HEIDEMARIE WIECZOREK-ZEUL Der Umbau zu einer neuen Weltordnung Globale Strukturpolitik, Entwicklungspolitik und ihre praktischen Beiträge BEITRÄGE/ARTICLES D ie fortschreitende Globalisierung schafft einen Handlungsbedarf, der weit über die Wirtschafts- und Finanzmärkte hinausgeht. Die Kommunikation(Internet) oder beispielsweise das Transportwesen oder der Tourismus haben sich bereits»globalisiert«; es»globalisieren sich« unter den Maßstäben des Wettbewerbs auch Bereiche der Bildung, ein erheblicher Teil von Fernsehen, Film und Theater, sogar der Jugendkultur. Auch vom freiheitlichen Rechtsstaat und seinen aus der europäischen Aufklärung her abgeleiteten Grundlagen geht ein Globalisierungsdruck aus: seine Wertvorstellungen der Menschenrechte, Solidarität und sozialen Verantwortung sind wesentliche Elemente, um mit den Herausforderungen und Chancen der Globalisierung umgehen zu können. 1 Rechtsstaatliche Grundlagen, die von der öffentlichen Gewalt demokratisch kontrolliert werden, sind ein Gebot für Frieden und Gerechtigkeit und damit eine der Grundvoraussetzungen der Sicherung von Menschenrechten und zivilisatorischer gesellschaftlicher Entwicklung. Der Neoliberalismus, der die Lösung der globalen Probleme vollständig den Marktkräften überlassen will, kann diese Aufgaben nicht übernehmen. Es ist die Politik, die sich einem globalen Handlungsbedarf gegenüber sieht, der allein auf dem bisherigen Modell der Demokratie im Einzelstaat nicht zu bewältigen ist. Die Grundlagen der Politik haben sich im Rahmen der Globalisierungsprozesse verändert. Je mehr die Staaten gesellschaftlich und wirtschaftlich verflochten werden, desto weniger können sie ihre eigenen Probleme allein lösen. Keine Regierung kann heute allein das Weltklima schützen, den internationalen Terrorismus und Drogenhandel bekämpfen oder die breite Armut in Entwicklungsländern bekämpfen – um nur einige Beispiele zu nennen. Grenzüberschreitende und globale Entwicklungen im Rahmen der Globalisierungsprozesse haben somit den Bedarf der Politik an internationalen rechtlichen Regelwerken und Institutionen, multilateralen Kooperationsformen und-mechanismen erhöht; die Politik muss darauf antworten, um nicht ihre Gestaltungsmöglichkeit und Handlungsmacht zu verlieren. Was in den letzten Jahren unter den Stichworten»Global Governance«, Transformation des National- zum Transnationalstaat oder Weltinnenpolitik diskutiert worden ist, hat Auswirkungen auf die Gestaltung der internationalen Beziehungen eines Einzelstaates und somit auch Auswirkungen auf die Entwicklungspolitik. Sie ist eine wichtige Säule bei der Gestaltung der internationalen Beziehungen. Die Gestaltung der internationalen politischen Beziehungen braucht in den Globalisierungsprozessen eine Vision, um internationale Kooperationen nachhaltig zu stabilisieren. Dieses politische Konzept wirft Fragen der Finanzierung und Kostenverteilung auf, die sich in den nächsten Jahren noch markanter stellen werden. Doch eines steht schon heute fest: Investitionen in die internationale Entwicklungszusammenarbeit sind preiswerter als jedwede nachträgliche Schadensbeseitigung nach Kriegen und Konflikten. Warum sind Strukturveränderungen in Entwicklungsländern erforderlich? Staaten waren auch in der Vergangenheit nie autarke Gemeinwesen. In den gegenwärtigen Globalisierungsprozessen sind sie dies noch viel weniger. Die Entwicklungsländer stehen vor den Herausforderungen von Innovationen, um nicht weiter marginalisiert zu werden: wie die Industrieländer können auch sie die meisten Probleme nicht»im eigenen Haus« lösen, und auch 1 . Berliner Kommuniqué»Modernes Regieren im 21 . Jahrhundert« 02./03.06.2000 Berlin. IPG 3/2001 Heidemarie Wieczorek-Zeul, Der Umbau zu einer neuen Weltordnung 227
Aufsatz
Der Umbau zu einer neuen Weltordnung : globale Strukturpolitik, Entwicklungspolitik und ihre praktischen Beiträge
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