Aufsatz 
Sophie Liebknecht (1884-1964), Susanne Leonhard (1895-1984)
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

162 Elisabeth Ittershagen Sophie Liebknecht(1884 1964) Susanne Leonhard(1895 1984) Die Geschichte der Rettung des Nachlasses von Karl Liebknecht vor dem Zugriff und der Vernichtung durch die Nationalsozialisten wider­spiegelt nicht nur gravierende Ereignisse des 20. Jahrhunderts. Sie ist auch aufs Engste mit dem persönlichen Schicksal von Sophie Lieb­knecht und Susanne Leonhard verbunden, die unter Einsatz ihres Le­bens die Materialien in Sicherheit brachten. Sophie(Sonja) Borissowna Ryss wurde am 18. Januar 1884 in Rostow am Don geboren. Bis zu ihrem zwölften Lebensjahr wurde sie zu Hau­se unterrichtet, dann besuchte sie ein Gymnasium in Lausanne, welches sie im Juli 1902 mit dem Diplom de fin détudes verließ. Die nächsten drei Jahre lebte sie wieder in Russland. 1905 begann sie an der Berliner Humboldt-Universität Geschichte und Kunstgeschichte zu studieren, setzte danach das Studium in Heidelberg fort(1906-1909) und promo­vierte 1909 zum Dr. phil. Im Januar 1906 lernte Karl Liebknecht die Studentin kennen. Nach dem Tod seiner Frau Julia(22. August 1911), mit der er seit 1899 ver­heiratet war und drei gemeinsame Kinder hatte, heiratete er am 1. Ok­tober 1912 die Kunsthistorikerin Sophie Ryss. Das engagierte Leben des Politikers Karl Liebknecht war für die Familie mit erheblichen Be­lastungen verbunden, trotzdem stand ihm Sophie tatkräftig zur Seite. Nach seiner Verhaftung am 1. Mai 1916, seiner Verurteilung alsLan­desverräter und seiner Einkerkerung im Zuchthaus Luckau waren die Beziehungen zu den Kindern und zu seiner Frau wiederum schwer be­lastet. Die überlieferten Briefe und Karten Karl Liebknechts an seine Kinder Wilhelm, Robert und Vera sowie an seine Frau zeugen von sei­ner tiefen Liebe zu ihnen und von der steten Sorge um sie. Sophie Liebknecht war ihrem Mann stets eine zuverlässige Partnerin, die mit jedem Jahr mehr zur Gefährtin seiner Kinder wurde. Nicht immer fühl-