Aufsatz 
Rückkehr wohin? : Das endlose Drama der palästinensichen Flüchtlinge
Entstehung
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FRITZ SCHATTEN Rückkehr wohin? Das endlose Drama der Palästinensischen Flüchtlinge D as 1948 von der UNO deklarierte»Recht der Rückkehr der palästinensischen Flüchtlinge in ihre Heimat« ist von den Palästinensern zu einer Kernfrage des Friedensprozesses erhoben worden. Der ehemalige Ministerpräsident Ehud Barak war der detaillierten Erörterung dieses Themas ausge­wichen. Sein Nachfolger Ariel Scharon hatte schon im Wahlkampf jede Diskussion des Problems kate­gorisch abgelehnt. Von ihm sind in der Frage einer Rückführung palästinensischer Flüchtlinge keiner­lei Zugeständnisse zu erwarten. Eine detailliertere Untersuchung zeigt, dass die angeführten Zahlen von 3,5 oder 3,6 Millionen palästinensischer Flüchtlinge zu hoch angesetzt sind. In Jordanien und im Libanon, aber auch in Syrien, leben zwar noch immer Palästinenser in Lagern. Doch viele sind längst abgewandert oder eingebürgert worden, und nur wenige zeigen Neigung, in die ohnehin übervölkerten Autonomiegebiete umzuziehen, zumal sich dort die Lebensbedingungen seit dem Ausbruch der al-Aqsa-Intifada Ende September 2000 erheblich verschlechtert haben. Die Analyse ergibt aber auch, dass die palästinensischen Flüchtlinge in allen Ländern und Gebieten eine je nach Gusto gebrauchte und missbrauchte politische Verfü­gungsmasse bilden. Wer ist Palästinenser? »Ich fühle mich verletzt, wenn Sie mich fragen, ob ich palästinensischer Abkunft bin.« So reagiert Zamir Gahwi auf eine Frage, die in Jordanien mal zaghaft, mal herausfordernd vielen gestellt wird. In Shmeisani, dem mit hochragenden Banken und Ministerien westlich-modern wir­kenden neuen Bezirk der jordanischen Haupt­stadt Amman, arbeitet Gahwi in der Leitung des »Department of Palestinian Affairs«. Es ist daher verständlich, dass er erst ausweicht, um schließ­lich doch zuzugeben, dass er»eigentlich von der anderen Seite« stammt. Doch gehöre er zu einer Familie, die schon im ersten Nahostkrieg 1948/49 aus dem damals entstandenen Israel vertrieben worden ist.»Und die Flüchtlinge der ersten Welle« seien,»anders als viele der später( 1967 und 1973 ) Gekommenen, inzwischen alle voll eingeglie­dert«. Schließlich gebe es hochrangige Politiker des Königreiches, Minister und Ministerpräsiden­ten eingeschlossen, die palästinensischer Herkunft sind. An ihrer Loyalität zweifele niemand im Land. Ihre Entscheidung für Jordanien sei endgültig, egal, ob es»jetzt oder später« zur Ausrufung eines eigenen Staates Palästina komme. Müsste man also die immer noch umlaufenden Pauschalzahlen der palästinensischen Flüchtlinge in Jordanien radi­kal kürzen?»Was für Zahlen haben Sie denn?«, fragt Zamir Gahwi zurück. Wir berufen uns auf Angaben der UNRWA , der United Nations Relief and Works Agency für den Nahen Osten. 1 Sie bewegen sich allein für Jordanien zwischen 845 000 und weit über einer Million. In der aktuel­len Internet-Seite des Hochkommissars für Flücht­linge( UNHCR ) wird die Zahl palästinensischer Flüchtlinge in Jordanien sogar noch mit 1,413 252 Millionen Menschen angegeben. Gahwi wider­spricht sofort:»Das ist alles Unsinn.« Man müsse vor allem bedenken, dass im und nach dem Juni­krieg 1967 »Jordanier von einem Teil des Staats­gebietes in den anderen gewechselt« seien, ohne ihre»nationale Identität zu ändern«. Richtig ist, dass das Haschemitische Königreich Transjordanien 1948 das gesamte nicht von Israel eroberte Westjordanland, dazu Ost-Jerusalem (arabisch»al Quds«) besetzte, die dort verblie­benen Palästinenser im umbenannten Staat Jorda­nien zu jordanischen Staatsbürgern erklärte und 1 .»Unterstützung des Projekts der Orphan Welfare Association« 1997 , Amman, kop. Dokument. 260 Fritz Schatten, Rückkehr wohin? Das endlose Drama der Palästinensischen Flüchtlinge IPG 3/2001