Aufsatz 
Kurt Hirche
(1904-1999)
Entstehung
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131 Wolfgang Budde-Roth Kurt Hirche(1904 1999) Die Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung erhielt von Kurt Kirche eine umfangreiche Sammlung von Monographien und Zeitschriften aus den Bereichen deutsche Sozialdemokratie, Jugendbewegung und Expressionismus, darunter viele Graphiken des Expressionismus. Der folgende Beitrag stellt Kurt Hirche vor und beschreibt seine Samm­lung. Kurt Hirche wurde am 30. Oktober 1904 in Tiefensee in Niederschle­sien in eine sozialdemokratisch orientierte Familie geboren. Der Vater war Porzellanmaler und verlor zweimal seine Arbeitsstelle, weil er für die Gewerkschaft warb, und stand dann auf der roten Liste der dortigen Arbeitgeber; das bedeutete Arbeitslosigkeit, Armut und Hunger. 1909 fand er in Magdeburg, damals schon Großstadt mit gut ausgebildeten Gewerkschaften, einen neuen dauernden Arbeitsplatz. Während des Krieges reichte der Soldatensold nicht für den Lebensunterhalt. Die drei Kinder mussten mithelfen: auf den Putzstellen der Mutter, durch Austragen der SPD-Zeitung, Kräuter und Pilze sammeln, bei Bauern arbeiten. Dieses Zusammenhalten und die sozialdemokratische Orien­tierung der Eltern und in besonderem Maße das Bildungs- und Lesebe­dürfnis des Vaters haben Kurt Hirche geprägt. An vielen Abenden las der Vater aus Theaterstücken vor, hauptsächlich aus solchen mit sozialen und revolutionären Inhalten: Von Schiller, Ib­sen, Sudermann, Grillparzer, Anzengruber, Schönherr und vor allem Gerhart Hauptmann, oder Gedichte von Heine, Dehmel, Freiligrath und Herwegh.In diesen Abendstunden... ist mir ein guter Teil von dem, was damals in der Arbeiterbewegung an Lyrik und Dramatik zu Hause war, zu eigenem Besitz geworden. 1 Kurt Hirche wurde ein leiden­1 Kurt Hirche: Immer in Bewegung: Bd. 1: Unruhe und Aufbruch, Marburg 1994; Bd. 2: Die braune Zeit. Marburg 1995; Bd. 3: Am Webstuhl der Zeit. Marburg, 1995; hier: Bd. 1, S. 45.