190 Alois Klotzbücher Ernst Mehlich(1882 – 1926) Ernst Mehlich 1 wurde am 14. Dezember 1882 in Ellswig in Oberschlesien geboren. Er besuchte die Volksschule und war nach der Lehrzeit als Buchdruckergeselle in der Schweiz, in Württemberg, in Hamm und Dortmund tätig. Im Jahr 1907 und wieder 1910 arbeitete er als Redakteur bei der Zeitung der Dortmunder SPD, der„Arbeiter-Zeitung“, dazwischen in gleicher Funktion beim„Volksboten“ in Stettin. In seinen Wanderjahren als Buchdruckergeselle und auch noch als Redakteur hat sich Mehlich im intensiven Selbststudium ein fundiertes Wissen erworben. Er war ein hervorragender Kenner der sozialistischen Literatur und auch mit der Schönen Literatur vertraut. Er schrieb zahlreiche Buchbesprechungen, beschäftigte sich mit der Jugendliteratur und war ein gefragter Redner in der Partei und in den Gewerkschaften. Seine breite Allgemeinbildung war die Grundlage für die Ausübung von verantwortlichen Ämtern in der Politik, gewiss auch die Voraussetzung für seine Arbeit als Experte der Volksbildung und des Bibliothekswesens. 1910 erschien Mehlichs„Kleiner Leitfaden für Arbeiterbibliotheken“ 2 , die wohl wichtigste und oft zitierte Veröffentlichung zum Arbeiterbibliothekswesen vor dem Ersten Weltkrieg. Die Schrift ging aus Vorträgen im Stettiner Bildungsverein hervor und beruhte auf einer fast zehnjährigen praktischen und theoretischen Beschäftigung mit dem Bibliothekswesen. Zweck der Schrift war, für die meistens ohne Vorkenntnisse tätigen Arbeiterbibliothekare„Anregungen und Winke“ zum Ausbau der Bibliotheken zu geben und zu einer Vereinheitlichung der Arbeit beizutragen. Mehlich hat in seinem„Leitfaden“ aber auch Grundsatzpro1 Vgl. auch: Alois Klotzbücher, Ernst Mehlich und die Arbeiterbibliotheken. Ein Beitrag zur Arbeiterbildung im Wilhelminischen Kaiserreich, in: Volker Zaib(Hrsg.), Kultur als Fenster zu einem besseren Leben und Arbeiten. Festschrift für Rainer Noltenius, Bielefeld 2003, S. 309-331. 2 Ernst Mehlich, Kleiner Leitfaden für Arbeiterbibliotheken. Nebst einem Anh.: Einiges über Privatbibliotheken, Leipzig 1910.
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