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Nr. 160.

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Zelegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin".

Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: S. 68, Lindenftraße 69. Fernsprecher: Amt Moritplatz , Nr. 1983.

Das Kesseltreiben der Herren Triarier.

Montag, den 15. Juni 1914.

schläge wollen wir nicht der Vergessenheit anheimfallen lassen, sondern immer wieder denen zuschreien, die vom heutigen feudalkapitalistischen Staat noch etwas Vorwärtsbewegung

erwarten.

Expedition: S. 68, Lindenstraße 69. Ferniprecher: Amt Morikplats, Nr. 1984.

welches Republikaner wie Godard und Ponsot nicht befriedigte. Gleichwohl hat Viviani nicht den Versuch gemacht, diese beiden weiter als Mitarbeiter zu gewinnen, und er hat sich auch über die Ansicht Combes' leichtsinnigerweise hinweggesetzt. An Stelle dieser erprobten Republikaner sieht man in dem neuen Kabinett gewisse Deputierte, welche für Ribot gestimmt haben. Da durch ist die Lage, die vorgestern sehr klar war, jedenfalls etwas verdunkelt.

Wie

Dagegen ist ein anderes radikales Blatt, die, Ranterne", mit der Lösung der Krise zufrieden und bereit, sich zunächst mit dem Fortbestehen der dreijährigen Dienstzeit abzufinden. Die gemäßigte und reaktionäre Bresse findet zwar das Ministe einigermaßen versöhnt. Dienstag wird die Entscheidung rium zu radikal, ist aber durch den Nichteintritt von Combes einigermaßen versöhnt. Dienstag wird die Entscheidung in der Kammer fallen.

Und ebenso wie die Feinde hier einer unserer Demonstra­tionen gegen den Klassenstaat erst den rechten, wirksamen Es wird diesen Sommer in Deutschland nicht still werden. Nachdruck gegeben haben, so werden sie es auch durch ihre Die Parlamente zwar sind oder werden in Bälde geschlossen, armseligen Anklagen tun. Manches Wort, das ein. Ver­aber das politische Leben scheint sich dafür in die Gerichts- trauensmann des Volfes spricht, mancher Artikel, der die Combes erklärt, daß die Kasernendienstzeit, welche Jaurès erzählt in der Humanité": Viviani habe zimmer zurückziehen zu wollen. Die Herren Gewalthaber Ansicht der Partei zum Ausdruck bringt, ginge vielleicht allzu ergänzenden militärischen Maßnahmen auch getroffen wir­und Scharfmacher haben von den Volksvertretungen in dieser unbeachtet dahin, würden nicht die Reaktion und ihre Schreier den, nicht herabgesett werden könne, solange Session so oft Unrecht bekommen, daß sie jezt vor einem an- nach dem Staatsanwalt rufen! Das wird jedent freien, Deutschland nicht darauf verzichte, seinen Mannschafts­deren Tribunal Recht zu bekommen versuchen wollen. Die mutigen Wort erst den rechten Nachdruck geben, das wird bestand zu vermehren. Wenn dem so ist- fährt Jaurès letzten Wochen ist kein Tag vergangen, ohne daß von irgend- immer und immer wieder darauf hinweisen, wie schmählich fort dann besteht zwischen Viviani und uns eine tiefe einer hochmögenden, staatserhaltenden Seite, vom Kriegs- in Preußen- Deutschland der freie Geist gefnebelt mirs Iuft. Diese Kluft besteht aber auch zwischen ihm und minister bis zum Unteroffizierskorps, von den bayerischen und jede Verurteilung, die einen mannhaften Sprecher treffen tärischen Vorbereitungen der Jugend und die starke Ausgestal­den geeinigten Radikalen, welche in Pau den durch die mili­Reichsräten bis zu strebsamen Staatsanwälten, irgend- soll, wird die Reihen der Freiheitskämpfer verstärken. Es tung der Reserven vervollkommneten Zweijahresdienst als eine Klage gegen die gottverdammte Opposition ist unsere beste Hilfe, daß unsere Rückschrittler in so hohem wirksamer als das Dreijahresgejek bezeichnet haben. eingereicht worden wäre. Majestäts- und sonstige Maße die Eigenschaft aller Rückschrittler aufweisen: daß sie kommt es denn, daß Viviani den Beistand Raynauds, Malvys Beleidigung, Gotteslästerung, Verächtlichmachung kirchlicher nichts vergessen und nichts lernen. Sonst müßten sie ja aus und Augagneurs gefunden hat? Einrichtungen, Aufreizung zum Klassenhaß, das ganze Arse- der Geschichte der letzten 40 Jahre allein gelernt haben, daß nal von Strafgesetparagraphen, wie es in den Händen loyaler, jede Verfolgung die Heere der einzigen Volkspartei aufs ge­fürstentreuer Richter zur Folterfammer werden kann, ist wie waltigste verstärkt hat. Gegen eine geistige Bewegung ver­der einmal aufgeboten worden, um den teils ehr-, teils vater- sucht nur ein Dummkopf mit dem Büttel vorzugehen. Wer landslosen Gesellen, den Elenden, den Schwarzfehern, den aber keine geistigen Waffen hat, muß eben zur Knute greifen. gottverlassenen Unterwühlern der monarchischen und kapita- Er wird aber nur zu schnell sehen müssen, wie jeder Striemen listischen Gesellschaftsordnung die Hölle heiß zu machen. zur flammenden Anklageschrift anschwillt, aus der Tausende Grober Unfug, wie er zu den unveräußerlichen Rechten wohl- Kraft zur Empörung und zum Widerstand gewinnen. Nur bemittelter Studenten gehört, wird mit Blutstrafen belegt, geklagt, ihr Serren! Nur verurteilt! Nur eingesperrt! Der sobald man ihn als sozialdemokratische Agitation" brand. Staatsanwalt tut alles, was alles, was er kann! Aber dann marfen zu können glaubt, harmlos lachende Satire wundere sich keiner der eigennützigert Schreier, die Die Konföderation der Arbeit, die sich zur alleinigen Leitung gilt als unerhörte Beleidigung und hinter einem die Vaterlandsliebe zunt Geschäft und die Justiz der Streifbewegung für befugt hielt, hat das Ende des General­wortlosen Ablehnen verfassungsmäßig, nicht festgelegter, ledig zunt Gerichtsvollzieher erniedrigen wollen, wenn auf streits für Witternacht vom 10. zum 11. Juni beschlossen, nachvent lich der knechtischen Devotion entsprossener Fürstenhuldi- einmal für jeden Vergewaltigten tausend neue Kämpfer der Ausstand, soweit er nicht verfrüht proklamiert wurde, 48 Stun gungen, lauert eine einhundertundelffache Majestätsbeleidi- aufstehen! Kampfeszeit war für uns noch immer Erntezeit, den gedauert hatte. Die Tagesordnung, in der der Parteivors gung, wenn nicht gar die Gelegenheit, dens gehaßten Reichs- und die Klageweiber, die heulend zum Kadi laufen, werden tagswahlrecht endlich auf den Leib rücken zu können. nicht um den Sarg der Sozialdemokratie ihr schadenfrohes Altweibergeschrei anstimmen fönnen, sondern sie werden ihre verlogene Trauerkleidung bald genug brauchen, unt all die politischen Leichen mit Gott für König und Vaterland aus den Wahlkämpfen zu tragen, die dem Ansturm des in Not und Verfolgung neu gefestigten und neu befeuerten Volkes haben fallen und weichen müssen.

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Das Ministerium Viviani.

Nachlese zum Generalstreik.

Rom , den 11. Juni. ( Eig. Ber.)

stand diese Tatsache zur Kenntnis nimmt, hat folgenden Wortlaut:

Der Vorstand der sozialistischen Partei fonstatiert, daß der im Einklang mit der Konföderation der Arbeit proflamierte Generalstreit sich in zweitägiger Dauer als eine großartige und gewaltige Protestfundgebung der Arbeiterschaft gegen die Prole= tariermorde bewährt hat, die das Land noch einmal mit Blut befleckt haben; er fonstatiert ferner, daß die Konföderation der Arbeit die Verantwortlichkeit für das Ende des Generalstreits allein auf sich genommen hat und ihren Organisationen die bc= treffende Beschlußfassung zugehen ließ und fordert, indem er diesen Beschluß zur Kenntnis nimmt, die Parteisektionen und die Parlamentsfraktion auf, im Lande und im Parlament den Einspruch gegen die reattionäre Politik des Ministeriums zu verschärfen und seinen Rücktritt zu beschleunigen."

Und das Ziel dieses ganzen Kesseltreibens, das sich hier unter scheinbar gesetzlichen Formen abspielt? Die Zurid dämmung, die Vernichtung, die Ausrottung der Sozialdemo­fratie, der stärksten und gefährlichsten Partei, der Organisa­tion derer, die bis jetzt so schön rechtlos waren und nun auf cimmal auch mitreden, mitherrschen wollen, die unerhörte Annraßung! den Machtwillen des Volkes, der Masse im Kampf gegen die Herrschenden durchzusetzen sich bestrebt. Da alle Phrasen von nationaler Notwendigkeit und notwendiger Kaisertreue nichts geholfen haben, da die Unbestechlichkeit des Gestern bezeichneten wir bereits die Lösung, die das Aus dem Ton der Tagesordning geht hervor, daß der Partei­allgemeinen und gleichen Wahlrechts trotz aller reaktionären Ministerium Viviani darstellt, als unklar und zwei- borstand einer Fortführung der Bewegung nicht abgeneigt gewesen Durchstechereien sich in immer höherem Maße für die Partei de utiq. der Entrechteten entschieden hat, hofft man nun durch Ver- radikalen und sozialdemokratischen Zeitungen Frankreichs ver- welcher Bewegung wir in der augenblicklichen Lage feine Vorteile wäre. Wir halten dafür, daß der Abbruch des Streits einer Dieselbe Auffassung wird von den entschieden eigentlichen Aufstandsbewegung den Riegel vorgeschoben hat, von folgung und Drangsalierung dazu zu fommen, den Kämpfern treten. Viviani zwar ist über seine ursprüngliche Er- erwarteten, die im Verhältnis zu dem Opfer der Massen gestanden den Mut zu nehmen und die festgefügte Kampfesfront zu flärung, die die Verkürzung der Dienstzeit von einer Aende- hätten. Selbstverständlich kann man darüber anderer Ansicht sein, zerstören. Die Herren, die so den Sinn der Justiz in sein rung der auswärtigen Lage abhängig macht und damit über- was die zu erringenden Vorteile betrifft; darüber, daß es nicht Gegenteil verfehren wollen, wissen genau um den Geistes- haupt völlig in Frage gestellt hätte, einen Schritt hinaus möglich gewesen wäre, den Generalstreif länger in friedlichen Er wird in der Kammer über die dreijährige Bahnen zu halten, scheint uns aber eine Meinungsverschiedenheit Dienstzeit folgendes erklären: Die Regierung wird binnen furzem Gesezentwürfe einbringen über die militärische Vorbereitung der Jugend Was nämlich die diesmalige Generalstreifbeivegung von den und über die Reorganisation der Reserven. Die vorigen unterscheidet, das ist die von den Nationalisten Entwürfe sind bestimmt, die Defenſivkraft der Nation zu erhöhen, unter Beistand der Polizei organisierte Reaf­die stets nur daran gedacht hat, Ehre, Freiheit und Heimat zu tion, deren systematische Provokation unfehlbar die Streifenden schüßen. Erst wenn diese Entwürfe, die allen Ergebnissen der Gr- aus der Ruhe bringen mußte. In Rom ist die Polizei so weit fahrung und den Anforderungen der nationalen. Verteidigung Rech - gegangen, um Mittwoch Nachmittag, also am dritten Streiftage, nung tragen, angenommen und in Kraft gesezt sein wer- eine nationalistische Demonstration auf dem Corso zu erlauben, den, wird die Regierung eine Erleichterung der mili- nachdem man an demselben Tage eine Temonstration der Arbeiter­tärijchen 2a sten vorschlagen können. kammer verboten hatte. Außer von Geheimpolizisten und von

zustand unserer Richter Bescheid. Der klagende Minister oder gegangen. der Seine Majestät verteidigende Staatsanwalt wissen aufs beste, daß all diese Richter einer sozialen Schicht entstamment, die mit Abscheu und Angst auf die aus der Tiefe marschieren­den Massen sieht, daß viele von ihnen, ohne das Bewußtsein der Rechtsverlegung, ihre eigenen staatserhaltenden Gefühle in die Gesezesparagraphen einschmuggeln und Recht zu sprechen glauben, während sie Klassenurteile sprechen!

Es fann feine Frage sein, all diese Anklage- und Klage­weiber werden Verurteilung über Verurteilung erzielen und die Gefängnisse werden am Anfang des nächsten Winters die Ehre haben, die Opfer einer umfangreichen Schreckenskam­pagne zu beherbergen. Wer die Macht hat, der hat im fapi­talistischen Staat auch das Recht und kann sich daher nach Belieben Opfer auf Opfer bringen lassen. Aber ebensowenig ist es eine Frage, daß der ganze Feldzug einer geängstigten und in ihrer Angst brutal vergewaltigenden Oberschicht nur und allein zur Stärkung des gehaßten Feindes beitragen fann. Das Sißenbleiben beim Kaiserhoch war eine einfache Konstatierung der Tatsache: das geht uns nichts an und ge­hört nicht hierher. Das Echo aber, das diese Selbstverständ­lichfeit ausgelöst hat, kann die sozialdemokratische Partei nicht mit Gold aufwiegen. Denn jegt muß selbst der Blindeste und Vertrauensseligste sehen, wohin die Gegner jeder Freiheit, jeder Berechtigung der Massen streben. Jezt haben sich die Herren in ihrer wahren Gestalt gezeigt und all ihre Vor­schläge, man solle die wahren Vertreter des Volfes für eine Seffion ihrem Ehrenamt fernhalten, man solle sie für ihre Ueberzeugung dem Staatsanwalt überliefern, man solle sie durch Ausnahmegeseze kuebeln oder gar die Wurzel alles Uebels, das Reichstagswahlrecht, ausrotten, all diese Vor­

nicht gut möglich.

Im selben Sinne äußerte er sich auch einem Berichtungen Nationalisten wurde diese Demonstration, die unter aus­erstatter gegenüber: giebiger Deckung durch Karabinieri stattfand, von den Ladenbesitzern Wir sind entschlossen, das gegenwärtige Militär- gebildet, die durch die dreitägige Unterbrechung ihrer Geschäfte ganz gejez anzuwenden. Dazu würden wir uns allerdings nicht außer Rand und Band waren. Die Fenster des Corso wurden an eine unabänderliche Formel zu binden haben. Wir werden die während der Demonstration ausgiebig mit Fahnen behängt, wo­Abänderung des Militärgesebes erst nach seinen Er- durch die Bourgeoisie ihrer begreiflichen Freude über den natio­gebnissen und entsprechend den Bedürfnissen der militärischen Ver- nalistischen Radau Ausdruck gab. Je dunkler es wurde, desto mehr teidigung ins Auge fassen. In dieser Hinsicht bin ich mit meinen wuchs den Leutchen der Mut, und schließlich begaben sie sich mit Kollegen einig. ihrem patriotischen Gebrüll ver die Fenster des Quirinals. Ste Und schließlich erklärte auch der neue Unterrichtsminister zu erscheinen, aber Viktor Emanual war vernünftiger als die be­bachten, der König würde ihnen den Spaß machen, auf dem Balkon Augagneur: Er jei ein Anhänger der Rüdtehr zum Zwei- Worten ab, daß Trauer im Lande kein Anlaß zu Freudenkund­handschuhten Radaubrüder und lehnte die Zumutung mit den jahrsgeseze; aber dieje Rückkehr könne erst dann erfol- gebungen" sei. Gegen Mitternacht verpufften dann die Natio= gen, wenn alle erforderlichen Maßnahmen getroffen seien, da nalisten ihre lezten Energien durch Anrempelung einzelner Per mit keinerlei Störung und Verwirrung in der nationalen Ver- sönlichkeiten. So wurden der bürgerlich- radikale Abgeordnete teidigung hervorgerufen werde.

Lapegna, der wildsozialistische Abgeordnete Alto belli und der Sozialist Giovanni Perda zum Gegenstand einer feind­seligen Kundgebung gemacht, wobei die tapferen Herrchen von Handgreiflichkeiten absahen, als den Angegriffenen von Freunden Die vorgeftrige Kammerjihung, welche den Sturz Ribots her- und Parteigenossen Beistand geleistet wurde. Ein von einem beigeführt hat, hätte Viviani in seiner Ansicht bestärken müssen, Nationalisten geschleudertes Glas zertrümmerte einen der großen daß es unmöglich sei, mit einem Programm zu beginnen, Spiegel des Café Aragno, welcher Spaß dem Angreifer etwa

Allen diesen Erklärungen fehlt die nötige Entschieden heit. Dieser Empfindung gibt der Radical", das Organ der geeinigten Radikalen, nachdrücklich Ausdrud: