Wie weiter mit der EU? Wege aus der Krise ANGELICA SCHWALL-DÜREN Die EU in der Krise und vor neuen Herausforderungen Die Europäische Union( eu ) ist seit über 50 Jahren eine erfolgreiche Friedens- und Wohlstandsgemeinschaft. Dennoch gerät sie zunehmend unter Druck – die Erweiterung auf 27 und mehr Mitgliedstaaten, die fortschreitende Globalisierung und das damit verbundene Reformerfordernis, mangelnde Effektivität der Entscheidungsverfahren bei gleichzeitig stockendem Verfassungsprozess sowie Akzeptanzprobleme bei den Bürgerinnen und Bürgern stellen die eu vor neue Herausforderungen. Die eu befindet sich in einem Dilemma: Sie muss sich reformieren, ist aber nicht voll handlungsfähig. Vier Entwicklungen erschweren den inneren Reformprozess: ̈ die ungewisse Zukunft der Europäischen Verfassung, ̈ die anstehenden Erweiterungen der eu um neue Mitgliedstaaten, ̈ die von nationalen Egoismen geprägten Verteilungs- und Machtkämpfe auf eu -Ebene, die die Handlungsfähigkeit der eu behindern sowie ̈ die zunehmende Globalisierung der Wirtschaft und der damit verbundene Wettbewerbsdruck auf Sozialstandards. Die Ratifizierung des Vertrages über eine Verfassung für Europa( vve ), der mehr Demokratie und Transparenz, Effizienz und Akzeptanz für die eu herstellen sollte, ist bei den Referenden in Frankreich und den Niederlanden jeweils mit deutlicher Mehrheit gescheitert. Der Ratifizierungsprozess geriet ins Stocken. Die eu -Staats- und Regierungschefs haben daraufhin eine einjährige Phase des Nachdenkens vereinbart. Die mit der Erweiterung der eu noch dringender gewordene Vertiefung verzögert sich. Größere Transparenz und Bürgernähe, Stärkung der demokratischen Legitimation und der Handlungsfähigkeit der Union können auf absehbare Zeit nicht erreicht werden. Dringend notwendige Fortschritte, u.a. bei den Entscheidungsverfahren, werden damit hinausgezögert. 28 Schwall-Düren, Wie weiter mit der EU? Wege aus der Krise ipg 1/2006
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