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Nr. 173.

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Berliner Volksblatt.

31. Jahrg.

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Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin".

Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands .

Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplatz, Nr. 1983.

Sonntag, den 28. Juni 1914.

Das Ergebnis des Gewerkschaftskongresses.

Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplatz, Nr. 1984.

Kongressen nicht wenig debattiert, und es hat auch an scharfen fritischen Worten, wie an manchem Mißtrauen nicht gefehlt. Davon war auf diesem Kongreß auch nicht das geringste zu erkennen. Mit der höchsten Zeitung unserer gewerkschaftlichen Gesteigerte Aktionsfähigkeit, das ist das dürfnissen der Besigenden, wie nach dem Schaden, den sie Organisation ergab sich vollständige Zufriedenheit. War auf angweifelhafte Ergebnis der arbeitsreichen Woche, die nun den Arbeitern und Arbeiterinnen zufügen. Wenn ein künf- früheren Gewerkschaftsfongressen mancher Wunsch der Ge­fiz die Vertreter der deutschen Gewerkschaften beendet ist. tiger Geschichtsschreiber aus unserer Zeitepoche für die innere neralfommission nicht in Erfüllung gegangen, weil man einer Ca ist der neunte der Kongresse gewesen, den die Gesamtheit Geschichte Deutschlands fein anderes Aftenstüd überliefert Machtsteigerung der Generalfommission nicht freundlich ac­der deutschen Gewerkschaften seit Ablauf des Sozialisten erhielte als das stenographische Protokoll dieses Gewerkschafts- finnt war, so hat dieser Gewerkschaftsfongreß mit seiner Be­gesebes abhielt, 24 Jahre, nachdem die Generalkommission fongresses, so könnte er sich einen großen Teil unserer Un- schlußfassung über das neue Regulativ der Generalfommission geschaffen wurde. Damals, als die Gewerkschaften kaum fultur ausmalen; er fönnte ein Bild gestalten von den ihr erhöhte Bedeutung gegeben, ihr auch eine bedeutsame cine Biertelmillion Mitglieder zählten, war das ein schüch schroffen Gegensäßen der Herrschenden und der Beherrschten finanzielle Kräftigung verschafft und ihr das, was Genoffe terner Versuch. Heute ist der Kongreß eine gewaltige Heer- und dem ungleichen Recht, das in Deutschland gilt unteregien so oft gewünscht hat, endlich in weitgehendem Maße schau gewesen, nicht nur über die gewerkschaftlich organisierten Bevorzugung der Besitzenden, unter Unterdrückung der gewährt: die Möglichkeit großer finanzieller Unter­stübung bei Streifs und Aussperrungen und Massen, nicht nur über die älteste und festgefügteste Organi- Schaffer aller Werte. fation Deutschlands zur Wahrung von wirtschaftlichen Inter - Das ist es, was herausklingt aus all den Debatten über dabei auch naturgemäß eine starke Einwirkung auf die effen, sondern auch eine Heerschau über den geistigen Inhalt die Handhabung des Reichsvereinsgejetes, über den Arbeits- aftif wichtiger, entscheidender Kämpfe zwischen der Ar­dieser großen Massenbewegung. Nicht nur die 22 Millionen willigenschutz und den Unternehmerterrorismus, über die beiterklasse und dem koalierten Unternehmertum. Es ist eine gute und große Arbeit, die die deutsche Ar­Arbeiter und Arbeiterinnen imponieren, sondern auch der Bestrebungen des Verbandes deutscher Arbeitsnachweise, über beiterklasse von ihren Gewerkschaftsdelegierten auf diesent Geist, der sie erfüllt, die Zielfraft ihres Strebens, die Ein- die Arbeitslosenfürsorge und ebenso bei den Erwägungen über Gewerkschaftskongreß ausführen ließ. Sicherlich nichts Voll­heitlichkeit ihres Wollens. die gesetzliche Regelung der Tarifverträge wie über den Ein- fommtenes und unbedingtes, aber das ist ia etwas Selbst­Sicherlich hat dieser Kongreß nicht restlos auszuschalten fluß der Lebensmittelteuerung auf die wirtschaftliche Lage verständliches. Jeder Tag stellt neue Aufgaben, die der gestrige vermocht, was an Differenzpunkten zwischen den Gewerk der Arbeiterklasse: die gewerkschaftlich organinicht kannte, niemals sind wir fertig, und immer müssen wir schaften bestanden hat, und wir haben die Schwierigkeiten fierte Arbeiterschaft fühlt sich unterdrückt, uns neu wappnen, neu uns schüßen, an neue Wege denken. dieses Ausgleichs von Anfang an hervorgehoben. Aber selbst fühlt sich in jeder Hinsicht geschädigt. Das Aber daß wir das können, das ist wichtig und bedeutsam, bei der großen Frage der Grenzstreitigkeiten hat der Gewerk- schärffte Mißtrauen gegen alle Organe der Regierungen, und das hat der Neunte Deutsche Gewerkschaftskongres in über­schaftsfongreß zuletzt einen sehr versöhnenden Standpunkt die Ueberzeugung von der Abhängigkeit dieser Regierungen aus bemerkenswerter Weise Freund und Feind klar und deut­eingenommen; bei allen Abweichungen einzelner Gruppen bon dem Großunternehmertum beherrschte den ganzen Kon- lich gesagt. Sicherlich wird ein fünftiger Gewerkschaftskongres wurde das Ergebnis dieser schwierigen Verhandlungen zwar greß. Es liegt sicherlich nicht im Wesen der Personen, die wiederum große Aufgaben haben. Man kann nur den Wunsch von niemandem als endgültig, aber doch als ein unter den auf diesem Kongreß gesprochen haben, es entspricht auch haben, daß er ihnen ebenso sich gewachsen zeigt, daß er sich gegebenen Verhältnissen guter Ausweg, als eine versuchte feineswegs der allgemeinen Stimmung, die die Delegierten ebenso klar zu meistern versteht und ebenso deutlich seineur beherrschte, daß dieser Kongreß der Gewerkschaften eine willen und der Stimmung der Arbeiterklasse Ausdruck geben Ausgleichung von Differenzen anerkannt. weit radikalere Note hatte als irgendeiner seiner wird, wie der Münchener. Gewerkschaftskongreß. Bleibt auch Wer das Ergebnis der Erörterungen über die Grenz- Vorgänger. Dieser Radikalismus entsprang weit weniger nach diesem Ziel uns zu wünschen übrig, so wäre es undankbar streitigkeiten wegen der großen, aus ökonomischen Ursachen den Absichten der Redner und Beschließer auf diesem Kon- und ungerecht, nicht einzugestehen, daß dieser Neunte Deutsche erwachsenden Verschiedenheit der Anschauungen und der Be greß als dem Verhalten unserer Gegner. Kein Gewerkschafts- Gewerkschaftskongres die Wehrhaftigkeit und Schlagfertig. dürfnisse der Gewerkschaften fein allgemein befriedigendes, fongreß hat jo entschieden wie dieser betont, wie gering die feit der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter gehoben und so hat der ganze sonstige Verhandlungsstoff die vollständige Soffnungen sind, die die gewerkschaftlich organisierten Ar- gesteigert hat, daß nach diesem Gewerkschaftskongreß die Uebereinstimmung aller Mitglieder dieses Kongresses zum beiter heute noch auf den guten Willen der Herrschenden deutsche Arbeiterklasse dem Unternehmertum besser gerüstet augenfälligen und überaus bedeutenden Ergebnis gehabt.feben, auf die Gerechtigkeit, die den Arbeitern innerhalb gegenüberstehen wird als vor diesem Kongreß. Sicherlich sind all die Probleme, die dem Gewerkschaftskongreß der Gesellschaft werden könnte. Dieser Neunte Deutsche unterbreitet wurden, und die zahlreichen Anträge und ge- Gewerkschaftsfongreß war, Und ebenso ist sicher, daß die Arbeiter in ihre gewerk. bon den Eröffnungsworten schaftlichen Leitungen und in die Absichten und Methoden der planten Berfassungsänderungen sehr verschieden zu beurteilen.egiens bis zu den Schlußworten Schlices, sicher Generalfommission mit Recht ein größeres Bertrauen setzen Es wäre durchaus nicht verwunderlich, wenn sich darin ein ununterbrochener scharfer Protest gegen die arbeiter fönnen als bisher schon. Der Wunsch nach friedlichem 311­stärfere Meinungsverschiedenheiten ergeben hätten. Aber daß feindliche Gesezesmacherei und gegen die von dem Wider- fammenwirken innerhalb der Gewerkschaften, nach fräftiger bei all der Freiheit der Diskussion, bei all der Verschiedenheit willen gegen das Proletariat erfüllte Anwendung dieser Abwehr aller Gegner der Gewerkschaften kommt in der Ar­der Ansichten bei den Organisationen über diese Fragen Geseze. beit dieses Parlaments des deutschen Proletariats zum un­eine vollkommene oder fast vollkommene Einheit der leber­zweifelhaften Ausdruck. Hat die deutsche Arbeiterschaft ihren zeugungen, wie eine Uebereinstimmung über die einzu Stolz darin gesehen, das Vertrauen der Gewerkschaften des schlagende Taktik festzustellen war, ist ein Ergebnis von Auslandes zu besitzen, von ihnen als Lehrmeister, als höchster Tragweite und von größter Wichtigkeit. Für die Kamerad und hilfsbereiter Freund betrachtet zu werden, so gesamte Arbeiterbewegung muß dieses Ergebnis als ein hat dieser Gewerkschaftskongreß diese Stimmung sicherlich überous bedeutsamer Gewinn festgestellt werden. von neuem gefestigt und weiter gestärkt.

Eine Atmosphäre des Protestes beherrschte diesen Kongreß, obgleich er durchaus bereit war, rückhaltlos anzuerkennen, wo irgendwie ein guter Wille für die Arbeiter zu vermuten war.

Wer die alten Protokolle unserer Gewerkschaftskongresse durchblättert, findet hier und dort ein unzufriedenes Wort Es wäre aber verfehlt, die Bedeutung dieses letzten gegen die sozialdemokratische Partei. So sehr auch dieser Die Worte, mit denen Alexander Schlice, der Vor­Kongreßergebnisses zu messen an ihren Vorteilen für die Kongreß keinen Zweifel darüber ließ, daß die Gewerkschaften fizende der größten Gewerkschaft der Welt, des Deutschen Arbeiterbewegung. Auch für unsere Gegner, mögen sie in durchaus selbständige und auch von der Sozialdemokratie Metallarbeiterverbandes, diesen Gewerkschaftskongreß ge­Ministerien oder in Scharfmacherburgen oder in den Re durchaus unabhängige Gebilde sind, so wird der schärfste Nach schlossen hat, kennzeichnen seine Arbeit. Freudig stimmen daktionsstuben der bürgerlichen Zeitungen sißen, ist das Er- prüfer und der hoffnungsvollste Naumann aus den Ver- wir in dieses Urteil über die Münchener Tagung ein: gebnis von großer Wichtigkeit. Nicht nur um deswillen, weil handlungen dieses Gewerkschaftskongresses. fein Wort heraus. Uns zu Nuz, den Unternehmern 3иm ihre Hoffnung stets auf Meinungsverschiedenheiten unter den lesen können, das gegen die Sozialdemokratie, auch mit Truß! rbeitern gerichtet ist, sondern auch weil der Inhalt der größter Kunst, gedeutet werden könnte. Die Gewerkschaften Referate, die von den leitenden Männern der Gewerkschafts- wissen, daß alles und alle in der bürgerlichen Welt, von ver­bewegung erstattet wurden, wie die einmütig gefaßten Rejo- einzelten und durchaus nicht ins Gewicht fallenden Aus­lutionen ihnen klar zeigen, wohin ihre arbeiterfeindliche nahmen abgesehen, den Gewerkschaften feindlich, zum mindesten Politif bereits geführt hat. unfreundlich gesinnt ist. Weit über den Kreis des Kartells der schaffenden Stände geht die intime Solidarität aller derer, bei denen alles Widerspruch erregt, was erhöhte Selb­ständigkeit, was Aufstieg der Arbeiterklasse bedeuten könnte.

Der albanische Aufstand.

Neue Verhandlungen.

Die heutige Nacht und der Die Haltung der Mächte.

So mancher Gegner hat auf die Gewerkschaften seine überbrachten Wunsch der Rebellen, nur mit den Delegierten Durazzo , 27. Juni. Mit Rücksicht auf den gestern brieffich Hoffnungen gesetzt, vielleicht gar nicht mit Unrecht, wenn wir eine weniger profithungrige, nicht so kurzsichtige und des Fürsten und des englischen Admirals in Verhandlungen nicht so durchaus mißgünstige Bourgeoisie und nicht eine Immer wieder wurde auf diesem Kongreß betont, daß die mit der Mitteilung nach Schiak geschickt, daß heute ein Dele­zu treten, wurde gestern der hiesige Kaufmann Ismail Effendi jede Selbständigkeit der Arbeiter fürchtende Regierungsgewalt organisierte Arbeiterschaft allein auf sich vertrauen müsse, daß gierter des Fürsten und des englischen Admirals in Schiat hätten. Sicherlich sind die Gewerkschaften ihrem ganzen sie ihre eigene Kraft zu stärken habe, und daß sie für deren eintreffen würden. Ismail Effendi kehrte gegen Mitternacht Besen nach eingehegt durch die kapitalistische Produktions- Wachstum ununterbrochen besorgt sein müsse. weise; deshalb ist ihr Wirken nur möglich innerhalb dieser Waffen und, wenn es notwendig wird, ihre rücksichtslose An- Infolgedessen begab sich heute vormittag Oberst Philipps Geſtählte zurück und überbrachte eine zustimmende Antwort der Rebellen. Produktionsweise, und in diesem Rahmen müssen sich die wendung, das ist nach der Meinung dieses Gewerkschafts- mit den Dragomanen ins Rebellenlager nach Schiat, wo Ver­Gewerkschaften bevegen. Die englische Bourgeoisie hat es fongresses die unbedingte Notwendigkeit, das Lebensinteresse, handlungen stattfinden sollen. trefflich verstanden, weit mehr als ein halbes Jahrhundert die Eristenzfrage unserer Gewerkschaften. Daß zur Ver- Vormittag verliefen ruhig. die Gewerkschaftsbewegung als eine rein im Rahmen der teidigung des Koalitionsrechtes auch der Massenstreit bürgerlichen Gesellschaft wirkende Bewegung zu erhalten. in Frage kommt, unterstrich Schlice in seinem Schlußwort, Aber in Deutschland versteht man es, ununterbrochen den in dem er dies als eine Selbstverständlichkeit be- Wien , 27. Juni. Der Politischen Korrespondenz" wird Gewerkschaften Schwierigkeiten aller Art zu bereiten. Die zeichnete, über die eine Erörterung gar nicht vonnöten sei; aus Paris gemeldet: Aus den in den letzten Tagen lebhaft Boraussetzungen der Gewerkschaftsbewegung will man wo- und Winnig vom Bauarbeiterverband wies darauf hin, geführten Verhandlungen der Mächte über Albanien läßt sich möglich ganz zerstören. Was Caprivi einst gesagt hat, daß welche Schädigung für die Arbeiter, z. B. bei der Frage der auf Grund zuverlässiger Informationen feststellen, daß alle er immer an die Sozialdemokratie denke, wenn er ein Gesek Arbeitslosenversicherung. das ungleiche Wahlrecht stabinette daran festhalten, daß Albanien als unab­mache oder eine Verwaltungsmaßregel ins Auge fasse, das habe. fennzeichnet heute auch die Haltung der Regierungen zur Eine frohe, eine stolze, die Schwierigkeiten nicht unter- hängiges und selbständiges Staatswesen zu Gewerkschaftsbewegung. Während die Gewerkschaftsbewegung schäßende, die Siegeshoffnungen aber nicht unterbindende erhalten ist, und daß sie ferner in dem Wunsche überein­ihre Selbständigkeit in jeder Hinsicht zu wahren bemüht ist, Stimmung beherrschte diesen Kongreß, wohl den besten Ge- stimmen, die Ordnung im Lande möglichst bald wiederhergestellt suchen die Polizeibehörden und die an der Gesetzgebung mit werkschaftskongreß, den die deutsche Arbeiterschaft zu ver- und dann dauernd begründet zu sehen. Der Eintritt der praf­wirkenden Organe der Regierungen alles, was sie tun und zeichnen bat. tischen Wirkung dieser Kongruenz in den Anschauungen der Lassen, zum Schaden unserer Gewerkschaften zu gestalten. So flar und einheitlich in dieser Hinsicht die Stimmung Mächte gilt an unterrichteten Stellen für nahe. Ueberall erkennen mir, wie die Interessen der Reichsten und aller Beteiligten war, so selbstverständlich betrachteten sie die Mächtigsten gleichgestellt werden denen des Staates und der Notwendigkeit eines einheitlichen Zusammen- Bildung einer albanischen Miliz. öffentlichen Ordnung. Die Handhabung der Geseze, die wirkens. Das ergab sich auch aus der Kürze der Dis- Köln, 27. Juni. Die Köln . 3tg." meldet aus Berlin : Die Richtlinien, die den Behörden gezogen werden, die Um- fussion über die Tätigkeit der Generalfonimission. Auch hier Frage der Bildung einer albanischen Miliz aus Albaniern wird gestaltung unserer Geseze, die Auslegung längst flarer und zeigte sich ein ganz bedeutsamer Unterschied gegen frühere zwischen den Mächten weiter erörtert. Der Gedanke hat Aussicht eingebürgerter Gejeke wird ebenso bestimmt nach den Be- Zeiten. Früher wurde über die Generalkommnission auf den auf Berwirklichung. Geeignete Lehrkräfte zur Organisierung der

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