Nordkorea: Reform sowjetischen Typs und Erosion der Staatswirtschaft PETER GEY* I m Unterschied zu den Ländern Mittel- und Osteuropas überlebte das politische Regime in Nordkorea den epochalen Zusammenbruch des Kommunismus. Die Schockwellen, die von Ereignissen wie der Maueröffnung in Deutschland, der»samtenen Revolution« in der ehemaligen Tschechoslowakei und dem Verbot der einst allmächtigen Kommunistischen Partei der Sowjetunion(KPdSU) ausgelöst worden waren, erreichten den Norden der koreanischen Halbinsel nicht. Hier ging der Sozialismus in die historische Verlängerung. Nordkorea war spätestens Mitte der neunziger Jahre, als zwischen 600.000 und einer Million Menschen verhungerten, 1 am Ende. Ersatzinvestitionen, um Industrieanlagen und Maschinen, Infrastruktur und Fuhrpark zu erneuern, waren bereits vor dem Zusammenbruch der sozialistischen Handelspartner gering gewesen. Seit Nordkorea Ersatzteile von dort mit Devisen bezahlen musste, hielt nichts mehr die Verrottung des Kapitalstocks auf. Seither hat sich die Lage nach einer vorübergehenden Besserung, die allerdings vorrangig umfangreichen Hilfslieferungen aus dem Ausland geschuldet war, eher noch verschlechtert: Die Energie* Der Verfasser hat zwischen August 2001 und August 2003 in Südkorea zahlreiche Gespräche über die Entwicklung der Wirtschaft Nordkoreas sowie über Fragen der Teilung und Wiedervereinigung Deutschlands und Koreas geführt. Sein besonderer Dank für die ihm entgegengebrachte Bereitschaft und Geduld gilt Frau kim SeokHyang und Frau kwon Young-Kyung, beide Ministry of Education, Institute of Political Education for Unification, Herrn cho Dong-Ho, Korea Development Institute, Herrn yoon Deok-Ryong, Korea Institute for International Economic Policy, Herrn park Suhk-Sam, Bank of Korea, sowie Herrn seo Byung-Chul und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am Korea Institute for National Unification. Die Verantwortung für den Inhalt trägt allein der Verfasser. 1. Schätzungen bewegen sich zwischen 220.000 und 3,5 Millionen Hungertoten. M. Noland begründet, weshalb die im Text genannte Bandbreite wahrscheinlicher ist (vgl. ders., Famine and Reform in North Korea, Institute for International Economics, wp 03-5, Juli 2003, S. 11–13). ipg 1/2004 Gey, Nordkorea 115
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