335 Rolf Hecker German Alexandrowitsch Tichomirnow(1899 – 1955) Der Vater verstarb, als Tichomirnow anderthalb Jahre alt war. Er wuchs in Kasan mit seinen älteren Geschwistern auf, Schwester Zinaida und Bruder Wiktor. Er besuchte das Gymnasium(1911–1918) und begann anschließend an der Universität ein Medizinstudium, das er nach dem ersten Studienjahr abbrach. In seiner Jugendzeit unterstützte er seine Geschwister in ihrer revolutionären Tätigkeit. Sein Bruder organisierte das Kasaner Komitee der SDAPR(B) in der Revolutionszeit 1905– 1907, ihn unterstützte Tichomirnow ab 1916 bei der Verbreitung bolschewistischer Literatur. Er trat nach der Februarrevolution 1917 in die SDAPR(B) ein. 1918 war er Teilnehmer am Bürgerkrieg in einer Politabteilung der 5. Armee in Simbirsk. Bis zum Sommer 1921 wirkte er in verschiedenen Politabteilungen, unter anderem auch in Petrograd. Von Sommer 1921 bis 1925 war Tichomirnow Instrukteur in der Organisationsabteilung und dann Assistent eines Sekretärs des ZK der RKP(B) in Moskau. Von 1925 bis 1937 leitete Tichomirnow das Zentrale Parteiarchiv beim Lenin-Institut; ab 1931 beim vereinigten Marx-Engels-Lenin-Institut (IMEL). 1931 war der bisherige Direktor des Marx-Engels-Instituts, Dawid Rjasanow, verhaftet worden und Wladimir Adoratskij wurde neuer Direktor. 1 Tichomirnow konnte in einem Bericht mitteilen, dass zu jenem Zeitpunkt der Marx-Engels-Fonds im Archiv 4 316 Einheiten umfasste, dazu gehörten 437 Originale und 55 000 Blatt Fotokopien. 2 1 Vgl.: Stalinismus und das Ende der ersten Marx-Engels-Gesamtausgabe(1931– 1941). Hrsg. und Red.: Carl-Erich Vollgraf, Richard Sperl u. Rolf Hecker, Hamburg 2001. 2 G. A. Tichomirnov, Edinyj partijnyj archiv[Einheitliches Parteiarchiv], in: Literaturnoe nasledstvo, Nr. 3, Moskva 1932, S. 327-332. Darin behauptete er, dass nach der Liquidierung der„Rjazanovščina“ zunächst die in den Schränken und auf den Schreib tischen der Mitarbeiter herumliegenden Marx-Engels-Dokumente hätten eingesammelt und archiviert werden müssen. Vgl. auch: Literaturnoe nasledstvo K. Marksa i F. Engel’sa. Istorija publikacii i izučenija[Der literarische Nachlass von Marx und Engels. Veröffentlichungs- und Erforschungsgeschichte], Moskva 1969, S. 156-160.
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