Der Poker um das Öl im Kaspischen Meer UWE KRÜGER N ach den Anschlägen am 11. September 2001 in New York und Washington sind der Kaukasus und Zentralasien stärker in das Blickfeld der Vereinigten Staaten geraten. Der Kampf um Einfluss in der Region hat zur Folge, dass sich die Interessen der usa mit denen anderer Mächte kreuzen. Dazu zählen vor allem Russland und China, aber auch die Türkei und Iran. Anti-Terror-Kampf und wirtschaftliche Interessen führten zu neuen Allianzen. Umworben werden dabei ehemalige Sowjetrepubliken wie Aserbaidschan, Kasachstan, Georgien, Usbekistan und Kirgistan. Diese Staaten werden autoritär regiert und sind von westlichen Demokratievorstellungen weit entfernt. Bereits nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion sah die westliche Industriewelt eine Chance, mit der Erschließung der Rohstoffvorkommen im Kaspischen Raum die Abhängigkeit von den Golfstaaten zu verringern und die eigenen wachsenden Bedürfnisse zu decken. Der weltweite Bedarf liegt bei 75 Millionen Barrel(Ein Barrel ist gleich 159 Liter) täglich und wird Prognosen zufolge bald auf 90 Millionen Barrel wachsen. 20 Millionen Barrel verbraucht allein die us -Wirtschaft täglich. Während 1973 der Anteil des von den usa importierten Öls bei 37 Prozent lag, ist er derzeit auf 56 Prozent gestiegen. Erwartet wird nach einer Prognose des us -Energieministeriums eine weitere Zunahme auf 70 Prozent im Jahre 2025. Zu den wichtigsten Lieferländern zählen Kanada, Saudi-Arabien, Mexiko, Venezuela und Nigeria. Die Länder der eu wollen ihre Importstruktur ebenfalls weiter diversifizieren. Die nach der Ölkrise 1973/74 erschlossenen Ressourcen, so im Bereich der Nordsee, werden aber bei einer gleichbleibenden Fördermenge voraussichtlich in 15 Jahren erschöpft sein. Neben der Golfregion, Russland und Afrika, die schon jetzt maßgebliche Öllieferanten sind, könnte – so die Hoffnung – der Kaspische Raum an Bedeutung gewinnen. 74 Krüger, Poker um das kaspische Öl ipg 4/2003
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