Heft 
(2021) 3. "Die Gesellschaft, in der ich leben möchte"
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Ausgabe 3| 2021 Diskussionspapier des Landesbüros NRW der Friedrich-Ebert-Stiftung André Sobieraj Die Gesellschaft, in der ich leben möchte Unsicherheiten, Alltagssorgen und Erwartungen an die Politik: Die Gesellschaft wird künftig nicht mehr so le­benswert sein wie vor der Pandemie. Das ergibt sich aus 25 Tiefeninterviews, die in NRW durchgeführt und mit wissenschaftlichen Methoden ausgewertet wurden. Die Botschaft der Interviewten an die Politik: Unsere Gesell­schaft braucht einen Paradigmenwechsel und eine grund­sätzliche Neugestaltung. 72 Prozent der Befragten sind mit der gegenwärtigen Situa­tion in NRW unzufrieden und sehen die Notwendigkeit einer grundsätzlichen Neugestaltung in politischer und gesellschaft­licher Hinsicht. Dies ist ein zentrales Ergebnis einer neuen Ge­sellschaftsstudie des Methoden- und Beratungsunternehmen nextpractice. In insgesamt 25 qualitativen Einzelinterviews wur­den im Oktober 2020 die Gründe für Unsicherheiten, Ängste, Erwartungen und Zukunftshoffnungen von Menschen gerade in Zeiten der Corona-Pandemie erkundet. Bei der Auswahl der Teilnehmenden konzentrierte sich die Studie auf berufs­tätige Personen aus Nordrhein-Westfalen, die den Werten der Sozialen Demokratie nahestehen. Bezogen auf die Zukunft von NRW ist über die Hälfte der be­fragten Personen(52 Prozent) pessimistisch. Nur 20 Prozent der Befragten glauben an eine positive Entwicklung. 28 Prozent sind zufrieden und gehen davon aus, dass das auch so bleiben wird. Insgesamt erwarten die Interviewten eine leichte Abnahme der gesellschaftlichen Spannungen und etwas mehr Solidarität. Sie rechnen jedoch nicht damit, dass die Unbeschwertheit, wie sie in der Vergangenheit empfunden wurde, wiederkommt. Die Vorstellungen von einer lebenswerten Gesellschaft variieren Feststellbar ist eine relativ hohe Streuung des ElementsGe­sellschaft, in der ich leben möchte Das weist darauf hin, dass es keine einheitliche intuitive Vorstellung einer lebenswerten André Sobieraj ist Senior Berater und Analyseexperte beim Methoden- und Bera­tungsunternehmen nextpractice. Die Arbeits­schwerpunkte des Diplom Psychologen sind Unternehmens- und Führungskulturanalysen, sowie die Entwicklung von Change Ansätzen in Organisationen. Zudem verantwortet er Werte- und Trendanalysen sowie Studien in Politik- und Gesellschaftskontexten. Gesellschaft gibt, sondern die Bewertung durch(über)subjek­tive Präferenzen geprägt ist. Über eine mathematische Cluster­analyse konnten drei empirische Gruppen identifiziert werden. Hierfür wurden alle Interviews bezüglich ihrer Bewertungsmus­ter miteinander verglichen und anschließend nach Ähnlichkei­ten sortiert. Die Gruppen lassen sich wie folgt beschreiben: Gruppe 1:Unseren Lebensstandard halten [36%]. Re­levant für diese Gruppe sind vor allem wohlstandsbezogene Themen und der Erhalt des eigenen Lebensstandards. Ver­mieden werden muss aus ihrer Sicht vor allem die Gefahr von Verarmung und sozialer Not. Typische Vertreter_innen dieser Gruppe würden sagen: Obwohl die Einschränkungen in der Corona-Krise natür­lich nervig sind, geht es uns doch verhältnismäßig gut. Die Auflagen der Politik sollten aber ruhig etwas konsequenter und vor allem einheitlicher sein. Von den Einschränkungen in unserem insgesamt recht hohen Lebensstandard werden wir uns aber wieder erholen und die urbanen Strukturen in NRW wieder genießen können. Gruppe 2:Die Normalität wieder herstellen [20%]. Insbesondere Unbeschwertheit, Stabilität und finanzielle Absicherung werden von dieser Gruppe als wichtig emp­funden. Einschränkungen der persönlichen Freiheit werden hingegen abgelehnt. Typische Vertreter_innen dieser Gruppe würden sagen: Mir persönlich macht die aktuelle Situation sehr zu schaf­fen. Und ich bekomme etwas Angst, wenn ich an die Zu­kunft denke. Die enormen individuellen Einschränkungen, die unseren heutigen Alltag prägen, werden zwar zukünf­tig wieder aufgeweicht, aber die Krise wird besonders in wirtschaftlicher Hinsicht ihre Spuren in NRW hinterlassen. Ich befürchte, dass die Armut ein zunehmendes Problem bei uns werden wird. Gruppe 3:Weichen für die Zukunft stellen [44%]. Die dritte und größte Gruppe unter den Befragten präfe­riert einen starken gesellschaftlichen Zusammenhalt, der Landesbüro NRW