Kuba nach Castro Die neue Ungleichheit und das sich formierende neopopulistische Bündnis HANS-JÜRGEN BURCHARDT »N ächstes Jahr Weihnachten in Havanna«, frohlockte das kubanische Exil, als der Fall der Berliner Mauer den Zusammenbruch des Ostblocks ankündigte. Die Hoffnungen schienen berechtigt: mit dem Versiegen des sowjetischen Subventionstropfs verlor Kuba bis 1992 drei Viertel seiner Importe und Absatzmärkte. Der Insel wurde über Nacht das ökonomische Fundament weggerissen und die Wirtschaftsblockade der usa kam erstmals voll zum Tragen. Doch das Exil in Miami blieb – wieder einmal – auf seinen Koffern sitzen. Wie konnte der vermeintliche Anachronismus»des ersten Sozialismus auf amerikanischem Boden« in der liberalisierten Welt von heute überleben? Der folgende Beitrag sucht nicht nur Antworten auf diese Frage, sondern skizziert auch die Konturen der Zukunft Kubas. Von der Wirtschaftskrise zur stabilen Stagnation: die halbierte Transformation Schon 1991 entschied sich die kubanische Führungselite für das, was sie nach der jahrzehntelangen Frontstellung zur usa am besten konnte: sie setzte die Krise mit einer Kriegssituation gleich und propagierte, dass diese nur über eine ökonomische Anpassung zu bewältigen war. Politisch forderte sie bedingungslose Geschlossenheit und lehnte jegliche Reformüberlegungen ab. Wirtschaftlich verwandelte sie die Insel mit der Einleitung des Notstandsprogramms»periodo especial«(Sonderperiode) in eine Kriegswirtschaft. Binnenproduktion und privater Konsum wurden radikal gedrosselt. Über totale Güterrationierung, eingefrorene Preise und Löhne sowie den Verzicht auf Massenentlassungen sollten die Kosten der Krise möglichst breit verteilt werden. Gleichzeitig vermied man einen offenen Sozialabbau und versuchte auch in den härtesten Krisenjahren, die Sozialleistungen des»ersten Wohlfahrtsstaats Lateinamerikas« in voller Höhe aufrechtzuerhalten. ipg 3/2002 Burchardt, Kuba nach Castro 67
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Kuba nach Castro : die neue Ungleichheit und das sich formierende neopopulistische Bündnis
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