202 Sabine Kneib Julius Motteler(1838 – 1907) Julius Motteler ist aus der Zeit des Sozialistengesetzes als der„Rote Feldpostmeister“ bekannt; über diese Phase der sehr erfolgreichen Expedition der sozialdemokratischen Parteizeitung hinaus liegen seine Verdienste im Aufbau von Arbeitervereinen und in der Agitationsarbeit sowie in der Sammlung und Archivierung von parteirelevanten Materialien, wobei Julius Motteler – folgen wir Paul Mayer – eine„ebenso intime wie originelle Beziehung zum Parteiarchiv“ 1 hatte. Geboren wurde Julius Motteler am 18. Juni 1838 in Esslingen, als neuntes von zwölf Kindern. Der Vater, ein Gastwirt, starb bereits 1848. Julius Motteler besuchte zunächst das örtliche Lehrerseminar, brach diese Ausbildung ab und begann 1852 eine Weberlehre. Als ausgebildeter Tuchmacher und Kaufmann wechselte er 1856 – inzwischen war auch seine Mutter verstorben – in eine Anstellung nach Augsburg, wo er Erfahrungen als Werkführer und Buchhalter sammelte. Drei Jahre später zog er in die sächsische Stadt Crimmitschau, um eine Stellung als Buchhalter in einer Spinnerei anzutreten. In einer Periode verstärkt auftretender Neugründungen von Volks- und Bildungsvereinen trat er zunächst 1860 dem liberalen Nationalverein bei. Mit der Zeit entwickelte Motteler zunehmend gewerkschaftliche und politische Aktivitäten. Er konnte mitreißende Reden halten und organisierte seit den 1860er Jahren zahlreiche Arbeiterversammlungen. 1863 beteiligte sich Julius Motteler gemeinsam mit August Colditz maßgeblich an der Gründung des Arbeiter(fort)bildungsvereins Crimmitschau. Im selben Jahr, auf dem Stiftungsfest des Gewerblichen Bildungsvereins Leipzig, lernte Motteler August Bebel kennen, der in Leipzig ähnlich aktive Verbands-Aufbauarbeit leistete wie Motteler in der Crimmitschauer Arbeiterbewegung. Sie wurden politische Kampf1 Paul Mayer, Die Geschichte des sozialdemokratischen Parteiarchivs und das Schicksal des Marx-Engels-Nachlasses, in: Archiv für Sozialgeschichte, 6/7(1966/67), S. 6.
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