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(2019) 2. Einwanderungspolitik für die pragmatische Mitte : Einstellungen zu Einwanderung in NRW und politische Handlungsempfehlungen
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Ausgabe 2| 2019 Diskussionspapier des Landesbüros NRW der Friedrich-Ebert-Stiftung Beate Küpper Einwanderungspolitik für die pragmatische Mitte Einstellungen zu Einwanderung in NRW und politische Handlungsempfehlungen De facto ist Deutschland ein Einwanderungsland, dies gilt be­sonders für NRW. Vor allem das Ruhrgebiet zeichnet sich durch eine 200-jährige Geschichte und entsprechend lange Erfah­rung mit Einwanderung aus. Dort kann ein Großteil der Bevöl­kerung über die eigene Familiengeschichte auf eine Einwande­rungsbiographie zurückblicken(vor allem aus Polen, der Türkei, Südeuropa, den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion und Jugoslawiens). Viele Personen leben zudem in Partnerschaf­ten, Familien, Nachbarschaften, Freundes- und Bekanntenkrei­sen mit diversen und gemischten Herkunftsbiographien. Die Themen Migration und Integration und auchmultikulti sind gerade in NRW Alltag und Selbstv­erständlichkeit, sowohl für jene, die über eine unmittelbare Migrationsgeschichte ver­fügen, als auch für diejenigen, deren eigene Einwanderungs­geschichte mittlerweile in Vergessenheit geraten ist. Neuan­kommende werden in etwa mit der Ansage begrüßt:Tach, setz Dich, nerv nicht, benimm Dich anständig, geh malochen. Die Normalität des Lebens in einem Einwanderungsland wird entsprechend wenig gewürdigt(wobei dies sicher einen Teil der Identität gerade im Ruhrgebiet ausmacht). Über die mehr­heitlich erfolgreichen Integrationsprozesse werden die Anstren­gungen vieler Beteiligter ob als Eingewanderte oder Altein ­gesessene, professionell oder ehrenamtlich Tätige oder schlicht als Familienangehörige, Freunde und Nachbarn kaum wahr­genommen und wert­geschätzt. Zerrissenheit, Heimweh, aber auch neue, hybride Identitäten,(inter-)kulturelle Kompeten­zen, sprachliche Vielfalt, innovative, horizonterweiternde Ent­wicklungen, die den Alltag vieler Menschen mitbestimmen, werden selten explizit thematisiert. Der Blick geht primär auf Herausforderungen und Prob­ leme, die in Migration begründet sind. Oft werden aber auch Fragen, die zunächst einmal nichts damit zu tun haben, irrtümlich oder mutwillig auf Migrant_in­Prof. Dr. Beate Küpper Dipl.-psych., Professur für Soziale Arbeit in Gruppen und Konfliktsitua­tionen an der Hochschule Niederrhein und Co-Autorin der FES-Mitte-Studie, arbei­tet zu den Themen Rechtspopulismus, Vorurteile, Diversity und Integration an der Schnittstelle von Wissenschaft und Praxis. nen geschoben. Hier kommen Vorurteile ins Spiel, die pauschal ganzen sozialen Gruppen(negative) Eigenschaften unterstellen und sie für Probleme verantwortlich machen. So wird mittlerweile auch in NRW erfolgreich mit dem Thema Migration Stimmung gemacht. In derHerzkammer NRWs, dem Ruhrgebiet, erreichte die AfD damit zweistellige Ergebnis­se, gerade auch in den nördlichen Teilen etlicher Städte, in denen sich Problemlagen ballen(vgl. dazu die FES-Publikation Umwälzung in der Herzkammer von Häusler/Puls/Baleis 2019): Armut, heruntergekommene Infrastruktur, weggesparte kom­munale Einrichtungen(Schwimmbäder, Stadtteilbibliotheken), ein hoher Anteil von(oft zu prekären Schichten gehörenden) Migrant_innen und jüngst auch eine überproportional hohe Anzahl von Sammelunterkünften für Geflüchtete, die inzwi­schen zwar fast alle wieder aufgelöst wurden, deren Bewoh­ner_innen aber aufgrund der billigen Mieten und ggf. auch einer Anbindung an Communities in diesen Stadtgebieten ge­blieben sind. Ein Konfliktthema sind in einigen Kommunen zu­dem die sogenanntenRoma-Häuser, in denen bitterarme Menschen unter oft erbärmlichen Bedingungen leben und sich die Problemlagen zuspitzen. Auch in Schulen und bei Behörden werden Roma als besonders schwierige Gruppe thematisiert, worauf sich verschiedene Communities einigen können. Gleichzeitig ist in vielen dieser Stadtteile in den letzten Jahr­zehnten die Lebensqualität gestiegen. Denn hier wohnt auch die untere Mittelschicht, die sich in renovierten(Zechen-)Häusern und Siedlungen ihre kleine Idylle geschaffen hat(einschließlich der in­zwischen alteingesessenen migrantischen Teile der Bevöl­kerung). Sie sehen das Erreichte nun teilweise wieder bedroht und erwarten, dass Konfliktlagen von der Politik gelöst, min­destens aber entschärft werden. Die Bevölkerung in diesen Stadtteilen ob abgehängt oder Mittelschicht, migrantisch oder nicht-migrantisch weiß um die kulminierten Herausfor­derungen vor Ort und sieht nicht ein, weitere tragen zu sollen, Landesbüro NRW