Nr. 217.
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31. Jahrg.
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Die Folgen der italienischen Neutralität.
Dienstag, den 11. August 1914.
Die Kriegsereignisse.
Vom westlichen Kriegsschauplah. Zurückdrängung von drei französischen
Divisionen bei Mülhausen i. E.
Berlin , 10. August. ( W. T. B.) Von Belfort in das Obereljak nach Mülhausen vorgedrungener Feind, anscheinend das siebente französische Armeekorps und eine Infanteriedivision der Besabung von Belfort , sind heute von unseren Truppen aus einer verstärkten Stellung westlich Mülhausen in südlicher Richtung zurückgeworfen. Die Verluste unserer Truppen nicht erheblich, die der Franzosen groß.
Als die Kunde von der Neutralität Staliens in das vom Kriegsfieber befallene Deutschland drang, haben zahllose deutsche Spießbürger, deren patriotischer Ueberschwang von jeher durch keinerlei politische Schulung getrübt war, weidlich über die Kerle von Italienern geschimpft, die zum Dreibund gehören und nun nicht mitmachen" wollen. Und leider hat man auch aus Arbeiterkreisen, die man bisher zu den politisch aufgeklärten gezählt hat und denen seit Jahren ( wir müssen gestehen, mit recht wenig Erfolg), die Gefahren des Imperialismus gepredigt worden sind, solche und ähnliche Verdammungsurteile gehört. Unseren regierenden Kreisen scheint eine solche Mißstimmung gegen den Dreibundfreund, der jetzt den ehernen Reigen nicht mittanzen will, zurzeit nicht recht angenehm zu sein. Das beweist wenigstens die Berlin , 10. August. ( W. T. B.) In einer Depesche des halboffiziöse Beschwichtigungsnotiz der Korrespondenz Hoff Generalquartiermeisters heißt es: Französische Nachrichten mann, die wir in unserer Sonntagsnummer veröffentlichten. haben unser Volt beunruhigt. Es sollen zwanzigtausend Es ist schon richtig, was die erwähnte Korrespondenz Deutsche vor Lüttich gefallen und der Platz überhaupt noch schreibt. In einer Kriegslage, in der starte englische und nicht in unserem Besitz sein. Durch die theatralische Verfranzösische Flottendivisionen das Mittelmeer beherrschen, leibung des Kreuzes der Ehrenlegion an die Stadt Lüttich find die langgestreckten Küsten Italiens und deren Häfen auf sollten diese Angaben bekräftigt werden. das schwerste bedroht. Die gleiche Gefahr droht den wichtigen Eisenbahnlinien, die meist in der Nähe des Meeres laufend den Süden und Norden der Appeninenhalbinsel verbinden und durch die schweren Schiffsgeschüße der englischen und franzöfischen Panzerschiffe aus sicherer Ferne leicht zerstört werden
fönnen.
Unser Volt kann überzeugt sein, daß wir weder Miß erfolge verschweigen noch Erfolge aufbauschen, werden. Wir werden die Wahrheit sagen und haben das volle Vertrauen, daß unser Volk uns mehr als dem Feinde glauben wird, der feine Lage vor der Welt möglichst günstig hinstellen möchte. Wir müssen aber mit unseren Nachrichten zurückhalten, solange sie unsere Pläne der Welt verraten können. Jest
Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplak, Nr. 1984..
Festungen oder starke Fortgruppen an besonders wichtigen Bunften. Die Basis dieser Befestigungslinien bilden die starken Festungen Grenoble und Lyon , die sich auch einem etwaigen Einfall einer deutschen Armee nach Südfrankreich entgegenstemmen.
Die Truppen, die Frankreich in diesen Gegenden einem Angriffe Italiens hätte entgegenwerfen müssen, wären also nicht sehr zahlreich gewesen, da Natur und Befestigungskunst das Verteidigungswerk sehr erleichtern. An einen. Angriff auf Italien konnte Frankreich aber nicht denken, da auch in der italienischen Alpenzone ähnliche Befestigungen angelegt find, die mit starken Kräften hätten angegriffen werden müssen. Das hätte aber eine Schwächung der Streitkräfte bedeutet, die es auf dem Hauptkriegsschauplaze unbedingt
braucht.
Infolge der Neutralitätserklärung Italiens fann Frankreich die Befestigungen an der italienischen Grenze zum großen Teil mit Territorialtruppen besezen, die für die Verteidigung dieser Gegenden aktiven Truppen in Stärke von zwei Armeekorps( dem, 14. und 15.) und ein Teil der Alpenjägerbataillone sind für den Hauptkriegsschauplatz freigeworden.
Diesen ihrem Lande durch eine kriegerische Mitarbeit am Ringen ihrer Dreibundgenossen drohenden Gefahren ist fönnen wir ohne Nachteil über Lüttich berichten. Ein jeder Lebensmittel und Warenzufuhr nach die italienische Regierung durch ihre Neutralitätserklärung entgangen. Dazu fomint noch, daß Italien durch seinen wird sich selbst ein Urteil bilden können über die von den Kolonialfrieg in Tripolis finanziell start geschwächt ist. Franzosen in die Welt geschrienen zwanzigtausend Mann VerAußerdem ist seine Armee in seiner Zahl und Organisation lufte. Wir hatten vor vier Tagen bei Lüttich überhaupt nur durch die Detachierung verhältnißmäßig großer Truppenteile schwache Kräfte, denn ein so kühnes Unternehmen kann man in Afrika in ihrer Leistungsfähigkeit für einen europäischen nicht durch Ansammlung überflüssiger Massen vorher verKrieg stark beeinträchtigt.
Der Mut des Feindes wurde gebrochen, seine Truppen schlugen sich schlecht. Die Schwierigkeiten für uns lagen in dem überaus ungünstigen Berg- und Waldgelände und in der heimtückischen Teilnahme der ganzen Bevölkerung, selbst der
Der Nachteil, der der deutschen Heeresleitung aus diesen durch die Neutralitätserklärung Italiens geschaffenen Tatfachen entstanden ist, steht aber in feinem Verhältnis zu den Gesamtkriegslage daraus erwächst. Diese Vorteile liegen Vorteilen, die den friegführenden Dreibundmächten für die nicht auf strategischem und militärischem Gebiete, sie haben vielmehr Bedeutung für das hochwichtige Problem der Verpflegung der Völker und Heere Deutschlands und Oesterreichs . Dadurch, daß die italienischen Häfen frei sind und Italien nicht in die Reihe der krieg. führenden Mächte eingetreten ist, kann ein Teil der unbedingt notwendigen, aber auf allen Seiten zurzeit unterbundenen Deutschland und Desterreich über talienerfolgen. Eine Möglichkeit, deren Tragweite nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Daraus ergibt sich aber auch, daß man Italiens Neutralität nicht nach Anschauungen beurteilen darf, die an der Stammtischrunde blöder und politisch ungeschulter Spießer herrschend sind. raten. Daß wir trotzdem den gewünschten Zweck erreichten, Ein weiterer Vorteil der Neutralität Italiens liegt darin, Es ist also schon aus den Interessen Italiens heraus lag in der guten Vorbereitung, der Tapferkeit unserer daß die deutschen und österreichischen Kriegs. begreiflich, wenn es sich zur Neutralität entschlossen hat. Es Truppen, der energischen Führung und dem Beistand Gottes. schiffe, die sich zurzeit im Mittelmeer befinden, in den neubleibt nur zu untersuchen übrig, welche Folgen diese seine tralen, italienischen Häfen( Brindisi , Neapel , Genua usw.) Haltung auf den Gang des heutigen Weltkrieges ausüben kann. Dabei ergibt sich, daß die Nachteile, die Deutschland Zuflucht suchen und dort Kohlen, Praviant unv. einnehmen und Desterrreich aus der Neutralität der dritten Dreibundfönnen. Gehörte Italien zu den friegführenden Mächten, so macht erwachsen, geringer sind als die Vorteile. fäme allerdings seine Flotte gegen die englische und franzöfische Mittelmeerflotte zur Verwendung. Ihre Wirksamkeit Durch seine Neutralitätserklärung hat Italien zunächst Frauen am Kampfe. berhindert, daß zu den jeßigen vier ungeheuer ausgedehnten Aus dem Hinterhalt, den Ortschaften und Wäldern, feuer- wäre aber durch die Notwendigkeit, die langgestreckten Küsten Kriegsschaupläßen mit ihren zahlreichen Operationsab- ten fie auf unfere Truppen, auch auf Aerzte, die die Ber - des Landes zu schüßen, sehr gering, wenn sie überhaupt dieser schnitten noch ein fünfter an der französisch- italienischen wundeten behandelten und auf die Verwundeten selbst. Es tommen aber vor allem den deutschen , im Mittelmeer freuAufgabe gerecht werden könnte. Die neutralen Häfen Italiens Grenze gekommen ist. Vom Standpunkt der deutschen sind schwere und erbitterte Kämpfe gewesen, ganze Ortzenden Kriegsschiffen sehr zu statten. Daß deutsche KriegsSeeresleitung ist das ein Nachteil. Denn die Truppen, die ich aften mußten zerstört werden, um den Wider- schiffe dort in Aktion sind, ging aus der amtlichen Meldung Frankreich auf diesem Kampffelde hätte verwenden müssen, stand zu brechen, bis unsere tapferen Truppen durch den Forts- hervor, nach der deutsche Kreuzer Punkte der algerischen Küste können der gegen Deutschland kämpfenden Armee zugeführt gürtel gedrungen und im Besiz der Stadt waren. Es ist beschossen haben, von denen aus der Transport der nordwerden. Bei genauerem Zusehen ist dieser Nachteil aber nicht allzu groß, denn es handelt sich um eine verhältnis- richtig, daß ein Teil der Forts sich noch hielt, aber fie feuerten afrikanischen Truppen Frankreichs nach Europa zu ermäßig geringe Heeresmasse, die Frankreich im Kampfe mit nicht mehr. Sr. Majestät wollte feinen Tropfen Blutes durch warten war. Italien eingeseßt hätte. Erstürmung der Forts unnüz verschwenden. Sie hinderten Die französisch - italienische Grenze läuft nämlich in der nicht mehr an der Durchführung der Absichten. Man fonnte Alpenzone, und zwar in jenen hohen Alpenzügen, die von das Herankommen der schweren Artillerie abwarten und die der ligurischen Küste über den Monte Viso, Mont Genèvre Forts in Ruhe nacheinander zusammenzuschießen, ohne nur und Mont Cenis zum Mont Blanc aufsteigen. Dieser ge- einen Mann zu opfern, falls die Fortsbesaßungen sich nicht waltige Gebirgswall ist nur an wenigen Stellen überschreit- früher ergaben. Aber über dieses alles durfte eine gewissen bar. Für Truppenbewegungen größeren Stils kommen hafte Heeresleitung nicht ein Wort veröffentlichen, bis so starke überhaupt nur sechs große Straßen in Betracht. Alle anderen Kräfte auf Lüttich nachgezogen waren, daß es auch fein Verbindungswege find größere oder kleinere Alpenpfade, die Teufel uns wieder entreißen fonnte. In dieser Lage befinden nur für einen mit besonders organisierten Gebirgstruppen geführten Guerillafrieg in Betracht kommen. Es würde sich wir uns jetzt. Die Belgier haben zur Behauptung der auch in einer Zeit, in der allerorts die Stürme toſen, EntWir als Bekenner des internationalen Sozialismus haben also hier schon aus geographischen Gründen um einen Neben- Festung, soviel sich jetzt übersehen läßt, mehr Truppen ge- scheidungsschlachten sich vorbereiten und gewaltige Ereignisse friegsschauplatz handeln, während die ersten entscheidenden habt, als von unserer Seite zum Sturme antraten. Jeder im Bölferleben sich abspielen, die Aufgabe, uns einen flaren Schläge auf dem Hauptkriegsschauplake im Osten Frank- Kundige kann die Größe der Leistung ermessen, sie steht einzig Kopf und ruhiges Urteil zu bewahren. Wenn auch die Heeresreichs, im französischen Lothringen fallen dürften. da. Sollte unser Volk wieder einmal ungeduldig auf Nach- leitungen die Stunde regieren, wenn unserer Betätigung auch Die natürlichen Schwierigkeiten, die sich einem Angriffe richten warten, so bitte ich, sich an Lüttich erinnern eherne Fesseln angelegt worden sind, so haben wir doch die Italiens auf Frankreich entgegentürmen, hat letzteres noch zu wollen. Das ganze Volk hat sich einmütig unter seinen Ereignisse fühl und ruhig zu verfolgen und zu beurteilen. Wir durch große und zahlreiche Befestigungsanlagen vermehrt, so Kaiser zur Abwehr der zahlreichen Feinde geschart, so daß die waren vor dem Ausbruch des Weltbrandes nicht auf den Dreidaß eine Offensive Italiens gewaltige Anstrengungen an Heeresleitung annehmen darf, es werden von ihr keinerlei noch manches über ihn und vieles andere zu sagen haben. Aber bund eingeschworen, und werden, wenn die Waffen schweigen, Kraft und Bahl erfordern würden, um so mehr, als die Hoch- Veröffentlichungen erwartet, die ihre Absichten vorzeitig dem in das allgemeine Philister- und Pharifäergezeter über. Itagebirgszone auf italienischer Seite für einen strategischen Feinde kundtun und dadurch die Durchführung der schweren Tiens Treubruch" stimmen wir nicht ein, da wir uns bemühen, Aufmarsch ungünstiger liegt als auf der franzöfifchen Seite. Für den Aufmarsch würden auch nur vier große Eisenbahn- Aufgabe vereiteln könnten. dem Wesen der Dinge auf den Grund zu gehen. Wir erwarten linien in Betracht kommen; die zahlreichen kleineren Lokalvon den politisch geschulten Arbeitern die gleiche Haltung. bahnen spielen so gut wie gar keine Rolle. Natürlich Vor allem wollen wir wünschert, daß zu den wenig erhebenden hat Frankreich dafür gesorgt, daß die wichtigen BahnSchauspielen der Russen-, Franzosen- und Engländerheßen, linien und Straßen durch starke Befestigungswerke gesperrt die neben manchen Schuldigen( vor allem den bisher gewerden können. Es sind durchweg Werke von hoher Widerhätschelten russischen Lockspißeln) auch viele unschuldige Opfer standsfähigkeit, großer Sturmfreiheit und mit sehr günstigen gefordert hat, auch ohne eine Italienerbeke fommt. Die. Berlin , 10. August. ( W. T. B.) Drei im Grenzschutz bei Eydt deutschen Arbeiter sollen sich dabei wenigstens reine Hände Deckungsverhältnissen, die mit verhältnismäßig sehr geringen Bejagungskräften gegen eine angreifende italienische Armee fuhnen stehende Kompagnien, unterstützt durch heraneilende Feld bewahren. Freuen wr uns, internationale Sozialisten, daß gehalten werden können. Diese Befestigungskette beginnt in artillerie, haben die über Romeiten auf Schleuben vorgehende in den Tagen, in denen sich acht Völker Europas zerfleischen, der Nähe von Nizza und geht nördlich bis zur Schweizer dritte russische Kavalleriedivision über die Grenze zurüd dem italienischen Proletariat die Schrecken des Weltkrieges Grenze. Hinter der ersten Linie der Sperrforts liegen geworfen. erspart bleiben.
Ob Frankreich in der Lage ist, einen wesentlichen Teil seiner in Nordafrika stehenden Armee auf den europäischen Kriegsplaß zu werfen, ist eine Frage, die heute kaum zu beantworten ist. Die letzten Nachrichten, die aus Marokko zu uns drangen, klangen nicht sehr günstig für Frankreich . Eine wird sicher eine Aufstandsbewegung zur Folge haben, die den Entblößung Maroffos und auch zum großen Teil Algeriens Bestand des großen nordafrikanischen Kolonialreiches der Republit in seinen Grundfesten erschüttern kann.
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