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Nr. 239.- 31. Jahrg.

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Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin".

Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutfchlands.

Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplak, Nr. 1983.

Die Kämpfe in und um Mülhausen i. Els.

Mittwoch, den 2. September 1914.

Die elsässische Bevölkerung

Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt Morikplatz, Nr. 1984.

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und die deutschen Truppen. nige, daß die Bevölkerung sich mit dem deutschen Volke eins fühlt.

einer Liste, die sie von Belfort mitgebracht hatten. Am Donnerstag einmaligen Vive- la- France- Ruf auf dem Neuquartierplak und dem traf immer mehr französisches Militär ein. Zwischendurch dauerten Jubel der kleinen Zahl der dort versammelten Personen ist nichts die Verhaftungen deutscher Bürger fort. Auf jede Denunziation vorgekommen, was auch nur zu der Vermutung berechtigte, daß hin wurden Verhaftungen vorgenommen; teilweise mußten die Mülhausens Bürger auf deutsche Truppen geschossen oder sich sonst Verhafteten wieder freigelassen werden, zum Teil wurden sie als unfreundlich gegenüber den deutschen Truppen benommen hätten. Geiseln nach Belfort geschleppt. Freitag und Samstag hörten wir während der ganzen Zeit wurde von der Mülhauser Bürgerschaft ständig fernen Geschüßdonner, Samstag auch wieder Gewehrfeuer. den durchmarschierenden deutschen Truppen mit aller Freundlich Von einem Mitglied der Mülhauser Gemeindevertretung wird Sonntag, den 23. August, vormittags 8 Uhr, wurde die französische feit entgegengekommen, Essen und Trinken auf den Straßen an sie uns geschrieben: Trifolore feierlich auf dem Mülhauser Rathaus verteilt, wurden sie mit Zigarren und sonstigen Liebesgaben be­Am Freitag, den 7. August, verließen die Zibilbehörden bie gehigt. Die Franzosen requirierten alles mögliche, schenkt, sodaß es unrecht wäre, der Bevölkerung an und für sich un­Stadt Mülhausen . Samstag abends 7 Uhr zogen die Franzosen , 4000 Paar Schuhe, ebensoviele Hemden, Hunderte von Ar- freundliches Verhalten zum Vorwurf zu machen. Aber selbst wenn nachdem sie die schwachen deutschen Truppen aus den Vogesen beitern für Schanzarbeiten, die während des fortgesezten Kanonen- festgestellt werden sollte, daß einzelne Personen sich zu Unfreund­zurückgeworfen hatten, in die Stadt ein. Am Neuquartierplaz donners vorgenommen wurden. Montag, den 24. August, abends lichkeiten, ja sogar zu tätlichen Angriffen hätten hinreißen lassen, hatte sich eine Menge von 200 bis 300 Personen angesammelt, sehr 8 Uhr, zogen dann die Franzosen ganz plöhlich ab und gaben die was aber bis jetzt in keiner Weise geschehen ist, denn auf eine Auf­biele der Schule noch nicht Entwachsene, einige Angestellte und eine geschaffenen Befestigungen und Verschanzungen tampflos auf. forderung der Stadtverwaltung, solche Vorgänge zu melden, und Anzahl älterer Leute. Von diesen alten Leuten umarmte einer Dienstag wechselten wieder deutsche und französische Patrouillen auf die Aussehung einer Belohnung von 1000 M. ist keine einzige feinen in der französischen Armee als Offizier dienenden miteinander ab, ohne daß es zum Kampfe tam. Am Mittwoch- derartige Meldung ergangen so dürfte man dieses Verhalten der Schwiegersohn, ein anderer umarmte den Obersten des Regiments, morgen wurde dann auch die eingeführte französische Zeit gesamten Bevölkerung unter feinen Umständen zur Last legen und da er früher in diesem Regiment gedient hat und eine Anzahl wieder durch die deutsche Zeit ersetzt. sie dafür verantwortlich machen wollen. Die drei in Betracht kom­Leute riefen: Vive la France!". Am Sonntagnachmittag griffen menden Kommandierenden Generäle haben der elsaß - lothringischen die deutschen Truppen die Franzosen an. Die Stadt wurde, da Bevölkerung öffentlich ihren Dank ausgesprochen dafür, daß die eine französische Batterie auf einem Berge oberhalb der Stadt Mobilmachung in Elsaß- Lothringen sich in geradezu glänzender stand, stellenweise mitbeschossen. Das Bombardement dauerte den Weise vollzogen habe. Dieser Umstand allein beweist schon zur Ge­ganzen Nachmittag und die ganze Nacht fort. Die Bevölkerung fuchte Schutz in den Kellern. Abends 9 Uhr begannen die Fran­Genosse Leopold Emmel , der Vertreter Mülhausens im Deshalb sollte man auch in Altdeutschland Bedenken tragen, leicht­zosen den Rückzug. Teile ihrer Truppen verteidigten den Ring- Deutschen Reichstage, schreibt uns: fertig Anklagen gegen das elsaß - lothringische Volk zu erheben. Kein bahndamm bis Montag vormittag. Dann erfolgte der Einmarsch Die Behauptung, daß Mühauser Bürger auf deutsche Truppen Mensch billigt in Elsaß- Lothringen solche Dinge, wenn sie borge­der Deutschen . Am selben Abend fano in der Stadt eine große geschossen hätten, ist in Altdeutschland start verbreitet worden und kommen sein sollten. In Mülhausen und der näheren Umgebung Schießerei mittels Maschinengewehren und Infanteriegewehren die deutschen Truppen, die zuletzt nach Mülhausen kamen, haben sind sie nicht vorgekommen. Deshalb protestiere ich sehr entschieden statt. Die Ursache war ein französischer Flieger, der die Stadt unter dem Einfluß dieser Behauptung sich zu mancher Unfreund- dagegen, daß diese Märchen weiterverbreitet werden und später überflog und von den Truppen beschossen wurde. Im Anschluß lichkeit gegenüber den Bewohnern Mülhausens verleiten laffen. eventuell als historische Wahrheit aufmarschieren. Zu diesem Pro­hieran behaupteten Angehörige der Truppen, sie seien aus Häusern Dieser Behauptung muß aber entschieden widersprochen werden. Ich test fühle ich mich um so mehr gezwungen, da ich selbst geborener und umschlossenen Gebäuden beschossen worden. Da an den folhabe die Striegstage in Mülhausen miterlebt. Abgesehen von dem Altdeutscher bin. genden Tagen noch eine Reihe von französischen Gefangenen innerhalb der Stadt gemacht wurden, so besteht die Möglichkeit, daß bon diesen Soldaten auf deutsche Truppen geschossen worden ist. Andererseits ist aber auch festgestellt, daß die deutschen Truppen an Fensterpfeilern die fchlagende Geschosse, Anschlagen Funken entwidelten und eine Staubwolfe aus. löften, als aus den Fenstern abgegebene Schüsse betrachteten. Dieser Umstand sowie die oben erwähnte Szene bei dem Einmarsch der Franzosen dürfte dann der übereifrigen altdeutschen Presse Anlaß gegeben haben, etwas zu leichtfertig über die Unzuverlässigkeit der elsässischen Bevölkerung herzuziehen. Be­dauerlich ist auch, daß sich selbst die Militärpersonen durch diese Vorgänge zu harten Maßnahmen gegen die Bevölkerung verleiten ließen.

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Zwischen den Schlachten.

Westlicher Kriegsschauplah.

Neue englische Rüstungen?

Und endlich sagt der Brüsseler Telegraaf", allerdings im nach der Offupation erschienenen Blatt in seiner Nummer bom 24. August:

Wir können uns nicht den Entschuldigungen anschließen, die London , 28. Auguft.( W. T. B.) Wie die Blätter melden, für die lendenlahme Art, wie die franzöfifche Armee uns zu Hilfe(?) auf die Schlachtbank geführt, unter dem Stachel der be­hat Churchill mitgeteilt, daß englische Seefoldaten gekommen ist, vorgebracht werden. Man hat unsere Jungen Ostende und die umliegenden Bezirke besetzt hätten. Kitchener fordert zum Eintritt in eine zweite Ersatz- geisternden Zurufe:" Fürchtet Euch nicht, die Franzosen kommen!" armee von 100 000 Mann des regulären Heeres auf. Die Altersgrenze beträgt 19 beziv. 35 Jahre. Die Zahl der Meldungen zum ersten Ersakheere sei befriedigend gewesen.

Abreise der belgischen Königin aus Antwerpen .

Die Deutschen in Brüssel .

"

Von Montag bis Freitag hatten wir Ruhe. Freitag nachmittag berließ die Zivilverwaltung, Post, Reichsbant, Bahnpersonal wieder die Stadt. In der Nacht vom Freitag auf Samstag entstand in dem Vorort Burzweiler eine ähnliche Schießerei, wie sie am Montag in der Stadt vorgekommen. Die Auffassung der deutschen Truppen, daß aus Häusern auf sie geschossen worden sei, führte dazu, daß in Burzweiler von deutschen Truppen 43 Häuser nieder­Antwerpen, 31. August. Die Königin hat Antwerpen heute vor geschossen und in Brand gesteckt wurden, außerdem zwei große mittag verlassen, um ihre Kinder nach London zu begleiten. Fabriken. Der Inhaber der zusammengeschossenen Fabrik Bern­heim genügt als Dragoneroffizier in einem deutschen Regiment Seiner Dienstpflicht. Ueber 1000 Arbeiter sind infolge des Nieder­brennens der beiden Fabriken brotlos geworden. Sechs Männer, darunter ein Varteigenosse, der keiner Müde etwas zu leide getan hätte, wurden bei dieser Gelegenheit erschossen, 74 Personen in Haft genommen, die alle, da bestimmte Anklage­punkte gegen sie nicht formuliert werden konnten, wieder frei­gelassen werden mußten. Frauen und Kinder mit Säuglingen wurden nachts im Regen auf das freie Feld gebracht. Die Stadt­verwaltung ließ durch Rechtsanwälte über diese Vorgänge alle Be­teiligten zu Protokoll vernehmen. Der französische Truppen­tommandant hat diese Akten mitgenommen, denn nur Frankreich hat großes Interesse an der Schaffung eines derartigen Gegen­fazes zwischen Deutschland und dem Elsaß , und die Allzueifrigen sehen daran, wem sie eigentlich mit ihrem Vorgehen gegen die Elsässer gedient haben.

Das Amsterdamer Handelsblad" meldet nach der Frankfurter Zeitung ", daß Bürgermeister Mag von Brüssel sich die größte Mühe gebe, um 8wischenfällen vorzubeugen. Er hat einen strengen Polizei­dienst mit Hilfe der Bürgerwehr eingerichtet, die mit Säbel und Revolver bewaffnet sind. Die Postbeamten tun Hilfspostdienst. Auf dem Kongreßplag, der die ganze Unterstadt beherrscht, stehen auf die Stadt gerichtete deutsche Kanonen. Der deutsche Kommandant überläßt die Kontrolle vollständig dem Bürgermeister und die Belgier dürfen ruhig ihre Nationalfarben im Knopfloch tragen und die National fahne an den Häusern flattern lassen.

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Belgische Anklagen gegen Frankreich und England.

Aus Amsterdam wird uns geschrieben:

Tag für Tag fämpften unsere Truppen. Ihr Heldenmut zwang der ganzen Welt Bewunderung ab. Ihr hartnäckiger Widers stand bereitelte den ganzen Ueberrumpelungsplan der Deutschen und darum sagen wir geradeheraus, daß Frankreich trotz aller auf gestellten Pläne seine Pflicht verabsäumt hat und wir beziehen die Engländer in diesen Tadel ein, mit dem Vorbehalt, daß der Brite nicht so rasch hier sein konnte wie der südliche Nachbar, dem wir alle unfere Eisenbahnzüge und unser ganzes Material zur Verfügung stellten. Und nun, nachdem sie unsere Söhne haben morden lassen beginnen fie ihren(?) gut einstudierten(?) Plan auszuführen, der allein darin besteht, ihr eigenes Gebiet vor der Invasion zu be­wahren und den Kampf auf unserem Boden auszufechten."

An der Ostgrenze.

10000 russische Gefangene mehr. Berlin , 1. September. ( W. T. B.) Nach weiteren Mitteilungen des Hauptquartiers ist die Zahl der Gefangenen in der Schlacht bei Gilgenburg- Ortelsburg noch größer gewesen als bisher bekannt. Sie beträgt 70 000 Mann, darunter 300 Offiziere. Das gesamte Artilleriemate rial der Russen ist vernichtet.

Die Laatfte Rieuws( Center Ausgabe) stellen die Frage, ob Vom östlichen Kriegsschauplah.

VI.

Ostfront, den 29. August 1914. Maschinengewehre, Kleinkalibrige, Schnellfeuergeschüße und

die Belgier allein, ohne Bundesgenossen, den Kampf vom 5. bis Von Sonntag bis Dienstag war wieber Ruhe. Dienstag 19. Auguſt geführt hätten. Sie berufen sich auf eine offizielle Note hatten wir abwechselnd deutsche und französische Patrouillen in der des belgischen Ministeriums vom 17. August, die folgendes erklärte: Stadt, ohne daß es zu einem Kampfe kam. Mittwoch, den Gebt dem Cäsar, was des Cäsars ist. Die französische Reiterei 19. August, morgens 9 Uhr, begann ein Infanteriefeuerkampf am scheint, obzwar sie das belgische Gebiet betreten hat, nicht mit Automobile sind die entscheidenden Kriegswerkzeuge geworden; sie Bahnhof. Die deutschen Truppen rückten durch Dornach gegen die geholfen zu haben, die Deutschen an der Maas festzuhalten. Alle geben dem Kriegsbilde heute das Gepräge. Halt! Noch ein Wert­an der Festhaltung und Umschließung des deutschen zeug muß genannt werden: das Flugzeug; gerade dieses hat in franzöfifchen Truppen vor. Von 10 Uhr ab schoß die französische Ehre den Kämpfen der letzten Tage eine wichtige Aufgabe erfüllt, mit Artillerie mit schweren Granaten auf die vordringenden Deutschen Angriffs fommt den Belgiern zu, ohne Einschränkung." Genter Flandre Libérale" 21. August entlehnt erstaunlicher Genauigkeit die Stellungen und Bewegungen des und warf sie mit starken Verlusten zurück. Das Arbeiterviertel in Der Dornach wurde zum Teil zusammengeschossen, der Vorort dasselbe Blatt die Säße: Wir können es jetzt wohl sagen: Feindes erkundet. Der Kommandierende wußte, wie er zu handeln Es find noch keine Engländer in Belgien . Das englische hatte. Brunnstadt litt auch gewaltig unter dem französischen Expeditionstorps ist in Dünkirchen und Calais ausgeschifft. Es ist Der alte Landsknecht war sozusagen ein Kunsthandwerker bes Artilleriefeuer. Infolge einer Flankenbewegung der deutschen im Anmarsch nach Belgien , aber wir haben nicht warten können. Truppen hatten auch die Franzosen starke Verluste. Um 4 Uhr was das französische Heer betrifft, so war dieses durch Kavallerie Krieges. Körperliche Gewandtheit, Kühnheit und Verschlagenheit nachmittags rückten die Franzosen wieder in Mülhausen ein. Am vertreten, die sich am Mittwoch noch fern vom Land befand und machten den Mann. Und seine Taten waren sein Stolz und sein felben Abend verhafteten sie den Bürgermeister durch zahlreiches Fußvolt, das durchaus zu fern war, um inter- Glüd. Ihm umwob sich das Kriegsspiel mit einem Schein von Boefte und Romantit. Heute nichts mehr davon: der Krieg ist Sofmann und eine Reihe angesehener Personen auf Grund venieren zu können,