Aufsatz 
Das islamische Argument : warum sich so viele Araber umringt von Feinden sehen
Entstehung
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Das islamische Argument Warum sich so viele Araber umringt von Feinden sehen JOCHEN MÜLLER N och in den ersten Wochen nach den Anschlägen vom 11. September wurden alle Fragen nach den Ursachen des Wahns als Versuche seiner Rechtfertigung abgefertigt. Inzwischen ist allerdings die Frage nach den Ursachen von Islamismus 1 und Terror durchaus in den Vordergrund des öffentlichen Interesses getreten nicht zuletzt im Zusammenhang mit dem»Krieg gegen den Terror« und einer verschärften Politik der inneren Sicherheit. Die in der Folge zu verzeichnenden Positionierungen lassen sich auf zwei Pole zuspitzen: die»Islamthese« und die»Globalisierungsthese«. Die Islamthese geht von einer für die Region des Nahen und Mittleren Ostens spezifischen Bewegung aus, dem Islamismus. Dieser beruhe mit dem Islam auf einer Religion, an der die Aufklärung offenbar vorbei ge­gangen sei.»Der Islam«, heißt es etwa im»Merkur«,»ist eine unaufge­klärt gebliebene, frühmittelalterliche Religion, die periodisch aggressiv ausbricht der Terror kommt durchaus aus dem Islam, und die Gewalt hat es nun einmal so an sich, daß sie nur mit Gewalt zu beenden ist.« ( Merkur , 11/2001, S. 955) Diese Position will vom globalen sozio-ökono­mischen Kontext, in dem Islam, Islamismus und Terror stehen, nichts wissen. Notfalls eben mit Krieg wollen ihre Vertreter dem radikalen Is­lam beikommen Die Globalisierungsthese auf der anderen Seite rationalisiert den Ter­ror als mehr oder weniger direktes Resultat einer ungleichen Weltord­nung, welche die Menschheit in Gewinner und Verlierer teilt. Gegen den »Terror der Globalisierung« wehren sich nach dieser Lesart die Verlierer mit einem Mittel der Schwachen. Auf Grund ihrer brutalen und arrogan­1. Mit Islamismus soll die politische Bewegung des sogenannten»islamischen Funda­mentalismus« bezeichnet werden. Der Begriff des»Fundamentalismus« führt in die Irre, weil er suggeriert, dass die»Fundamentalisten« tatsächlich ihre politische Pro­grammatik aus den unveränderlichen religiösen Fundamenten(Koran und Sunna) beziehen. Das entspricht zwar ihrer Ideologie, nicht aber der Wirklichkeit. ipg 2/2002 Müller, Das islamische Argument 43