Nr. 166.
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Vorwärts
Berliner Volksblatt.
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Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69.
Fernsprecher: Amt Morikplatz, Nr. 1983.
Sonntag, den 21. Juni 1914.
Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritplak, Nr. 1984.
Das Parlament der Arbeit.
Ein Barlament der Arbeit wie fein zweites in Deutschland möglich ist, soll zu einem| Arbeitergruppen erfolgen, weil ja auch der Kapitalismus nicht in allen Landesteilen und in wahren Tag der schaffenden Stände" in einer Hauptstadt deutscher Kunst, die sich aber auch allen Industrien eine gleich rasche Entwicklung hat und weil ja auch diese Entwicklung nicht immer mehr zu einem Zentrum deutscher Industrie entwickelt, in der größten Stadt Süd- von den gleichen Ausgängen verläuft. So ergibt sich aus diesen durchaus nicht von uns zu deutschlands , in München zusammentreten. bestimmenden Entwicklungsstadien des Kapitalismus eine große Verschiedenartigkeit der tat
In ernsten Tagen, umdreut von Gefahren, in einer Zeit der Not und der Arbeits- sächlich bestehenden und der von den einzelnen Arbeitergruppen für die nahe Zukunft für losigkeit kommt der neunte Kongreß der Gewerkschaften Deutschlands zu notwendig erachteten organisatorischen Gestaltungen. Hier liegt die tiefere Ursache der uneiner bedeutungsvollen Tagung zusammen. Es bedarf keiner Reklame für den deutschen zweifelhaft vorhandenen Streitpunkte innerhalb der deutschen Gewerkschaftswelt. Aber nicht Gewerkschaftskongreß wie er für die„ nationalen" Arbeitstage, freilich nuglos, gemacht wird. nur der tatsächliche Stand und die zu gewärtigende Entwicklung des Kapitalismus in den Der Kongreß der deutschen Gewerkschaften vertritt nicht eine zusammengewürfelte Menge einzelnen Industrien erklären uns die Differenzen innerhalb der Gewerkschaftsbewegung, die gleichgültiger und für die Bestrebungen der Arbeiterklasse wenig, oft gar nicht in Betracht wieder einmal und sicherlich nicht zum letztenmal in München zum Austrag kommen werden, kommender Organisationen. Die 2.600 000 gewerkschaftlich organisierten Arbeiter sind eine sondern auch das Werden, die Geschichte unserer Gewerkschaften. Realität, sie sind die kräftige Macht der Arbeiterschaft in ihren Kämpfen um höheren Lohn,
um fürzere Arbeitszeit, um den höchsten Anteil an der Kultur, der in der kapitalistischen Sroduktionsweise für die Arbeiter zu erreichen ist.
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Eine der größten Streitfragen, die so außerordentlich viel Lehrreiches für jeden geDie Arbeiterklasse wie auch die Unternehmerklasse empfinden die Straft und die Beschichtlich und wirtschaftlich denkenden Menschen haben müßte, ist der Streit über die Bc= deutung dieses Parlaments der Arbeit, dem sich kaum etwas Aehnliches in der Welt an die Gewerkschaften. Die Gewerkschaften sind Zusammenfassungen der Arbeiter nach Berufen zur rufsorganisation und Betriebsorganisation als Einteilungsgrund der Seite stellen kann. Selbst die Bedeutung der Kongresse der englischen Trade Unions ist Bertretung ihrer Interessen im Rahmen des Arbeitsverhältnisses. überholt durch unsere Gewerkschaftstongresse. Deutschlands Industrie hat sich auf das 46 Jahren, als die Gewerkschaften gegründet wurden, so sagte noch die überwiegende MehrSo sagte man vor mächtigste entwickelt und sicherlich nicht zuletzt durch die Arbeiter, deren Vertretung in München in den nächsten Tagen zu einem höchsten Zusammenwirken vereinigt sein wird. zahl der Arbeiter, aber freilich schon lange nicht mehr alle gewerkschaftlich organisierten Aber noch aus einem anderen Grunde ist der Stougreß der Gewerkschaften Deutschlands von Organisation der Gewerkschaften von neuent ernstlich erörtert und eingehend besprochen wurde. Arbeiter, als vor 22 Jahren, nach dem Falle des Sozialistengesetes in Halberstadt , die einer höheren Wichtigkeit als der der englischen Schweſterorganisationen. Die deutschen Gewerkschaften haben ein viel weiteres Betätigungsgebiet und eine viel größere Gemeinsamkeit der Drganisationen, deren Zahl ja seit dem Falle des Sozialistengefeges immer geringer Viele Aenderungen haben die Gewerkschaften erfahren durch die große Konzentrierung der Interessen als bis heute noch die englischen Gewerkschaften. Für die Zusammenfassung wurde, während ihre Mitgliederzahl ganz gewaltig gestiegen war. Zum Teil waren es zudes Willens ergibt sich eine große Erleichterung aus der weit höheren Konzentration der ſammenfassungen von Arbeiterorganisationen, deren Mitglieder in der gleichen Industrie tätig deutschen Gewerkschaften; denn finden doch nicht weniger als 47 zentrale Vereinigungen ihre höchste Vertretung auf diesem Stongresse, während die englischen Gewerkschaften trots der waren, so daß dem Unternehmertum eine stärker fonzentrierte Organisation gegenübertrat, Stonzentrationsbewegung der jüngsten Zeit ein Vielfaches der Zahl unserer Gewerkschaften zum Teil war aber dieser Konzentrationsprozeß die Anlehnung schwacher, zum Teil berufsbilden. Endlich sind unsere Gewerkschaften auch ausgezeichnet durch eine weit größere Gin- fremder Gewerkschaftsorganisationen an eine kräftigere Organisation, wodurch diese finanziell heitlichkeit der Anschauungen wie der Ziele, die für die gemeinsamen Beschliffe wichtige var gehoben, aber sonst in Kampfe gegen das Unternehmertum doch nicht weiter gefördert Vorbedingungen ergeben. Zulegt dürfen wir uns auch noch für die Stonzentration des der Organisation aufgeworfen und fast immer hat bisher das historisch Gewordene den Sieg wurde. Jmmer ivieder von neuem wurde in den Grenzstreitigkeiten das Problem Gewerkschaftswillens bei unseren stets wachsamen und uns immer mehr zusammenschweißenden über das kampfmäßig Ideale davongetragen. Freilich fommt man durch das Theoretisieren Gegnern bedanken, die durch ihre konzentrierten Angriffe auf alles, was mit den gesetzlichen über diese Schwierigkeiten nicht hinweg und ebenso wenig durch das Aburteilen über anBoraussekungen und praktischen Wirkungsmöglichkeiten der Gewerkschaften zusammenhängt, gebliche Zurückgebliebenheit, die oft nur das noch nicht Begriffene ist. die Gemeinsamkeit der Interessen immer von neuem schaffen. Alle unsere Gewerkschaften sind natürlich erwachsen aus wirtschaftlichen Notwendigkeiten, aber niemand wird unterschäßen wollen, welch jahrelange, mühevolle, opferreiche Arbeit die Jede dieser Organisationen ist auch Trotz dieser Gemeinsamkeit der Interessen, die für das wesentliche Ergebnis der Ver- Voraussegung jeder gewerkschaftlichen Organisation iſt. handlungen den Ausschlag geben dürfte, gibt es eine ganze Reihe von Differenzen unter den eine tatsächliche Zusammenballung von Menschen, Beziehungen, Interessen, agitatorischen Gr Gewerkschaften, deren Wichtigkeit wie die Dringlichkeit, sie auszugleichen, niemand unter- innerungen und organisatorischen Hoffnungen. Dieses straffe Gewebe, das jahrelange Arbeit schätzen soll. Aber hieraus auf schwere innere Schwierigkeiten in unserer Gewerkschaftswelt erzeugt hat, läßt sich nicht einfach zerschneiden und zerreißen. Man kann ein entschiedener den Schluß ziehen zu wollen, wäre auf das gründlichste verfehlt. Selbstverständlich werden Berfechter der aufs höchste ausgebildeten Betriebsorganisation sein und sich doch dagegen unsere Kongresse abgehalten, weil wichtige Fragen zu entscheiden sind, weil sich immer neue Berufsorganisation das Geschichtlichgewordene und von der Unternehmerorganisation gewaltig wehren müssen, daß diese durch einen Machtspruch erzwungen werde. Sicherlich ist die Ausgleichsnotwendigkeiten zwischen zwei Kongressen ergeben. Die Gewerkschaften sind lebendige, ununterbrochen wirkende, nach innen wie nach außen wachsende Körper, die sich überholte. So sehr wir bedauern müssen, daß diese Berufsorganisation den Bedürfnissen des stoßen und berühren, ineinanderwachsen, Grenzen überschreiten und von anderen über großen Stapitalismus noch nicht angepaßt ist, so klar müssen wir uns darüber auch sein, daß schrittene Grenzen unangenehm empfinden. Es bilden sich im Laufe der Jahre verschiedene wir doch weiter in unseren organisatorischen Einrichtungen sind, als die englischen Gewerkschaften, Auffaffungen, die sich freuzen und stören können, die nach Ausgleichung ringen. Endlich sind von den anderen europäischen ganz zu schweigen. Der Betriebsorganisation, die der die Gewerkschaften nichts Isoliertes, die ihr eigenes Leben, unberührt von der Umwelt, leben, Kapitalismus uns noch abzwingen wird, gehört unserer Ueberzeugung nach die Zukunft der Gewerfsie stehen in dem gewaltigen Entwicklungsstrome der kapitalistischen Wirtschaft, die nach ihren schaften, aber der Münchener Gewerkschaftskongreß wird bestimmt sein nicht durch diese Zuhöchsten Möglichkeiten ringt und strebt und die in der Welt des Absages wie in der Welt der unft, sondern durch die Gegenwart, durch die bedeutsame Tatsache, daß wir gewaltige, zum Produftion Monopol und Autorität allein entscheiden lassen möchte, die neben sich niemand Teil hunderttausende Mitglieder zählende Gewerkschaftsorganisationen erreicht haben, ic gelten lassen will und die Konkurrenz des Außenseiter ebenso rücksichtslos vernichten will, wie erwachsen sind und ihre Bedeutung heute noch haben als Berufsorganisationen. die Organisation der Arbeiter. Die Kampfesstellung gegen diesen Kapitalismus muß immer wieder von neuem geprüft, angepaßt und gestärkt werden. Das gleiche gilt für die Stellung der Wir haben uns mit dieser Frage, die mir einen von sehr vielen Punkten der TagesGewerkschaften zum Staate, der immer mehr zum Ausdrucke des konzentrierten Kapitalismus wird. ordnung bildet, so eingehend befaßt, weil sie das wesentlichste Streitobjekt und das sicherlich Es fehlt somit nicht an Stoff zu Erörterungen. Die zahlreichen Anträge, die dem bedeutsamste in der ganzen Tagesordnung des Kongresses bildet. Hier handelt es sich nicht Gewerkschaftsfongreß vorgelegt werden, beweisen auch, daß es reichlich viel Meinungs- um Verwaltungsfragen oder Theorien, nicht um Bestätigungen und bessere Formulierungen verschiedenheiten unter den Gewerkschaften gibt, vielleicht sogar mehr, als in diesen Anträgen dessen, was die Gewerkschaften heute erfüllt, hier handelt es sich um einen wirklichen, zum vollen und vor allem zum Klaren Ausdruck kommt. Es wird wieder Leute geben, die großen Differenzpunkt der Gewerkschaften, der alle ihre großen Streitfrohloden werden über diese Erörterungen, die tiefsinnige Schlüsse ziehen werden aus den fragen durchdringt. Hier handelt es sich eben um die große Frage der Anpassung der vielleicht hie und da so gar sehr lebhaft werdenden Erörterungen auf unserem Gewerkschafts- Gewerkschaften an den auf höchster Entwicklungsstufe stehenden fongreß. Heute schon lächeln wir vor allem über diese Erörterungen in der Presse der Kapitalismus . Hier ist der Ausgangspunkt der Fragen, der mit dem Probleme der christlichen Gemertschaften, die ja wie der Fall des Zähringer Löwen erst in den letzten Demokratie und Bureaukratie der Gewerkschaften, mit der geänderten Strategie, mit der Bochen bewiesen hat, in einem gar zerbrechlichen Glashause mit vielen zerschlagenen Scheiben immer vorsichtigeren Taktik der Gewerkschaften auf das innigste, wenn auch nicht für jeden sißen und doch hochmütig prahlend über die Diskussionen auf unserem Gewerkschaftskongreß sofort erkennbar zusammenhängt. aburteilen werden. Es ist immer das gleiche Spiel, das unsere Gegner bei den Erörterungen Dem Gewerkschaftskongreß sind auch weitere wichtige und zugleich wegen der verin der Arbeiterbewegung treiben, bei denen unsere Organisationen prächtig gediehen und schiedenen Absichten und Interessen der in ihren Aufgaben, Mitteln und Kampfesmöglichkeiten Während die Diskussionen innerhalb der Arbeiter sehr voneinander abweichenden Gewerkschaften schwer zu lösende Probleme zur Erörterung und gewaltig vorwärts geschritten find. bewegung deren Entwicklung gar nicht gehemmt, ja, wie wir mit Freude feststellen, ihnen Beschlußfassung vorgelegt. Weit weniger sind es Fragen, die auf theoretische oder prinzipielle meist genügt haben, haben fast alle Erörterungen in den gegnerischen Lagern den Gegnern| Verschiedenheiten des Standpunktes schließen lassen, als Fragen, die wegen der sehr abgeschadet. Nationalliberale, Fortschrittspartei, Hirsch- Dunckerſche Gewerkvereine, christliche weichenden Vorteile, die sie großen oder kleinen Gewerkschaften, solchen mit starken und solchen Gewerkschaften, Lebius und seine Leute, alle haben aus den Erörterungen in den eigenen mit noch nicht erſtarkten Arbeitgeberverbänden, anderen mit guter, und wieder anderen mit schlechter finanzieller Grundlage bringen können, sehr verschiedene Würdigung erfahren werden. Reihen dauernde Schädigung erfahren. Weil so oft über unsere Diskussionen die Nase gerümpft wird, sei einmal vor einem In einem freilich sehr entfernten Zusammenhange mit der immer wieder geforderten großen Arbeiterkongresse ein Wort über diese Erörterungen gesagt. Wenn diese Erörterungen Einheitsorganisation steht der Versuch nach einer größeren Konzentration der nicht notwendig wären, wären auch diese Kongresse der Arbeiter nicht erforderlich. Bilden finanziellen Mittel zur systematischen Unterstützung von Gewerkschaften, die in sich denn unsere Gegner wirklich ein, daß wir uns die Mühe und die Kosten der Kongresse besonders schweren, für alle Gewerkschaften wichtigen Kämpfen stehen. Schon oft wurde das machen würden, wenn sie lediglich zur Entgegennahme von Rechnungsberichten und zur An- versucht; der wachsende Umfang des Kampfes, die Drohungen der Unternehmer mit den Riesenhörung von Referaten beſtimmt wären? Wie würden dann erſt unſere weiſen Gegner über uns und Generalaussperrungen nötigen zu derartigen Vorschlägen, die in anderen Ländern und vor sprechen? Vermutlich würden sie einen derartigen Kongreß mit einer Hammelherde und die allem im Solidaritätsfonds des österreichischen Reichsgewerkschaftsfonds ihr Vorbild haben. Führer als untontrollierte Diktatoren und die ganze Arbeitermasse als eine rechtlose Horde Auch sonst erscheint eine finanzielle Stärkung der in der Generalkommission verkörperten Zentralibezeichnen. All das ist wahrlich nicht der Fall. Wir haben Auseinanderſegungen notwendig fationen wünschenswert, so zur Wahrung der beruflich nicht getrennten Interessen der Arbeiter und weil sie eben erforderlich sind, um deswillen halten wir unsere Kongreſſe ab. Es gibt den Organen der Reichsversicherungsordnung gegenüber. Die Generalfommission soll immer wieder Neues zu erörtern, weil wir eben, wie es der merkwürdige Sprachgebrauch fagt, eine neue Verfassung erhalten, aber es wird dies weniger eine neue, als eine flarere eine Bewegung sind. Wir sind keine tote Maſſe, wir sind im ständigen Wachstum und und zusammengefaßte Formulierung der für sie schon jetzt geltenden Bestimmungen sein. auch in ständiger Anpassung an die sich immer ändernden wirtschaftlichen Lebensbedingungen
Es wäre das größte Unglück für die Arbeiterbewegung in allgemeinen, für die gewertschaftliche in besonderem, wollte sie sich versteifen, würde sie verknöchern, würde sie nicht ununterbrochen die Notwendigkeit empfinden, sich der veränderten und wachsenden Macht der Gegner anzupassen. Diese Anpassung kann aber nicht mit gleichmäßiger Raschheit für alle
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Straffere Organisation in allen Gliedern des Gewerkschaftskörpers zwingt die wachsende Macht der Gegner auf. Auch alle Streitigkeiten innerhalb unserer Gewerkschaftswelt sollen fünftig mehr noch als bisher vermieden werden; dieser Aufgabe soll eine ausgebildete Schiedsgerichtsinstitution dienen. Gewaltig sind unsere Gewerkschaften nach außen gewachsen, möge der Münchener Gewerkschaftskongreß die innere Kräftigung und die weitestgehende Solidarität der gewerkschaftlich organisierten Arbeiterschaft herbeiführen!