Ausgabe 3/ 2023 Diskussionspapier des Landesbüros NRW der Friedrich-Ebert-Stiftung WEITER DENKEN Strategien zur Fachkräftesicherung in NRW über Gute Arbeit Dr. Elke Ahlers Die demografische Entwicklung und der wirtschaftliche Strukturwandel in NRW erfordern nicht nur gezielte Strategien der Fachkräftesicherung, sondern auch einen veränderten Blick auf die Arbeitsbedingungen, die Löhne und die Wertschätzung der Beschäftigten. Besonders bei einer sinkenden Anzahl zur Verfügung stehender Erwerbspersonen spielen gute und nachhaltige Arbeitsbedingungen eine immer wichtigere Rolle, auch um das Potenzial der oft unterbeschäftigten Frauen oder älterer Erwerbstätiger besser nutzen zu können. Gerade das ist jedoch in der betrieblichen Realität oft nicht der Fall, denn Betriebs- und Personalräte sehen als eine der Ursachen für den Fachkräftemangel nicht nur den Mangel an geeigneten Bewerbern, sondern auch kritische Arbeitsbedingungen, wie niedrige Löhne oder unflexible und ungünstige Arbeitszeiten. Der vorliegende Bericht gibt Antworten zur Gestaltung nachhaltiger und humaner Arbeitsbedingungen in Zeiten der Fachkräftesicherung. Autorin Dr. Elke Ahlers Diplom-Sozialwissenschaftlerin, seit 2013 Leiterin des Referats „Qualität der Arbeit“ der Hans-Böckler-Stiftung mit den Schwerpunkten Wandel der Arbeit, Arbeit und Leistung, Gesundheit, psychische Arbeitsbelastungen und die Rolle der betrieblichen Interessenvertretung. 1. Zielsetzung und Einleitung Der Fachkräftemangel beherrscht die öffentlichen Debatten um die Sicherung des Wirtschaftsstandorts Deutschlands – hier speziell in Nordrhein-Westfalen(NRW). Studien zeigen, dass die demografische Entwicklung und der zu erwartende wirtschaftliche Strukturwandel zu einem verringerten Arbeitskräfteangebot und zu einem veränderten Fachkräftebedarf in den unterschiedlichen Branchen führen. Was bedeutet diese Entwicklung für die Politik in NRW? Zur Beantwortung dieser Frage müssen die oftmals vielfältigen Ursachen des Fachkräftemangels näher untersucht werden. Dazu gehört, nicht nur Befragungen aus der Wirtschaft, sondern auch von Arbeitnehmervertretern zur Kenntnis zu nehmen. Mit dem vorliegenden Diskussionspapier soll die Situation für NRW beleuchtet, die Herausforderungen zur Sicherung des Fachkräftebedarfs verdeutlicht und dafür politische Handlungsansätze mit Blick auf eine nachhaltige Gestaltung„Guter Arbeit“ aufgezeigt werden. 2. Arbeitskräfteangebot und-bedarf in NRW NRW ist mit etwas über 18 Millionen Einwohnern das bevölkerungsreichste Bundesland und eher urban geprägt, denn 68,1 Prozent der Bevölkerung leben in städtischen Regionen. Die regelmäßig vom Bundesinstitut für Berufsbildung(Bibb) und vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung(IAB) durchgeführten Qualifikations- und Berufserhebungen(QuBe 2023) haben für NRW detaillierte Berechnungen durchgeführt, die als Grundlage für die folgenden Befunde dienen: Demnach wird die Bevölkerungsgruppe im erwerbsfähigen Alter(15–75 Jahre) 1 zwar noch bis ca. 1 Vgl. QuBe 2023
Heft
(2023) 3. Strategien zur Fachkräftesicherung in NRW über Gute Arbeit
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