Aufsatz 
Zwischen demokratischem Idealismus und sicherheitspolitischem Realismus : Russland und der Westen nach dem 11. September
Entstehung
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Zwischen demokratischem Idealismus und sicherheitspolitischem Realismus: Russland und der Westen nach dem 11. September HANS-JOACHIM SPANGER A m 24. Mai 2002 unterzeichneten der amerikanische und der russische Präsident in Moskau den mit vier Artikeln kürzesten Vertrag zur wei­teren Begrenzung ihrer nuklearen Rüstungen und die auf zwölf Seiten am umfassendsten ausgebreitete Erklärung zur künftigen Ausgestaltung ihrer»neuen strategischen Beziehungen«. Beides stellt ein Novum dar, denn in der Epoche des Kalten Krieges verhielt es sich genau umgekehrt, erschöpfte sich der strategische Charakter der Ost-West-Kooperation in der Rüstungskontrolle und darin, im wechselseitigen Misstrauen vereint, durch unendliche Vertragskonvolute detailliert Vorsorge gegen jegliche Eventualitäten zu treffen. Deutlicher als alle offiziellen Bekundungen markiert dies, symbolisch verdichtet, den historischen Wandel in den bei­derseitigen Beziehungen. Eingeleitet hatte die Wende der russische Präsident Wladimir Putin, als er sich am 24. September 2001 vorbehaltlos an die Seite der usa in ih­rem anhebenden Krieg gegen den internationalen Terrorismus stellte. Er begründete damit einen, wie Kommentatoren beider Seiten allenthalben erläutern,»Gezeitenwechsel« in den Beziehungen zwischen Russland und dem Westen und die»signifikanteste geopolitische Neuordnung seit dem Zweiten Weltkrieg«. 1 Erstmals hätten sich die usa , die Europäische Union und Russland zusammengetan, um jenen Problemen zu begeg­nen, die sie in singulärer Übereinstimmung als Bedrohung ihrer»vitalen Sicherheitsinteressen« wahrnehmen. 2 Oder mit den plastischen Worten des Vorsitzenden des russischen Föderationsrates, Sergej Mironow:»Die zivilisierte Welt sieht sich einer Gefahr gegenüber, die in ihren potenziel­len Dimensionen nicht geringer ist als die Bedrohung durch den Faschis­mus. Russland, die Vereinigten Staaten, Europa und Israel befinden sich 1. Ian Bremmer, Alexander Zaslavsky,»Bush and Putins Tentative Embrace«, in: World Policy Journal, Nr. 4, 2001/02, S. 11. 2. Oksana Antonenko,»Putins Gamble«, in: Survival, Nr. 4, 2001/02, S. 49. ipg 4/2002 Spanger, Russland und der Westen 125