Ausgabe 4| 2021 Diskussionspapier des Landesbüros NRW der Friedrich-Ebert-Stiftung Michael Roos, Uli Paetzel, Alexander Knickmeier Gemeinsam besser ans Ziel Wie Genossenschaften die Mobilitätswende voranbringen könnten Kaum ist die Corona-bedingte Home-Office-Pflicht aufgehoben, bietet sich in Nordrhein-Westfalens Städten und besonders in der Ruhrmetropolregion das altbekannte Bild von Autoschlangen, die sich besonders im Berufsverkehr durch die Straßen quälen. Dabei wird die Mobilität der Menschen in unseren Städten zunehmend flexibler. Leihfahrräder und E-Scooter gehören inzwischen vielerorts zum Stadtbild. Die Nutzung von Autos kann und wird immer häufiger zwischen mehreren Personen geteilt. Um die Nutzung dieser Angebote aber attraktiv zu gestalten, ist eine Abstimmung der Vielfalt von geteiltem Auto, Fahrrad, E-Scooter, Bus, Bahn etc. notwendig. Aber wie kann dies effizient und nutzer_innenfreundlich passieren? Eine Antwort auf diese Fragen könnte das Genossenschaftsmodell sein – zukunftsorientiert, umweltfreundlich und mit sozialem Fokus. Genossenschaften können die Rolle des Eigentümers für Fahrzeuge übernehmen – lokal, kommunal und regional. In diesem Weiterdenken erklären wir, wie es funktionieren kann. Prof. Dr. Michael Roos ist Inhaber des Lehrstuhls für Makroökonomie an der RuhrUniversität Bochum. Hier forscht er zu Themen der ökonomischen und gesellschaftlichen Transformation mit besonderem Fokus auf die Entwicklungen in den Bereichen Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Prof. Dr. Uli Paetzel ist Vorstandsvorsitzender von Emschergenossenschaft und Lippeverband. Die sozial und ökologisch nachhaltige Entwicklung der Region durchzieht die Arbeit von Genossenschaft und Verband in all seinen Projekten. Alexander Knickmeier ist seit 2017 politischer Referent in der Emschergenossenschaft/Lippeverband. Er studierte Wirtschaftsund Sozialwissenschaften in Bochum und Madrid und arbeitete in der Forschung u.a. zur Innovationspolitik im Ruhrgebiet. Genossenschaften gibt es im Bereich Wohnen, beim Bauen und bei der Energieerzeugung. Wenn die Vorteile von Genossenschaften richtig eingesetzt werden, können sie auch den Wandel des Mobilitätsverhaltens unterstützen. Die Kooperationsform, die vor allem in Nordrhein-Westfalen Tradition hat, kann das staugeplagte Bundesland bei der Verkehrswende möglicherweise auf drei wichtigen Ebenen voranbringen: lokal in den räumlich begrenzten Quartieren, kommunal in Städten und Gemeinden und regional über die Verkehrsverbünde. In lokal begrenzten Quartieren können Mobilitätsgenossenschaften nicht- oder schwachmotorisierte Mobilität fördern. Ein Ansatzpunkt dafür ist das Radwegenetz, das in Städten etwa mit Vorrangspuren für kleine E-Mobile und Pedelecs verbunden werden könnte. Solche Prioritätsspuren könnten auch für vollbesetzte PKW oder Kleinbusse geöffnet werden oder gegebenenfalls nur für Fahrzeuge von Mobilitätsgenossenschaften. Auf diese Weise entsteht ein Anreiz, auf klimafreundliche Fortbewegung zu setzen. Eine weitere Stellschraube in Stadtteilen sind Parkplätze und Halteräume. Der Verzicht auf ein eigenes Auto fällt leichter, wenn Fahrzeuge in der Nähe des Wohnortes verfügbar sind. Dies kann erreicht werden, wenn im Quartier private Parkmöglichkeiten verknappt und der Platz für den Fuhrpark der Genossenschaft vergrößert wird. So können PKW-Stellplätze in Wohnstraßen umgewandelt werden in Parkplätze für Kleinfahrzeuge oder Fahrradgaragen der Genossenschaften. An Schulen, Einkaufzentren oder Arztpraxen sind besondere Halteund Parkzonen für Gemeinschafts-Fahrzeuge der Genossenschaft sinnvoll. Landesbüro NRW
Heft
(2021) 4. Gemeinsam besser ans Ziel : wie Genossenschaften die Mobilitätswende voranbringen könnten
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten