Nr. 200.
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Ericheint täglid.
S
Vorwärts
Berliner Volksblatt.
31. Jahrg.
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Ultimatum.
Sie wollen den Krieg, die gewissenlosen Elemente, die in der Wiener Hofburg Einfluß haben und Ausschlag geben. Sie wollen den Krieg aus dem wilden Geschrei der schwarzgelben Hezpresse klang es seit Wochen heraus. Sie wollen den Krieg das österreichische Ultimatum an Serbien macht es deutlich und aller Welt offenbar.
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Es ist, als wollten die f. f. Machthaber, die man in all den Krisen der letzten Jahre wegen ihrer hin und her taumelnden Politik der Bluffs und Blamagen getadelt und verspottet hat, einmal zeigen, daß sie keine politischen Phäaken sind, daß Ernst und Energie ihnen nicht fremd ist, daß sie handeln können, und da schlagen sie denn mit der gepanzerten Faust auf den Tisch, daß das Porzellan klirrt und Europa entsett emporfährt. Denn so unmittelbar vor dem großen blutigen Chaos haben wir in den Verwickelungen, die dem Balfankrieg folgten, nie gestanden als in den zweimal vierundzwanzig Stunden, die Berchtolds Regierung dem serbischen Ministerium als knappe Frist läßt, um seine Drohnote zu beantworten. Und wenn es Sonnabend sechs Uhr geworden ist, und die serbische Regierung keine Anwort erteilt oder es für unter ihrer Würde erklärt hat, auf dieses Papier zu antworten, was dann? Dann bombardieren die öfterreichischen Donaumonitore Belgrad , dann marschieren die österreichischen Regimenter über Save und Drina, dann hebt, felbft, wenn der Konflikt lokalisiert" bleibt, ein Menschenwürgen an, gegen das der Balkankrieg ein Kinderspiel war. Weil das Blut Franz Ferdinand 3 und seiner Gattin unter den Schüssen eines irren Fanatikers geflossen ist, soll das Blut Tausender von Arbeitern und Bauern fließen, ein wahnwißiges Verbrechen soll von einem weit wahnwißigeren Verbrechen übergipfelt werden! Aber sprechen einmal die Kanonen, so ist die Hoffnung auf die Lokalisierung" des Konflikts außerhalb der Redaktionsstube der„ Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" sehr schwach: mit Serbien verbündet ist Griechenland und Montenegro, die nicht Gewehr bei Fuß zusehen werden, wenn auf dem Belgrader Konak die Flagge mit dem österreichischen Doppeladler aufgezogen wird, und mischt sich gar der russische Zarismus ins Spiel, der um seiner eigennütigsten Zwecke willen" den Protektor der Balkanslawen macht, dann vollzieht sich ganz von selbst der Aufmarsch von Dreibund gegen Dreiverband in fürchterlicher Kampffront- das österreichische Ultimatum an Serbien kann der Fidibus sein, mit dem Europa an allen vier Ecken in Brand gesteckt wird!
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Sonnabend, den 25. Juli 1914.
Krieg?
einer
Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplatz, Nr. 1984.
Die Geschichte der letzten Jahre nun, und insbesondere die Schmerzlichen Ereignisse des 28. Juni, haben das Vorhandensein subversiven( umstürzlerischen) Bewegung in Serbien erwiesen, deren Ziel es ist, von der österreichisch - ungarischen Monarchie gewisse Teile ihres Gebietes loszutrennen. Diese Bewegung, die unter den Augen der serbischen Regierung entstand, hat in der Folge jenseits des Gebiets des Königreichs durch Akte des Terrorismus, durch eine Reihe von Attentaten und durch Morde Ausdruck gefunden.
[ kamen, wird sich angesichts der neuerlichen Feststellungen"| völlig unbewiesenen Beschuldigungen gegen Serbien er Jeines gesunden Mißtrauens nicht erwehren können, und es boben: ist schon so, wie unser Wiener Parteiblatt schreibt: " Es gibt nur eine Beweisführung, gegen die kein Einwand erhoben werden kann, der der durchschlagende Charakter sicher ist, deren Eindruck sich niemand entziehen können und auch nicht entziehen wollen wird: das ist die öffentliche Gerichtsberhandlung gegen die Attentäter! In der öffentlichen Verhandlung wird die Wahrheit kund, da sieht gleichsam das ganze Europa die Mitschuld Serbiens , und dann kann keiner mehr die Forderungen, die wir an Serbien zum Schuße unserer Sicherheit erheben, unberechtigt oder unbillig schelten! Wenn es wahr ist, daß die Untersuchung gegen die Attentäter für die Mitschuld Serbiens „ untrügliche Beweise" geliefert habe, wenn es so wahr ist, als es bestimmt behauptet wird: dann heraus mit den Beweisen! Dann würde ja der Prozeß gegen die Attentäter zu dem Prozeß gegen die serbische Regierung! Deshalb gibt es nur eine vernünftige und logische Politik: ohne Verzug an die öffentliche Gerichtsverhandlung heranzutreten, ohne weiteres Lärmen sie vor Europa aufzurollen!"
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haltenen formellen Verpflichtungen zu erfüllen, hat die Königlich Weit entfernt, die in der Erklärung vom 31. März 1909 entserbische Regierung nichts getan, um diese Bewegung zu unterdrücken. Sie duldete das verbrecherische Treiben der verschiedenen gegen die Monarchie gerichteten Vereine und Vereinigungen, die zügellose Sprache der Presse, die Verherrlichung der Urheber von Attentaten, die Teilnahme von Offizieren und Beamten an subversiven Umtrieben, fie duldete eine ungesunde Propaganda im öffentlichen Unterricht und duldete schließlich alle Manifestationen, welche die serbische Bevölkerung zum Haß gegen die Monarchie und zur Verachtung ihrer Einrichtungen verleiten konnten.
Diese Duldung, der sich die Königlich serbische Regierung schuldig machte, hat noch in jenem Moment angedauert, in dem die Greignisse des 28. Juni der ganzen Welt die grauenhaften Folgen solcher Duldung zeigten.
Es erhellt aus den Aussagen und Geständnissen der verbreche rischen Urheber des Attentats vom 28. Juni, daß der Mord von Sarajewo in Belgrad ausgeheckt wurde, daß die Mörder die Waffen und Bomben, mit denen sie ausgestattet waren, von serbischen Offizieren und Beamten erhielten, die der Narodna Odbrana ange hörten, und daß schließlich die Beförderung der Verbrecher und derens Waffen nach Bosnien von leitenden serbischen Grenzorganen ver anstaltet und durchgeführt wurde.
zuwartender Langmut zu beobachten,
Ein Zeichen für die üble Brüchigkeit seiner Gründe ist es, daß Herr Berchtold es unterläßt, sich derart, durch unzweifelhafte Beweisführung, in den Augen Europas eine moralische Rechtfertigung für sein Vorgehen zu holen und statt dessen dräuend mit der Hand an den Säbelgriff fährt. Um so ungeheuerlicher erscheint, in diesem Lichte gesehen, das Wesen des Ultimatums. An ein Land, das, durch einen unglücklichen Krieg zerschmettert, aus tausend Wunden blutend am Boden liegt, kann man Forderungen stellen, wie Wien sie von Belgrad heischt, aber nicht an ein Volk, das durch Die angeführten Ergebnisse der Untersuchung berauschende kriegerische Erfolge und bedeutenden Gebiets- gestatten es der K. und K. Regierung nicht, noch länger bie Haftung und Machtzuwachs in seinem nationalen Selbstgefühl erheblich die sie durch Jahre jenen Treibereien gegenüber eingenommen gestärkt ist. Soweit die Forderungen des österreichischen hatte, die ihren Mittelpunkt in Belgrad haben und von da auf die Ministeriums nicht in ihrer Wirkung sehr platonischer Natur Gebiete der Monarchie übertragen werden. Diese Ergebnisse legen sind auch mit dem besten Willen könnte die Belgrader der K. und K. Regierung vielmehr die Pflicht auf, Umtrieben ein Regierung die großserbische Bewegung so wenig unterdrücken Gnde zu bereiten, die eine beständige Bedrohung für die Ruhe der Monarchie bilden. wie Bismards Regierung in Deutschland die sozialistische Die Note stellt dann das Ansinnen an die serbische Regierung, Bewegung zu unterdrücken vermochte bedeuten sie diesem eine ganz genau in ihrem Wortlaut formulierte Erklärung am gesteigerten nationalen Selbstgefühl einen Faustschlag ins 26. Juli auf der ersten Seite des serbischen Regierungsorgans zu Gesicht. Ein Staat, der einwilligt, daß auf seinem Gebiet veröffentlichen. Der für Serbien überaus demütigende Wortlaut Organe einer anderen Regierung zur Unterdrückung irgend- soll sein: welcher subversiven Bestrebungen tätig sind, begibt sich aus" Die Königlich serbische Regierung verurteilt die gegen freien Stüden seiner Selbständigkeit und scheidet aus der Desterreich- Ungarn gerichtete Propaganda, das heißt die Gesamtheit Reihe der Länder aus, mit denen zu rechnen ist. Nichts Ge- schen Monarchie Gebiete loszutrennen, die ihr angehören, und sie jener Bestrebungen, deren Ziel es ist, von der österreichisch - ungariringeres aber verlangt, wider alles geschriebene und verbriefte bedauert aufrichtigst die grauenhaften Folgen dieser verbrecherischen Völkerrecht, der Punkt 5 der Berchtoldschen Forde Handlungen. rungen, und die Hofräte in den Schreibstuben des t. t. Ministe- Offiziere und Beamte an der vorgenannten Propaganda teilKöniglich serbische Regierung bedauert, daß serbische riums müßten seltsame Rosaseher sein, wenn sie glaubten, daß genommen, und damit die freundmachbarlichen Beziehungen geSerbien dazu Ja sagen würde. Aber sie wollen ja, wie be- fährdet haben, die zu pflegen sich die Königliche Regierung durch tont, den Krieg, die fanatischen Treiber der schwarzgelben ihre Erklärung vom 31. März 1909 feierlichst verpflichtet hatte. Kriegspartei, und es geht für sie gar nicht um Rechtsfragen, fuch einer Einmischung in die Geschicke der Bewohner was immer Die Königliche Regierung, die jeden Gedanken oder jeden Versondern um Machtfragen: das Attentat von Serajewo war eines Teiles Desterreich- Ungarns mi gbilligt und zurüd. nur ein beiläufiger Anlaß und es handelt sich hier lediglich weist, erachtet es für ihre Pflicht, die Offiziere und Beum ein Stück jener tolldreisten imperialistischen Balkanpolitik Desterreich- Ungarns , die nach so viel Niederlagen endlich einmal einen Erfolg buchen will: entweder soll das verhaßte Serbien sich bis in den Staub demütigen, oder aber in einem glorreichen Kriege zerschmettert werden.
amten und die gesamte Bevölkerung des Königreiches ganz ausdrücklich aufmerksam zu machen, daß sie künftighin mit äußerster Strenge gegen jene Personen vorgehen wird, die sich derartiger Sandlungen schuldig machen sollten, Handlungen, denen vorzubeugen und die zu unterdrüden sie alle, Anstrengungen machen Diese Erklärung soll gleichzeitig durch einen Tagesbefehl der Es folgt eine lange Reihe von Verpflichtungen, die der
wird."
Denn dieses Ultimatum ist in seiner Fassung wie in feinen Forderungen derart unverschämt, daß eine serbische Regierung, die demütig vor dieser Note zurückwiche, mit der Möglichkeit rechnen muß, von den Volksmassen zwischen Diner und Dessert davongejagt zu werden. Wohlverstanden: menn die großserbische Bewegung auch ein Stück der bürgerlichen Revolution des Südslawentums ist und derart dem Haufen organisierter Verwesung gegenüber, den das Habsburger Reich darstellt, alles historische Recht für sich hat denn der Zerfall der Nationalitätenstaaten und die Bildung Ein Frevel der chauvinistischen Presse Deutschlands war von Nationalstaaten liegt nun einmal auf der Linie der ges es, den teuren Bundesgenossen in seinen Kriegsgelüften auf Armee zur Kenntnis gebracht werden. schichtlichen Entwickelung, so kann der Sozialismus doch das Aeußerste anzustacheln, und sonder Zweifel hat auch nichts übrig haben für eine Propaganda von serbischer Seite, Herr v. Bethmann Hollweg Herrn Berchtold seine die alle üblen Instinkte des Chauvinismus aufpeitscht, und Rückendeckung zugesagt. Aber in Berlin spielt man dabei erst recht nicht für eine Agitation, die mit Bomben und ein genau so gefährliches Spiel wie in Wien . Denn bei einer Brownings arbeitet. Solange die österreichisch- ungarische Abenteuerpolitik weiß man immer nur, wie sie anfängt, aber Regierung Herrn Paschitsch nur ersucht, nach den Mit- nicht, wie sie aufhört, und wenn es zu dem großen euroschuldigen für die Mordtat von Serajewo auf serbischem päischen Zusammenstoß kommt, könnten höchst unerwünschterBoden zu spüren und sie zur strengen Verantwortung zu weise Dinge dabei in die Binsen gehen, die auch in Deutschziehen, ist sie ohne Zweifel in ihrem guten Recht. Wie der land zu den heiligsten Gütern" gezählt werden. Wie darum serbische Ministerpräsident eben erst erklärt hat, würde einem die Arbeiterklassen aller Länder vor der drohenden Weltsolchen Verlangen auch von den Belgrader Behörden in deutsche Regierung, wenn anders ihr an der Erhaltung des friegsgefahr sofort in Bereitschaft treten müssen, sollte die weitestgehender Weise entsprochen werden. Friedens gelegen ist, den tobenden Berserkern in Wien noch in zwölfter Stunde sänftigend in den Arm fallen. Das und nichts anderes ist, angesichts des schwarz umdüsterten Horizonts, der Wille des deutschen Volkes!
Die Note.
zusichern:
Odbrana vorzugehen, dessen gesamte Propagandamittel zu kon sofort mit der Auflösung des Vereins Narodna fiszieren und in derselben Weise geges die anderen Vereine und Vereinigungen in Serbien einzuschreiten, die sich mit der Propaganda gegen Oesterreich- Ungarn beschäftigen.
ohne Verzug aus dem öffentlichen Unterricht in Serbien sowohl was den Lehrkörper als auch die Lehrmittel betrifft, alles zu beseitigen, was dazu dient oder dienen könnte, die Propaganda gegen Defterreich- Ungarn zu nähren,
im allgemeinen alle Offiziere und Beamte zu entfernen, die der aus dem Militärdienst und der Verwaltung Propaganda gegen Oesterreich- Ungarn schuldig sind, und deren Namen unter Mitteilung des gegen sie vorliegenden Materials der Königlichen Regierung bekannt zu geben, sich die K. und K. Regierung vorbehalt,
einzuwilligen, daß Serbien Organe der K. und K. Regierung bei der Unterdrückung der gegen die territoriale Integrität der Monarchie gerichteten subversiven Bewegung mit wirken,
Aber weil die Kriegsheber in Wien eine friedliche Lösung nicht wünschen, deshalb schlägt die Note Berchtolds ganz andere Töne an. In ein paar Sägen erklärt sie es für bewiesen, daß der Plan zu dem Anschlag auf Franz Ferdi nand in Serbien gefaßt, die Waffen in Serbien geliefert, die Attentäter aus Serbien über die Grenze geschmuggelt seien. Die Beweise dafür? Beweise gibt es nicht, es sind Dem größten Teil der„ Vorwärts"-Refer konnte der Wortlaut eine gerichtliche Untersuchung gegen jene Teilhalt Feststellungen" der f. f. Untersuchungsrichter und der österreichischen Note noch in der gestrigen Ausgabe übermittelt nehmer des Komplotte vom 28. Juni einzuleiten, die sich auf scrPolizeispitzel, die Europa gutgläubig hinzunehmen hat. Aber fordernden Ton angeschlagen. Die Note stellt die Erklärung vor- Organe werden an den bezüglichen Erhebungen werden. Wohl noch niemals hat eine Note einen so scharfen, heraus- bischem Territorium befinden. Von der K. und K. Regierung hierzu belegierte wer da weiß, wie in dem Agramer Hochverratsprozeß vor aus, in der am 31. März 1909 der serbische Gesandte der öfter- teilnehmen, wenigen Jahren die merkwürdigsten Feststellungen" auf reichischen Regierung freundnachbarliche Beziehungen" zusicherte. mit aller Beschleunigung die Verhaftung des Ma schonend ausgedrückt die merkwürdigste Weise zustande Dann werden sofort die schwersten, wenn auch größtenteils noch jors Voja Zantofic und eines gewissen Milan Cis
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