231 Rolf Hecker Boris Iwanowitsch Nikolajewskij(1887 – 1966) Boris Iwanowitsch Nikolajewskij wurde am 20. Oktober 1889 als Sohn von Iwan Michailowitsch Nikolajewskij geboren. Der Vater war griechisch-orthodoxer Priester in fünfter Generation in Belebej, einer kleinen Kreisstadt im Gouvernement Ufa(heute Baschkortostan, 200 km westlich der Hauptstadt), die zu Ende des 19. Jahrhunderts landwirtschaftlich geprägt war und weniger als zweitausend Einwohner hatte. Nikolajewskijs Mutter Ewdokija Pawlowna Nikolajewskaja, geb. Krasnoburowa erzog ihn und seine drei Brüder und zwei Schwestern und musste sich nach dem Tod ihres Mannes 37jährig als Putzfrau und Verkäuferin in Ufa durchschlagen. 1 Seit 1898 besuchte Nikolajewskij das Gymnasium in Samara, ab 1899 das in Ufa. Hier entwickelte sich sein großes Interesse für Geschichte und Literatur. Die liberale Erziehung führte ihn zu den sozialistischen Ideen und 1903 zur Teilnahme in einem revolutionären Jugendzirkel, der sich mit der Verbreitung sozialdemokratischer Literatur beschäftigte. Nach einer halbjährigen Haftstrafe 1904 trat er der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands(SDAPR) bei und wurde Berufsrevolutionär in verschiedenen Städten. 2 Von 1908 bis 1910 war Nikolajewskij in das Gouvernement Archangelsk verbannt. Dort befasste er sich mit der wirtschaftlichen Entwicklung Russlands, das Ergebnis seiner Studien verarbeitete in drei Bü1 Vgl. Evdokija Nikolaevskaja, Žizn‘ ne imeet žalosti[Das Leben hat kein Mitleid]. Pis’ma 1922–1935 gg. Synu. Hrsg. Al’bert Nenarokov u.a., Moskva, Stanford 2005; Russkoe zarubež’e. Zolotaja kniga emigracii.[Das russische Ausland. Das goldene Buch der Emigration] Pervaja tret‘ XX veka. Enciklopedičeskij biografičeskij slovar‘, Moskva 1997, S. 458-459; V. V. Krylov, Ego strast’ju byl archivizm.[Seine Leidenschaft war das Archivwesen], in: Otečestvennye archivy,(1995) 3, S. 25-36. 2 Vgl. autobiographische Notizen in einem Brief Nikolaevskijs an den Verlag Methuen & Co Ltd. Publisher in London, in: David Borisovič Rjazanov und die erste MEGA, Hamburg 1997, S. 58/59. Dieser Brief sowie weitere Dokumente Nikolajewskijs befin den sich im Moskauer RGASPI, Sign. F. 579, op. 1.
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten