274 Heinrich Gemkow Boris Moisejewitsch Rudjak(1923 – 1999) Rudjak wirkte jahrzehntelang als Archivar im Zentralen Parteiarchiv (ZPA) im Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der KPdSU (IML) in Moskau und dort als stellvertretender Leiter der Marx-Engels-Sektion. Dem mehrsprachigen Wissenschaftler war der Archivarberuf keineswegs in die Wiege gelegt worden. Geboren am 23. Dezember 1923 in einer ukrainischen jüdischen Familie auf dem Lande, nahm er nach dem Schulbesuch in Poltawa 1940 an der Leningrader Universität, und zwar der mathematischen Fakultät, das Studium auf. Nach dem Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion war er bei Verteidigungsarbeiten im Raum Poltawa eingesetzt, wurde vorübergehend nach Mittelasien evakuiert und diente dann 1942 bis 1944 als Offizier in einer Aufklärungsabteilung der Roten Armee. Nach schweren Verwundungen musste er den Militärdienst beenden. Er leitete 1944/45 das Stadtmuseum Poltawa, um dann 1945 bis 1950 an der Moskauer Staatlichen Lomonossow-Universität Geschichte zu studieren. Als Historiker mit dem Diplom ausgestattet, begann er 1950 im Moskauer M. I. Kalinin Museum zu arbeiten, wurde dort Abteilungsleiter und promovierte mit einer Dokumentation über das politische Wirken von Kalinin zum Kandidaten der Geschichtswissenschaft(Dr. hist.). Ab 1960 war Rudjak im Moskauer IML tätig, wo er zunächst als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Aufbau des Marx-Engels-Museums mitwirkte, dem er von 1963 bis 1969 als stellvertretender Direktor vorstand. 1 Ab 1969 war er als wissenschaftlicher Archivar in der MarxEngels-Sektion des ZPA verantwortlich für die Beschaffung und Erschließung neuer Marx-Engels-Dokumente und Erinnerungsstücke sowie von Büchern ex libris Marx und Engels. Es gelang ihm, in den 1 Vgl.: Literaturnoe nasledstvo K. Marksa i F. Engel’sa. Istorija publikacii i izučenija v SSSR[Der literarische Nachlass von Marx und Engels. Geschichte seiner Veröffentlichung und des Studiums], Moskva 1969, S. 409-411.
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