Aufsatz 
Tastendes Suchen statt beherztes Springen : Chinas erfolgreicher Reformprozess
Entstehung
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Tastendes Suchen Chinas erfolgreicher Reformprozess HANSJÖRG HERR C hina(folgend immer ohne Hongkong und Taiwan) begann seinen Re­formprozess einige Jahre nach dem Ende der Kulturrevolution und dem Tod des langjährigen Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Chinas Mao Zedong. Nach einer kurzen Phase des Machtkampfes wur­den die Reformen unter der Führung von Deng Xiaoping im Jahre 1978 begonnen. Der chinesische Weg der Transformation ist durch gradualis­tische Reformen, massive staatliche Eingriffe in Märkte und eine späte Privatisierung von Staatsunternehmen gekennzeichnet. Er passt in keiner Weise in das Bild einer nachholenden Entwicklung nach neoliberalem Muster und unterscheidet sich fundamental von der Schockstrategie der Länder des ehemaligen sowjetischen Blocks. Aber China war höchst er­folgreich! Dieser Artikel skizziert zunächst kurz die Entwicklung in China und versucht dann zu erklären, warum der Weg aus der Plan­wirtschaft in China verglichen mit anderen Transformationsländern so erfolgreich war. 1 Zur Verdeutlichung wird insbesondere auf die russi­schen Erfahrungen eingegangen. Die makroökonomischen Entwicklungen In den mittel- und osteuropäischenTransformationsländern schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt( bip ) in der ersten Phase der Reformen An­fang der neunziger Jahre um 25–30 Prozent. Einige wenige Länder wie Polen, Tschechien oder Ungarn konnten Ende der neunziger Jahre das Produktionsniveau, das sie am Beginn der Reformen hatten, wieder er­reichen oder gar kräftig überschreiten. In der Masse dieser Länder zeigen sich jedoch auch nach einem Jahrzehnt Transformation keine blühenden Landschaften(vgl. Abbildung 1). Die Lage in den gus -Ländern ist kata­strophal. Das bip ist in diesen Ländern auf rund 50 Prozent des Niveaus 1. Vgl. Herr/Sommer/He Zerong 2002; Herr/Hübner 1999. 26 Herr, Chinas Reformprozess ipg 3/2002