Modellfall Kosovo? UNMIK und die Architektur künftiger internationaler Mandate 1 ANDREAS WITTKOWSKY Je feuchter das Getreide, desto langsamer mahlen die Mühlen. Afghanisches Sprichwort 1 / ut zwei Jahre nach Errichtung einer un -Übergangsverwaltung(United Nations Interim Administration Mission in Kosovo – unmik ) wurden am 17. November 2001 die ersten freien Wahlen zu einem kosovarischen Parlament(Assembly) abgehalten. Dabei scheint die unmik Strategie zur politischen Stabilisierung aufgegangen zu sein, nämlich Kosovo-weite Wahlen erst nach einer zweijährigen Übergangsphase durchzuführen(mit dem Zwischenschritt der Kommunalwahlen im Oktober 2000) und damit der organisatorischen Festigung und politischen Entwicklung gemäßigter politischer Kräfte Vorschub zu leisten. Der Wahlkampf 2001 verlief wesentlich friedlicher als bei den Kommunalwahlen im Jahr davor, die von einer Zunahme der Gewalt und einigen spektakulären politischen Morden begleitet waren. Auch die Wahlbeteiligung war mit lediglich 63 Prozent überraschend gering. Als Sieger ist die Demokratische Liga Kosovos( ldk ) Ibrahim Rugovas mit rund 46 Prozent der Stimmen aus den Wahlen hervorgegangen – also jene Partei, die gemeinhin als gemäßigt eingestuft wird. Die Nachfolgeparteien der aufgelösten Befreiungsarmee Kosovos( uçk ), die das Machtvakuum direkt nach Beendigung der Kampfhandlungen im Juni 1999 weitgehend füllen konnten, scheinen dagegen an Popularität verloren zu haben. Die Demokratische Partei Kosovos( pdk ) des ehemaligen uçk -Führers Hashim Thaçi gewann 26 Prozent der abgegebenen Stimmen, die Allianz für die Zukunft Kosovos( aak ) des ehemaligen uçk -Kommandanten 1. Das vorliegende Papier beruht auf persönlichen Einschätzungen des Autors und spiegelt keine offiziellen Positionen der unmik wieder. ipg 2/2002 Wittkowsky, Modellfall Kosovo? 29
Aufsatz
Modellfall Kosovo? : UNMIK und die Architektur heutiger internationaler Mandate
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