Aufsatz 
Die Schwäche des Rechtsstaats ist die Stärke der Islamisten : Geschlechterdemokratie und politischer Islam in der arabischen Welt
Entstehung
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Die Schwäche des Rechtsstaats ist die Stärke der Islamisten. Geschlechterdemokratie und politischer Islam in der arabischen Welt MARTINA SABRA »Die Frauen haben immer gewusst, dass die Zukunft in der Zerstörung der Grenze liegt; dass das Individuum geboren ist, um respektiert zu werden.« (Fatima Mernissi: Die Angst vor der Moderne) Realer Frauenalltag versus Klischees Frühjahr 2004: Für eine Reportage über die jüngste Familienrechts­reform in Marokko interviewt arte zwei marokkanische Frauen. Eine ist Khadija, um die 35 Jahre alt, aus bescheidenen Verhältnissen in Marra­kesch. Sie trägt eine weinrote Djellaba, das lange traditionelle Gewand der Marokkaner, und ein schickes hellgraues Kopftuch. Vor kurzem hat sie mit ihren beiden Kindern ihren Mann verlassen.»Er wollte eine Skla­vin«, erzählt sie.»Ich sollte den ganzen Tag zuhause sitzen, nur putzen, kochen und die Kinder hüten. Aber ich habe eine Ausbildung. Ich wollte arbeiten.« Die zweite Interviewpartnerin ist Fouzia, um die vierzig Jahre alt, am Swimmingpool ihres Elternhauses in Casablanca. Sie trägt einen Hosenanzug und das Haar offen.»Ich bin eigentlich Steuerberaterin, aber zur Zeit leite ich eine unabhängige linksliberale Frauenrechtsorgani­sation«, erzählt sie.»Ich bin nicht verheiratet, deshalb wohne ich bei mei­nen Eltern. Ich könnte auch allein leben, aber mir gefällt es so. Für mich ist meine Familie sehr wichtig.« Was macht die beiden Interviews interessant? Sie zeigen auf unspekta­kuläre Weise, wie wenig das reale Leben vieler muslimischer Frauen den Klischees sowohl des»Westens« als auch konservativer Islamisten ent­spricht. Auf der einen Seite die verschleierte Khadija: sie signalisiert durch ihr Kopftuch zwar, dass sie sich bestimmten Glaubens- und Moral­vorstellungen verpflichtet fühlt. Aber sie verweigert sich dem nicht nur in islamisch-konservativen Kreisen verbreiteten traditionellen Rollen­106 Sabra, Politischer Islam und Geschlechterdemokratie ipg 3/2006