53 Gerd Callesen Fritz Brügel(1897 – 1955) Fritz Brügel, geboren am 13. Februar 1897 in Wien, wuchs in einer sozialdemokratischen Familie auf. Er war der Sohn des Historikers Ludwig Brügel, dem aus Böhmen stammenden Verfasser einer fünfbändigen Geschichte der österreichischen Sozialdemokratie. Fritz Brügel studierte an der Universität Wien Geschichte und promovierte 1921 mit der Arbeit„Beiträge zur Geschichte der Deutschen in Böhmen“. Danach arbeitete er als Theaterkritiker an der Wiener„Arbeiter-Zeitung“, der zentralen Zeitung der österreichischen Sozialdemokratie, für die er auch später häufig schrieb. 1922 wurde Brügel Bibliothekar der neuerrichteten Sozialwissenschaftlichen Studienbibliothek der 1921 gegründeten Arbeiterkammer Wien und baute diese selbständig auf. 1 Innerhalb weniger Jahre erreichte er, dass die Bibliothek bis 1932 einen beachtenswerten Bestand von etwa 135 000 Bänden hatte. Er hatte unter anderem umfangreiche Privatbibliotheken für die Studienbibliothek gesichert, so diejenigen von Victor Adler(etwa 12 000 Bände), Engelbert Pernerstorfer(rund 20 000 Bände) und Leopold Winarsky, wie auch die rund 16 000 Bände umfassende Sammlung des der Sozialdemokratie nahestehenden Rechtswissenschaftlers Anton Menger, die alle auch bibliophile Sammler gewesen waren. 2 Wie aus seinem Briefwechsel mit Friedrich Adler 1 Ausführlich zur Geschichte der Bibliothek: Karl Stubenvoll, 75 Jahre Sozialwissenschaftliche Studienbibliothek der Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien 19211996, Wien 1997; zu Fritz Brügel vgl.: Julius Stieber, Studien zu Fritz Brügel und seiner politischen Lyrik. Vom Aufbruch der österreichischen Sozialdemokratie in den zwanziger Jahren bis zu deren Niederlage im Februar 1934, Wien 1991(phil. Diplomarbeit); Ders., Fritz Brügel im Exil 1934 – 1955. Studien zu Leben und Werk eines sozialdemokratischen Schriftstellers, Wien 1998(phil. Diss.). 2 Madeleine Wolensky, Pernerstorfers Harem und Viktor Adlers liebster Besitz oder zwei sozialistische Bibliophile, ihre Bücher und die Arbeiterkammerbibliothek, Wien 1994. Die Arbeit enthält ein Verzeichnis in Auswahl der noch bzw. wieder in der Sozialwissenschaftlichen Bibliothek vorhandenen Bücher Adlers und Pernerstorfers; Dies., Anton Menger und seine Bibliothek, Wien 1991.
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