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Nr. 201.

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Cridelat tägild

Vorwärts

Berliner Volksblaff.

81. Jahrg.

Die Infertions- Gebühr

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Telegramm- Abreffe: Sozialdemokrat Berlia

Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands .

Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69.

Fernsprecher: Mmt Morikplak, Nr. 1983.

Sonntag, den 26. Juli 1914.

Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Moritplat, Mr. 1984.

Der Auftakt zum Weltkrieg.

Die österreichische Kriegserklärung.

Wien , 25. Juli. ( W. T. B.) Ministerpräsi-| österreichischen Absichten eingeschritten ist, die nichts anderes nationale Konflikte zu verhüten, so hat es jetzt auf dem dent Paschitsch erschien wenige Minuten vor als die von Anbeginn beschlossene Kriegserklärung bedeu- Posten zu sein! 6 Uhr in der f. t. Gesandtschaft in Belgrad und er- teten, das ist ein furchtbar schwerer Vorwurf, der gegen sie Um so mehr, als in Deutschland wieder einmal die Bügel teilte eine ungenügende Antwort auf die erhoben werden muß. Einen Skandal nannte es die hei- vollends am Boden schleifen zu scheinen. Hat doch der deut­österreichisch- ungarische Note. Baron Giest noti- nisch- Westfälische Zeitung", ein Blatt, das doch schen Politik offensichtlich jede Führung gefehlt. Ein paar fizierte ihm hierauf den Abbruch der diplo- sonst an Patriotismus wahrlich nichts zu wünschen übrig läßt." Stunden später, nachdem man durch die ganze Presse die matischen Beziehungen und verlies Was wird nun werden? Daß die Gefahr des angeblichen Erklärungen des deutschen Botschafters in Paris , mit dem Gesandtschaftspersonal um furchtbarsten Bölferbrandes vorliegt, ist auch dem Unein- des Herrn v. Schön, verbreiten ließ, brachte das offizielle 6 Uhr 30 Minuten Belgrad . Die serbische geweihtesten klar. Die a mtliche Presse ist gerade in Depeschenbureau ein oftentatives Dementi, in dem es Regierung hatte schon früher um 3 Uhr nachmittags den lekten kritischen Stunden äußerff wortfarg ge- wiederum zu beschwichtigen und abzuwiegeln versuchte. Das die Mobilmachung der gesamten Armee angeordnet. worden. So liegt z. B. darüber, ob die russische Regierung beweist die völlige Direktionslosigkeit der deutschen Regie­Der Hof und die Regierung sowie die Truppen noch einmal in Wien zugunsten Serbiens vorstellig geworden rung. Offensichtlich sind wiederum die widerstrebenden Ele­räumen Belgrad . Die Regierung soll nach Kragu- ist, keinerlei amtliche Nachricht vor. Doch versichern die mente an der Arbeit. Es ist ja nicht das erstemal, daß bei jebac verlegt werden. bürgerlichen Blätter, daß der russische Botschafter einen solchen uns eine Kriegspartei und eine Friedenspartei miteinander Was man bis zur letzten Stunde für unmöglich gehalten, Versuch gemacht und Desterreich die Verlängerung der Beant- kämpfen. Und die Tatsache, daß die wildesten Kriegstreiber ist nun zur Tatsache geworden. Die österreichische Regierung wortungsfrist seines Ultimatums nahegelegt habe. Diese des Marokkokonfliktes, die, Post" und ihre Hintermänner, hat durch ihren Gesandten in Belgrad die diplomatischen Be- russische Anregung sei ebenso höflich wie ener- diesmal von dem Kriegsabenteuer nichts wissen wollen, und ziehungen zu Serbien abbrechen lassen, weil die serbische Re- gisch zurückgewiesen" worden. Ob sich Rußland daß diesmal die liberale Presse mit vollen Backen in die gierung eine ungenügende" Antwort auf die österreichisch - mit dieser kühlen Ablehnung seiner Intervention zufrieden Kriegstrompete bläst, beweist nur um so deutlicher, daß für ungarische Note gegeben hat. Das bedeutet nach allen For- geben wird, ob die Auslandsmächte wirklich passive 3u- die Erhaltung des Friedens und die Vermeidung bösartigster men des Völkerrechts die Kriegserklärung. schauer dabei bleiben werden, wenn das große Oesterreich und verhängnisvollster Völkerkonflikte das Proletariat seine das kleine Serbien abwürgt? Oder ob nicht in der Tat diese ganze politische Reife und seine ganze organisatorische Macht Neuauflage des Balkankrieges ganz Europa in seinen Wirbel in die Wagschale zu werfen hat! ziehen wird?

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Die eisernen Würfel sollen nun rollen! Die Kriegsbestie soll nun wüten! Wo der Brand enden wird, weiß einstweilen tein Mensch. Nach den letzten Nachrichten in der Abend­Die internationale Lage ist so verworren wie je. Die preffe schien es, als ob das Abenteuer eine günstigere Wen- Die Gefahr internationaler Vertickelungen ist um so Regierungen neigen mehr denn je der Va- banque- Politik zu. dung nehmen wollte. Wurde doch mitgeteilt, daß Serbien , größer, als seit einer Reihe von Jahren der militärische Wett- Die österreichische Regierung ist aller Besinnung beraubt und wenn auch unter Protest und Vorbehalt, sich den furchtbaren streit des Rüstungswahnsinns alle europäischen Völker er- stürzt sich in ihrer Verzweifelung in das serbische Abenteuer. Demütigungen und für einen wehrhaften Staat unannehm- griffen hat. Ja, wenn zurzeit die internationalen Be- Auch die deutsche Regierung ist offensichtlich uneinig, gespalten baren Bedingungen Desterreichs fügen wolle. Hervorragende ziehungen der Nationen friedliche wären, wäre am Ende und direktionslos. Wer weiß, welche Konflikte hinter den österreichische Staatsmänner, so versicherten Bokalanzeiger" noch die Hoffnung gerechtfertigt, daß in der Tat das ungleiche Kulissen zwischen Wilhelm dem Aelteren und Wilhelm dem und andere Blätter, seien der Meinung, daß damit die Duell zwischen Desterreich und Serbien lokalisiert blei- Jüngeren und ihren Getreuen gespielt haben. In dieser Zeit Kriegsgefahr vermieden sei. Und wahrscheinlich ben könnte. Aber die ungeheuerlichen deutschen Rüstungen des allgemeinen Bangens und der absoluten Verwirrung ist bestand auch auf Serbiens Seite der ernste wille, haben ja England, Frankreich und nicht zuletzt auch Rußland die proletarisch- sozialistische Politik für die werktätigen Desterreich nach Möglichkeit entgegenzukom derartig in Mitleidenschaft gezogen, die Staatsfinanzen der- Massen des Volkes der einzige Leitstern des Handelns. Das men. Aber Desterreich bestand unerbittlich auf seinem artig angespannt und den Mißmut der Steuerzahler der Bolt will keine Kriegsabenteuer, will feine Bettelung, will Schein. Es wollte die letzte Formalität seiner Be- artig provoziert, daß die Entladung der von Jahr zu Jahr feine Desperado- und Prestige- Politik, sondern einzig eine dingungen erfüllt wissen. Und als der serbische Minister- explosiver werdenden elektrischen Spannung nur zu sehr zu Politif, die den Frieden für absehbare Zeit zu garantieren präsident diesen absoluten Rotau nicht auf sich zu nehmen befürchten ist. vermag. Alle Chauvinistenheze, alle imperialistischen Phan­vermochte, vollzog der österreichische Gesandte den Abbruch tafien beantwortet sie mit dem kategorischen Imperativ: der diplomatischen Beziehungen.

Wie sich unsere deutschen Kriegsheber sagen, daß der Ausbruch der Kriegerischen Spannung nun doch einmal un­Dieser diplomatische Akt, der sich im fernen Belgrad voll- vermeidlich ist, so werden sich auch die anderen Nationen zogen, kann ganz Europa erschüttern. Denn daß in der Tat das gleiche bergegenwärtigen, und ob dann die deutsch - öster­der Krieg auf den Balkan lokalisiert werden wird, dafür ver- reichische Koalition( denn auf Stalien ist ja kaum zuverlässig mag niemand irgendwelche Bürgschaft zu übernehmen. Welche zu bauen) der Gegenkoalition, der von den deutschen Chauvi­Haltung zunächst und im weiteren Verlaufe des Kriegsaben- nisten so oft provozierten europäischen Gegner gewachsen ist, teuers Rußland , Frankreich und England einnehmen werden, das ist eine ganz andere Frage! ist noch gar nicht abzusehen. In welche Verwickelungen

Wir wollen nichts als freie Bahn für die freie politische, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung. Jeder Krieg ist der Todfeind dieser Ent­Darum ist die Arbeiter­

wicklung. Wie man auch die Situation betrachten mag, die furcht­Deutschland durch die skandalöse Ueberrumpelung durch barste Gefahr ist im Verzug, der europäische Völkerkrieg steht Desterreich geraten wird denn daß das österreichische Ulti- vor der Tür.

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klasse der geschworene Feind jeder Kriegspolitik.

Freisinnige Kriegshehe.

matum auf eigene Verantwortung und ohne Hinzuziehung Und weshalb? Weil die österreichische Regierung, die der deutschen Regierung erlassen wurde, ist ja inzwischen, wie österreichische Kriegspartei, die eine ebenso kleine Schicht dar­unser folgender Artikel Ein Skandal" des näheren darlegt, stellt, wie Deutschlands Chauvinisten, sich endlich einmal durch Noch steht selbst Desterreich vor der Entscheidung, noch von den deutschen Offiziösen selbst zugestanden worden den Gewaltstreich Luft machen wollen! Als ob durch einen find seine Regimenter nicht auf dem Marsche. Mögen fich steht völlig dahin. Den einzigen Trost vermag die fried- folchen Gewaltaft die aus Desterreichs nationalen Berwürf. Die österreichischen Gewalthaber und mögen sich alle ihre liebende Bevölkerung und die deutsche Arbeiterklaffe darin nissen naturnotwendig herauswachsenden Verlegenheiten be- offenen und geheimen Helfer vor Augen halten, daß jeder zu sehen, daß ja einstweilen die deutsche wie die österreichische seitigt werden könnten! Fehlschlag ihrer Glücksspielerpolitik eine ungeahnte Volks­Regierung oftentativ betont, daß Desterreichs Vorgehen seine Selbst den günstigsten Fall angenommen, den Fall näm- bewegung entfesseln kann, die aller Desperado. und imperia. eigene Sache sei. Das deutsche Proletariat wird freilich lich, daß es Desterreich gelingen würde, Serbien für den listischen Va- banque- Politik ein endgültiges Ziel seht! darauf dringen müssen, daß diese momentane Auf- Augenblick und die nächsten paar Jahre völlig zu Baaren fassung auch die dauernde bleibt und daß Deutschland zu treiben, so würde damit den slawischen Bestrebungen noch es mit aller Entschiedenheit ablehnen muß, Desterreich feineswegs der Boden abgebrochen sein. Wohl aber würde etwa später aus seiner Patsche zu befreien, in die es sich selbst zu erwarten sein, daß das gewaltsame Vorgehen Dester- Niemals hat sich der deutsche Freifinn so schmählich durch ohne Verständigung mit der deutschen Regierung, ge- eichs nicht nur unter allen slawischen Elementen des Bal- frivolite Kriegsbegerei geschändet, als in diesen kritischen Tagen. schweige denn im Einvernehmen mit dem fans, sondern auch bei allen Mächten Europas einen solchen Das beispiellos brutale Ultimatum der österreichischen Regierung begleitete sie, statt mit ernsten Warnungen und Herber Kritit, mit Grad der Empörung und Beunruhigung hervorrufen würde, einem wilden Triumphgeheul. Es will wahrhaftig etwas heißen, Die deutsche Regierung bestreitet durch das offizielle daß der Rückschlag gegen den vermeintlichen Erfolg Defter- daß ausgerechnet die" Post", das wildeste deutsche Chauvinisten­Depeschenbureau, daß sie die Bedingungen des österreichischen reichs kaum einige Jahre auf sich warten laffen dürfte. Der organ, die freifinnige Breffe blutig verhöhnen konnte, daß sie ihrer Ultimatums an Serbien bereinbart" habe. Daß diese Be- slawische Ansturm gegen Desterreich und in seiner Folge der so oft und so heiß beteuerten Friedensliebe gerade im verhängnis­dingungen die furchtbarste Demütigung, ja geradezu die Ab- europäische Krieg würden nur die Frage von einigen vollsten Augenblick durch das schrillste Kriegsgeheul den eigenartigsten bankung Serbiens als selbständiger Staat bedeuten, ist selbst Jahren sein! Ausdruck gab! von den kriegsbegeisterten Blättern Deutschlands zugestanden Für das deutsche und das internationale Aber nicht bloß durch die finnlofeste, berantwortungsbarste Bu worden. Wenn nun auch die deutsche Regierung feine Rennt- Proletariat liegen danach die Verhältnisse böllig klar. ftimmung zu dem österreichischen Gewaltstreich bekundete die friedens. nis von der endgültigen Formulierung des Ultimatums, Es hat auch in diesem Augenblic, wo auch dem das Schid. liebende" freifinnige Presse- nein, fie suchte auch durch die raffi dieses Kriegsvorwandes", wie die Rheinisch- Westfälische falslos fällt, keinerlei Ursache, die Hände in den Schoß zu schlagung und Entstellung ber Nachrichten das Kriegsfieber nierteste Auswahl der Depeschen, ja mehr noch durch direkte Unter Beitung" es nannte, gehabt hat, so mußte sie doch wenigstens legen. Es hat sich vielmehr aller Konsequenzen, die sich aus au schüren. von der österreichischen Regierung von deren Absichten in der jetzigen Bage ergeben, völlig bewußt zu sein. Wenn es So brachte bas Berliner Tageblatt", bas fich in bem wilden allgemeinen Umrissen unterrichtet worden sein. Daß dann ie der deutschen Arbeiterklasse mit der Absicht ernst gewesen Indianertanz besonders hervortat, noch in seinem Abendblatt am aber die deutsche Regierung nicht von vornherein gegen die ist, den Bölkerfrieden zu erhalten und bebrohliche inter - Sonnabend die Meldung des Echo de Paris" über die angeblich

deutschen Wolfe gestürzt hat!