Aufsatz 
Soziale Gestaltung der Globalisierung : Sozialsiegel und Verhaltenskodizes von Unternehmen
Entstehung
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REINHARD PALM Soziale Gestaltung der Globalisierung: Sozialsiegel und Verhaltenskodizes von Unternehmen* Das Beispiel Rugmark D ie Kinderarbeit im Teppichgürtel Indiens ist zurückgegangen, so Shahid Ashraf in dieser Ausgabe der IPG . Die lokal aktiven deutschen Nichtregierungsorganisationen( NRO ) melden den­selben Trend. Dieser Erfolg ist dem gemeinsamen Handeln von NRO , Unternehmen, der Internatio­nalen Arbeitsorganisation( ILO ) und der deutschen und indischen Regierung zu verdanken. Zentrales Element war das Sozialsiegel Rugmark. 1 Zunächst hatten indische und deutsche NRO , insbesondere Brot für die Welt, Misereor und terre des hommes, Öffentlichkeit und Verbraucher auf die Missstände aufmerksam gemacht. Zusammen mit dem vom Bundesministerium für wirtschaft­liche Zusammenarbeit und Entwicklung( BMZ ) geförderten Indo-German Export Promotion Project( IGEP ) entwickelten sie das Rugmark­Siegel für Teppiche, die ohne Ausbeutung von Kindern gefertigt wurden. Bald nahmen Handels­häuser und Importeure Rugmark-gesiegelte Tep­piche in ihr Sortiment auf. Als Reaktion grün­deten die deutschen Teppichimporteure und Einzelhändler die Initiative»Care und Fair«, die zwar kein Sozialsiegel vergibt, sich aber im Rah­men einer nicht überwachten Selbstverpflichtung gegen Kinderarbeit engagiert. 2 Auch indische Unternehmer unterstützen die Ausbildungs- und Rehabilitationsprogramme beider Initiativen. In­zwischen dürfte etwa die Hälfte der in Deutsch­land verkauften indischen Teppiche entweder durch Rugmark gesiegelt oder von Care& Fair­Mitgliedern importiert sein. Unter öffentlichem Druck verstärkte auch die indische Regierung ihr Engagement gegen illegale Kinderarbeit. Ohne das Sozialsiegel Rugmark wäre der Erfolg nicht zustande gekommen: Nur das Siegel bot den Produzenten einen Anreiz zur Umstel­lung ihrer Produktion auf Arbeitsweisen ohne Kinderarbeit(Haas 1998 ). Können die Erfahrun­gen von Rugmark verallgemeinert werden? Kön­nen freiwillige, marktkonforme Instrumente wie Sozialsiegel oder Verhaltenskodizes von Unter­nehmen einen Beitrag zur Verbesserung sozialer Standards leisten? Es wird viel über die negativen sozialen Aus­wirkungen der Globalisierung die Internationali­sierung von Produktion, Handel und Kommuni­kation geschrieben. Die Globalisierung eröffnet aber auch neue Wege, soziale Standards weltweit zu verbessern. Globalisierung wird heute auch gestaltet und sozial reguliert, wobei neue Akteure, Politikforen und Instrumente an Bedeutung ge­winnen: Die neuen Akteure sind Nichtregierungs­organisationen im Verbund mit Unternehmen, die Politikforen sind vielschichtige Aushandlungspro­zesse, oft in der Form von»Politiknetzwerken«, die neuen Instrumente sind Sozialsiegel(Label) und Verhaltenskodizes für Unternehmen. Sozial­siegel(Sozial-Label) garantieren produktspezi­fisch, dass bei der Produktion eines Gutes be­stimmte soziale Bedingungen eingehalten wurden (Beispiele sind Transfair, Rugmark, Flower Label Programm). Soziale Verhaltenskodizes von Unter­nehmen sind freiwillige Selbstverpflichtungen, in * Der Artikel gibt ausschließlich die persönliche Mei­nung des Autors wieder. Ich danke Christian Calov, Michael Fiebig, Daniel Haas, Ulrike Hopp, Heike Paqué, Olaf Paulsen, Alfred Pfaller, Klaus Piepel und Jürgen Zattler für Hinweise und Anregungen. 1 . Rugmark ist ein Sozialsiegel, das den Einsatz illegaler Kinderarbeit bei der Produktion von Teppichen verbietet und dieses Verbot auch überwacht. Hierfür müssen die Exporteure 0,25 Prozent des Exportwertes und die Im­porteure ein Prozent des Importwertes für Überwa­chung und Sozialmaßnahmen(Schulen und Rehabilitati­onszentren) bezahlen. 2 . Care und Fair ist kein Sozialsiegel, sondern eine frei­willige Selbstverpflichtung, sich gegen Kinderarbeit zu engagieren. Es finden keine Kontrollen statt, ob bei der Produktion Kinderarbeit eingesetzt wird. Die Mitglieder verpflichten sich, ein Prozent des Importwertes für soziale Maßnahmen zu spenden. 322 Reinhard Palm, Soziale Gestaltung der Globalisierung: Sozialsiegel und Verhaltenskodizes von Unternehmen IPG 3/2001