhere Schul­abschlüsse als die Männer, die ihnen das gesagt haben«(Lea Ackermann). Solwodi steht für die Abkürzung von» so lidarity with wo men in di stress« und wurde 1985 von Lea Ackermann in Kenia gegründet. Als Anlaufstelle für Frauen in Not ist die Hilfsorganisation mittlerweile in vier Ländern mit 26 Beratungs­stellen vertreten. Ziel der Organisation ist es, der Freiheit beraubter Frauen Kon­taktstellen und Schutzwohnungen zu bieten und so Opfer von Menschenhandel, Zwangsprostitution und Beziehungsgewalt einen Zufluchtsort zu bieten, Lebens­mut zurückzugeben und den Weg in eine neue Zukunft zu ebnen. Trotz des be­reits 26-jährigen Bestehens von Solwodi ist die Medienaufmerksamkeit beim Thema Frauenhandel nach wie vor sehr gering. Dies steht im Kontrast zur voran­schreitenden Globalisierung, der Erweiterung des Billigfliegerangebots und der damit einhergehenden Verbreitung und Erleichterung des Sextourismus. In In Freiheit leben, das war lange nur ein Traum berichten mutige Frauen von ihrer Flucht aus Gewalt und moderner Sklaverei. Die schmerzvollen Erinnerungen sind ein Versuch, das Erlebte zu verarbeiten, aber auch eine eindeutige Botschaft an die Außenwelt. Eine Botschaft gegen das Wegschauen und die allgemeine Auf­fassung, dass ein solches Ausmaß an roher Gewalt in einer zivilisierten Welt nicht vorstellbar und vorhanden sei. Zehn Frauen berichten von ihrem Schicksal, welches die Journalistinnen Mary Kreutzer und Alicia Allgäuer in einfacher Sprache und in der Ich-Erzählform auf­zeichnen. Die zehn Lebensgeschichten stammen von Frauen aus Kenia, Indien, Nigeria, Syrien, Ecuador, Äthiopien, Afghanistan und der Türkei, aber auch aus Ländern der Europäischen Union wie Rumänien und Litauen. Zum besseren Ver­ständnis folgt auf jede Lebensgeschichte eine kurze Sicht auf Politik, Geschichte, Gesellschaft und die Geschlechterverhältnisse des Herkunftslandes der Frauen. »Aber meine Mutter sagte nur, wenn andere Leute das tun, musst du es auch tun. Danach rief ich nie wieder an.« Joy stammt aus ärmlichen Verhältnissen in Nigeria. Als sie das Angebot be­kommt, nach Europa auszureisen, nimmt sie die verlangten 40 000 Dollar Schulden für die Reise in Kauf und verlässt ihr Land. Auf dem beschwerlichen Landweg kommt sie bis nach Casablanca, wo sie eingepfercht mit anderen Frauen Schläge, Gewalt und Vergewaltigung erlebt. In Europa angekommen, lastet die empfundene Verantwortung, die Schulden der Reise zurückzuzahlen, auf Joy, die keinerlei Erfahrung mit dem europäischen Rechtssystem hat. Trotz regelmäßiger 178 Rezensionen/Book Reviews ipg 4/2011