Article 
Wie eine gute globale Gesellschaft entsteht
Place and Date of Creation
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

ARTIKEL /ARTICLES Wie eine gute globale Gesellschaft entsteht* AMITAI ETZIONI F rancis Fukuyama formulierte die These, die ganze Welt sei im Begriff, den Kapitalismus und liberale demokratische Regime zu übernehmen, ein Prozess, den er mit dem Schlagwort vom»Ende der Geschichte« bezeichnete. Er räumt ein, dass sich viele Nationen noch»in der Ge­schichte« befinden, aber seit dem Zusammenbruch des kommunistischen Blocks sieht er den Trend zu einer zunehmenden und weltweiten Domi­nanz des Individualismus.(Da bei den relevanten Werten und Instituti­onen der Respekt vor der individuellen Würde und Freiheit des Einzel­nen im Mittelpunkt steht, der geschützt vor dem Staat seine eigenen po­litischen und ökonomischen Entscheidungen treffen kann, fasse ich diese Konzepte unter dem Begriff»Individualismus« zusammen.) Die These von Fukuyama(und anderen, wie Mandelbaum und Zakaria, die ähnliche Argumentationslinien entwickelt haben) lautet, die ganze Welt sei im Begriff, die westlichen Werte zu übernehmen. Diese Theoretiker neigen dazu, die individualistischen Werte, die von nicht­westlichen Gesellschaften zunächst nur zögernd anerkannt, jetzt aber als zwingend begriffen würden, als»universell« zu betrachten. 1 (»Die Frei­heit, die wir schätzen, ist kein Geschenk Amerikas an die Welt, sie ist Gottes Geschenk an die Menschheit«, wie Präsident George W. Bush diese Vorstellung formulierte.) 2 Wir sollten auch bedenken, dass von ei­nem globalen Trend nationaler Entwicklungen die Rede ist, und nicht von der Entwicklung einer globalen Gesellschaft und Regierung. Zwar * Bei diesem Text handelt es sich um die deutsche Übersetzung des ersten Kapitels (im Original:»A Western Exclusive?«) aus dem von Amitai Etzioni verfassten Buch »From Empire to Community«, das 2004 bei Palgrave erscheint. 1. Einige Autoren behaupten, es gebe in den kulturellen Traditionen Asiens Werte, die den Menschenrechten des Westens vergleichbar seien. Vgl. zum Beispiel Human Rights in Asian Cultures: Continuity and Change , hrsg. von Jefferson R. Plantilla und Sebasti L. Raj, S.J.(Osaka: Hurights Osaka 1997). 2. William Kristol,»Morality in Foreign Policy«, Weekly Standard , 10. Februar 2003, S. 7. 12 Etzioni, Globale Gesellschaft ipg 2/2004