Aufsatz 
Zwischen Pragmatismus und Moralismus : Überlegungen zum finnischen und skandinavischen Internationalismus
Entstehung
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Zwischen Pragmatismus und Moralismus: Überlegungen zum finnischen und skandinavischen Internationalismus* HENRI VOGT O bgleich die Einwohnerzahl der nordischen Länder, Dänemark, Finn­land, Norwegen, Schweden und Island insgesamt nur etwa 25 Milli­onen beträgt, scheinen diese Länder auf dem Gebiet der internationalen Beziehungen seit mehreren Jahrzehnten bedeutendes Gewicht zu haben. Der frühe Regionalismus im Norden, die Neutralität Schwedens und Finnlands, der starke Euroskeptizismus in der Region, die internationa­len Rankingerfolge im Zeitalter der Globalisierung und verschiedene nordische Friedensinitiativen sind Themen, denen in Europa und in der ganzen Welt viel Aufmerksamkeit zuteilwurde, und dies nicht nur im praktischen Bereich der Politik, sondern auch seitens der Forschung. Die jüngsten Entwicklungen dieser internationalistischen Tradition im Nor­den sollen im Folgenden genauer betrachtet werden. Der Titel»finnischer« und»skandinavischer« Internationalismus deutet darauf hin, dass wir über zwei verschiedene Phänomene diskutie­ren, und zwar von einer Hauptkategorie und einer Subkategorie spre­chen. Einerseits existiert eine allgemeine nordische Tradition des Inter­nationalismus oder, wie dies auch heißen könnte, des Exzeptionalismus. Andererseits bestehen deutliche historische Unterschiede zwischen Finn­land und den skandinavischen Ländern, Dänemark, Norwegen und Schweden. Ein weiteres Ziel dieses Beitrages ist es diese Unterschiede zu beschreiben und zu erklären, wobei Finnland und Schweden im Mittel­punkt der Betrachtungen stehen, während Dänemark und Norwegen­meist nur am Rande erwähnt werden. Es zeigt sich dann, dass diese Un­terschiede eng im Zusammenhang mit Pragmatismus und Moralismus zu verstehen sind. * Dieser Artikel stellt eine überarbeitete Version meiner Antrittsvorlesung(»Gast­professur Europaicum«) dar, die ich am 20. Januar 2009 an der Universität des Saarlandes gehalten habe. Ich danke Jennifer Klees für ihre tatkräftige Mitarbeit und sprachliche Unterstützung sowie Marco Klüth für wertvolle Kommentare. ipg 3/2009 Vogt, Skandinavischer Internationalismus 139