209 Ralf Hoffrogge Richard Müller(1880 – 1943) Richard Müller ist trotz seiner maßgeblichen Rolle in der Novemberrevolution 1918 bis heute eine unbekannte und oft auch unterschätzte Persönlichkeit der deutschen Arbeiterbewegung. 1 Er wurde am 9. Dezember 1880 im Dorf Weira(im heutigen Thüringen) als Sohn eines Gastwirts geboren. Die Eltern betrieben neben der Gaststätte auch Landwirtschaft, um die vielköpfige Familie zu ernähren. Nach seiner Lehre als Dreher lebte Müller einige Zeit in Hannover und gründete dort eine Familie, dann siedelte er nach Berlin über. Müller engagierte sich in der Gewerkschaft, spätestens seit 1910 wirkte er im Deutschen Metallarbeiterverband und war ab 1914 Leiter der Dreherbranche und einer der führenden Köpfe des Metallarbeiterverbandes in Berlin. Während des Ersten Weltkrieges bekämpfte er die sozialdemokratische Kriegspolitik und war als Organisator der Revolutionären Obleute maßgeblich an allen großen Streikbewegungen beteiligt. Am 10. November 1918 war auf Initiative der Berliner„Revolutionären Betriebsobleute“ der Vollzugsrat als Oberstes Räteorgan gewählt worden. Die Obleute hatten unter ihrem Vorsitzenden Richard Müller seit 1916 drei große Massenstreiks gegen den Krieg organisiert und waren aufgrund ihres dicht geknüpften Netzwerkes in den Betrieben nicht nur Berlins die maßgebliche Kraft des Antikriegs-Widerstandes. Trotz härtester Repression und Einberufung revolutionärer Arbeiter zum Militär gelang es den Militärbehörden bis zum Schluss nicht, die Gruppe zu zerschlagen. In den Vorbereitungen zur Revolution in Berlin waren die Obleute federführend, sie organisierten die Waffensammlungen und setzen den Aufstandstermin fest. Als Angehörige einer Geheimorganisation waren Müller und seine Leute freilich in der breiten Öffentlichkeit unbekannt. Dies und die starke Sehnsucht der Arbeiter 1 Grundlage dieses Artikels sind die Forschungen des Autors zur Biographie Richard Müllers: Ralf Hoffrogge, Richard Müller – Der Mann hinter der Novemberrevolution, Berlin 2008. Zu Müllers Tätigkeit als Archivar und Historiker vgl.: S. 171-183.
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